@diago & Kitzmann-Übersteiger:
Das ist jetzt nicht belehrend gemeint, so chaotisch wie das bei uns läuft bin ich auch nur einer von vielen die interpretieren, aber auf der Ebene der Idee (und durchaus in Einklang mit dem was ich bei uns — unrund — meine zu sehen):
Nein, übergeben (im „klassischen“ Sinn der letzten 25-30 Jahre) wird im aktuellen Mann gegen Mann nicht. Während Du in der Phase gegen den Ball bist sind die Zuteilungen fest — müssen sie ja auch: Wenn Du hinten den Mann den Dein Mitspieler verloren hat übernimmst kann „Deiner“ in der Zeit frei Räume besetzen, d.h. wenn überhaupt kannst Du situativ tauschen (was aber eigentlich jeder Trainer der das spielen lässt tunlichst vermeidet, weil Du damit dem Gegner ein Element gibst die Zuordnung zu brechen und für Fehler = freie Spieler zu sorgen; und wenn auch nur einer frei ist ist der ganze defensive Ansatz des 1 gg. 1 für die Katz, weil Du ohne Struktur im Raum dann maximal hergespielt wirst). Wenn Upamecano vorne auftaucht dann nicht als „situative Verstärkung“ oder überraschendes Element (dann würde das Überspielen des Pressings von dem man im Ansatz im Raum spricht ja das Risiko schaffen hinten in Unterzahl zu geraten) — sondern deshalb weil der Gegner vorher Upas Gegenspieler weit zurückgezogen hat um sich dem 1 gg. 1 zu entziehen und Upa den Weg macht um den für diesen Ansatz fundamentalen Zugriff über den gesamten Platz aufrechtzuerhalten. Das gleiche gilt umgekehrt für die Lobeshymnen auf Kane der am eigenen Strafraum verteidigt — muss er dann halt, weil der Gegner einen Verteidiger mit in den Angriff geschickt hat, entweder weil man Kane als defensive Schwachstelle nutzen oder vom eigenen Tor wegschieben will, usw.
Variation kommt da eigentlich nur über signifikante Wechsel der Spielphase rein:
a) Taktisch:
Wenn das 1 gg. 1 in Phasen über Kommandos „ausgelöst“ (und dann entsprechend auch wieder „abgesagt“) wird und stattdessen situativ zur Entlastung auf Verteidigung in Struktur und Raum (partiell oder über den gesamten Platz, da werden auch gerne „Spielergruppen“ definiert und unterschiedlich angewiesen) gewechselt wird, dann kann es natürlich auch wieder Feldbereiche und Phasen geben in denen übernommen werden kann. Bei uns hatte Lieberknecht in der Winterpause angekündigt in diesem Sinne phasenweise mit Struktur im tiefen Block zu operieren (vermute mal das war die Konsequenz aus der verdaddelten Belastungssteuerung im Herbst).
b) Mit Spielphasenwechsel (also dem „Umschalten“ nach Ballwechsel, im Falle des 1 gg. 1 logischerweise im hier besprochenen Kontext nach Ballverlust) muss natürlich definiert sein, nach welchem Prinzip ich wieder ins 1 gegen 1 gehe. Einfach gesagt: Wenn mein Team den Ball hat und schnell nach vorne spielt will ich ja den Teufel (

) tun und über den Platz in Zuordnung bleiben (also die Gegenspieler an den eigenen Spielern haben). Vielmehr wird in der Regel ein Ansatz für das Spiel mit Ball gewählt (im Gegensatz zu uns setzen die Bayern da auf Positionsspiel im Raum, also genau das was immer noch oft auch für Teams wie Paderborn, Elversberg oder Magdeburg — die das im Ideal heute mit Struktur
und möglichst schnell spielen — fälschlicherweise in 2010er-Terminologie als „Ballbesitzfußball“ bezeichnet wird), bei uns ist das bei Ballgewinn ab dem mittleren Drittel der direkte Ball in die Spitze, bei sehr tiefen Ballgewinnen (z.B. wenn der Gegner — wie Darmstadt es getan hat um uns eben nicht unsere Lieblingssituationen zu geben — selbst hohe Bälle schlägt die wir dann hinten festmachen) gewissermaßen „mit Bande“ schnell auf die Schiene oder einen der äußeren Innenverteidiger und von dort pronto diagonal ins letzte Drittel. Damit das klappt gibt es jeweils klare Absprachen wie hoch und in welcher Besetzung