BetzebuWest hat geschrieben: 21.02.2026, 14:16
Zur Spieltagsfrage "Verunsichert oder selbstbewusst gegen Münster?", würde ich mal sagen, auf jeden Fall mit grosser Vorsicht gegen Münster. Wie hier alle wissen, gibt es kein Team in der 2. Liga, die man auf die leichte Schulter nehmen kann - unabhängig vom aktuellen Tabellenplatz.
Sehe, dass einige eine sehr offensive Spielweise wünschen, weil das wohl früher so erfolgreich war. Meiner Erinnerung nach hat der FCK in den erfolgreichsten Zeiten sehr oft defensiv gestanden und hat dann gute und effektive Konter gefahren. Zudem hatte man in diesen Zeiten Mannschaften, die eine wirkliche Einheit waren. Mit den Verletzten und den ständigen Ab- und Zugängen neuer Spieler, kann noch keine echte Mannschaft entstanden sein. Das braucht seine Zeit.
Das wichtigste ist zur Zeit Punkte auf das Punktekonto zu bekommen, vor allem um in der TV-Tabelle nach oben zu rücken, um in Zukunft mehr finanziellen Spielraum zu haben. Falls es irgendwie noch zum Aufstieg reichen würde, wäre toll, wichtiger ist meiner Meinung nach zur Zeit jedoch die stetige und nachhaltige Weiterentwicklung des FCK damit wir auch langfristig Erfolge feiern können.
Es ist super, dass das Stadion jetzt voll ist und das Interesse am FCK wieder so hoch ist, es scheinen aber Leute dabei zu sein, die die letzten 20 Jahre nicht so ganz intensiv miterlebt haben bzw. sich nicht mehr so gerne daran erinnern wollen. Nur so kann ich mir die Pfiffe nach dem letzten Heimsieg erklären. Es ist schon kurios, dass man einfach nicht sehen will, was zur Zeit die Ausgangslage ist. Siege sind, trotz Verletzungspech, ständiger Integration neuer Spieler, von denen wir zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht einmal wissen, ob sie tatsächlich eine Verstärkung sind und Gegnern, die natürlich auch kicken können, nicht mehr genug, jetzt muss der Gegner dominiert und aus dem Stadion geschossen werden.
Zum Glück haben die treuen Auswärtsfahrer da ein etwas besseres Gespür. Daher wünsche ich ihnen 3 Punkte, egal wie. In diesem Sinne - Auswärtssieg.
Ich beziehe mich auf Deine Aussage „es scheinen aber Leute dabei zu sein, die die letzten 20 Jahre nicht so ganz intensiv miterlebt haben bzw. sich nicht mehr so gerne daran erinnern wollen.”
Diese Gedanken kommen mir bei Mißerfolgen in den letzten Jahren, nein, sogar schon Jahrzehnten, auch immer wieder zum Vorschein. „Kalli“ Feldkamp sagte nach seinem Abgang im Jahre 1992, trotz einem 5. Platz und zuvor Meisterschaft und Pokalsieg, daß hier im FCK-Umfeld einige anfangen durchzudrehen und es als Selbstverständlichkeit betrachten jedes Jahr um die Meisterschaft mitzuspielen. Er war nicht nur in dieser Angelegenheit der schlauste und beste FCK-Trainer aller Zeiten. Rehhagel war nicht so schlau wie er, denn er befand sich 3 Jahre nach der Meisterschaft in derselben Situation, nur war sein Ego zu groß rechtzeitig von sich aus zurückzutreten. So hallte es nach einer Niederlage und einem Mittelfeldplatz in der Tabelle „Otto raus“. Noch in der 2. Liga, auch unter Rehhagel, wurde in der Rückrunde, trotz Tabellenführung, kurz nachdem der Tabellenletzte RW Essen das 0-2 erzielte, den Essener Spielern bei jeder Ballberührung Applaus gespendet, was wohl einmalig in der FCK-Fangeschichte bleiben wird. Man hatte halt den Anspruch, daß man den Tabellenletzten so locker mal 5-0 nachhause schicken muß. Das Spiel wurde zwar noch 3-2 gewonnen, aber so etwas fand ich nur noch beschämend.
Diese Ereignisse sind zwar alle schon 30-35 Jahre her, aber die 90er Jahre prägen, meiner Meinung nach, das Anspruchsdenken derer, die damals schon dabei waren, noch bis heute. Hat man etwas erreicht muß es zukünftig wiederholt oder sogar noch besser gemacht werden. Wohin dies alles geführt hat ist bekannt. Abstiege, Chaos, Trainerentlassung folgte auf Trainerentlassung und letztlich endete alles fast in der 4. Liga. Aus der neueren Vereinsgeschichte stehen für mich stellvertretend die Ereignisse rund um die Entlassung von Marco Antwerpen. Zwei Wochen vor seiner Entlassung schrie vor dem Spiel das ganze Stadion in Wiesbaden „Marco Antwerpen, Du bist der beste Mann“ und es folgten danach 3 Niederlagen, die aus einem sichergeglaubten Aufstieg einen Relegationsplatz machten. Ob alle Fans seinen Rausschmiß forderten und ob mit ihm der Aufstieg trotzdem noch gelungen wäre sei mal dahingestellt, aber es waren sicherlich viele dabei, die diese Entscheidung von Hengen positiv fanden.
In dieser Saison ging die Unzufriedenheit schon am 4. Spieltag gegen Darmstadt los. Vor dem Ausgleich kurz vor Schluß wollte das halbe Stadion unseren Trainer schon auf den Mond schießen und jetzt gegen Fürth die Pfiffe. Klar, es war eine schwache Vorstellung, aber motivierter werden die Spieler dadurch nicht. Dazu kommt noch, daß viele in diesem Forum immer wieder betonen, daß man mit dem 6-8. Platz zufrieden wäre. Trotzdem erwartet man vom FCK einen Fußball, der nur mit ganz wenigen Ausnahmen (in dieser Saison Schalke) nicht solch einem Tabellenplatz entspricht, auf dem man sich aktuell befindet. Und genau hier sind wir wieder beim Thema Erwartungshaltung und Demut. Einfach mal nachdenken, was in den letzten 20 Jahren passiert ist und dies dann auf den aktuellen Tatbestand übertragen. Klar ist zwar, daß Lieberknecht während der Saison den Aufstieg als Ziel ausgerufen hat, aber sein wir mal ehrlich, was hätte er denn ansonsten machen sollen!? Auch wenn in diesem Forum vor der Saison behauptet wurde, daß man mit einem bereits erwähnten Platz 6-8 zufrieden wäre, insgeheim denkt doch fast jeder, daß alles andere als ein Aufstieg nicht das erklärte Ziel ist. Schuster und Anfang fielen diesen Ansprüchen zum Oper, nun soll es Lieberknecht sein. Und der nächste wartet schon bis es ihm schon bei geringem Mißerfolg genauso ergehen würde.