bei unserem Angriff die letzte Verteidigungslinie steht, wer davor mit im defensiven Block absichert (zusammen ist das dann die „Restverteidigung“) und wer direkt im und am Strafraum für Alarm sorgen darf (diese Spieler sprinten bei uns entsprechend mit der Balleroberung schon sofort in die höchste Linie, d.h. auf Höhe der gegnerischen Abwehrlinie — deshalb macht Sahin — bei uns mit Ball je nach Gegner mal in der Mittelfeld-Fraktion der Restverteidigung und mal im Team Attacke — im Mittelfeld mit Ball mehr oder weniger alles allein, deshalb fallen Skyttää — immer Abteilung Attacke — im Aufbau generell und Ritter — fast immer Abteilung Attacke — in der Regel für sowas wie Spielaufbau komplett aus. Um aber zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Mit Ende unseres Angriffs müssen wir selbstverständlich immer wieder zurück ins 1 gg. 1 finden (hier kann man natürlich verschiedene Prinzipien definieren, aber alles andere als „finde Deinen Mann“ beraubt den Ansatz seiner Stärken, weil es dem Gegner Spielchen eröffnet das 1 gg. 1 zu brechen, s. oben). Hier ist natürlich in der „reinen Lehre“, bei aller — im schönen Sinne — taktischen Simplizität des modernen Mann gg. Mann die eine, große Schwachstelle; bei uns: Wenn wir mit Ball unsere Schienenspieler nicht Minimum auf Höhe Mittellinie mitziehen (wenn der Gegner tief verteidigt stehen sie sogar deutlich höher) geht bei uns nach vorne gar nix. Hier haben Wagner und Kohfeldt beide einen ganz einfachen Kniff gezogen: Deren offensive Außen (vereinfacht; eigentlich primär die Spieler die wir mit Haas — Elversberg — bzw. Joly — Darmstadt — defensiv „gematched“ haben) haben bei unseren „Ballbesitzphasen“ (

) den recht weiten Raum außen an den Rändern unserer Abwehrreihe — die muss halbwegs dicht stehen um schnelle Konter-Durchbrüche im Zentrum zu vermeiden, was bei der 3er-Kette Räume außen öffnet — gehalten; sobald wir den Ball verloren haben war die Anweisung den Ball so schnell wie möglich zu diesen Spielern in diesem Raum zu spielen. So hätte uns Elversberg mit mehr Effizienz schon in Halbzeit 1 den Stecker ziehen können, Darmstadt hat dazu (klar, auch weil Joly dann mit Tempo nur noch die Haxen trifft) keine 2 Minuten gebraucht.
Abgesehen von diesen Situationen wird im 1 gegen 1 über den ganzen Platz idealerweise nicht übergeben — sonst würde alles was durch diesen Ansatz gewonnen werden soll (das Negieren taktischer Skills in der Umsetzung von Positionierung im Raum und komplexer „wenn -> dann“-Regeln und ersetzen dieser Skills durch brachiale Intensität und — oft vergessen — überlegene Technik) wieder verloren gehen. Überspitzt gesagt: Dann kann ich es gleich lassen.
So wie ich das sehe gehen wir das auch entsprechend an — ich bin da aber absolut bei @OttiFeldhagel: Wir schaffen es in der Regel nicht, bei uns laufen die 1 gg. 1-Phasen schon seit gut 3 Monaten darauf hinaus hinten anfällig und vorne konfus zu agieren.
Insofern müsste es längere Phasen mit Struktur geben um die Kategorie „Stellungsspiel“ für Joly — und andere — überhaupt bewerten zu können. Asta würde da genauso agieren (müssen) wenn er offensiv helfen soll. Im 1 gg. 1 ist die Kardinalsünde sich im Mannschaftsgefüge gegen den Ball vom Gegenspieler abhängen, legen, usw. zu lassen — also den Zugriff den man schon hatte zu verlieren. Stellungsspiel ist (wenn man es richtig macht) in den 1 gg. 1-Phasen gegen den Ball einfach nicht mehr relevant.
Hoffen wir dass es besser wird — dass es dafür meiner Meinung nach einer grundlegenden Änderung mindestens im Spiel mit Ball bedarf habe ich schon vor dem Hinspiel gegen Darmstadt geschrieben, daran hat sich für mich nichts geändert (eher im Gegenteil). Aber da kann ich natürlich falsch liegen. Time will tell.
Auf 3 Punkte in Münster
