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Taktik-Nachlese mit xGoals und Passmaps: Die DBB-Analysen der Saison 2025/26

Neuigkeiten und Pressemeldungen zum 1. FC Kaiserslautern.
Bbördes
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Beitrag von Bbördes »

Sehr gute Analyse spiegelt ein weiteres Mal meine Sicht des Spielverlaufs wieder.

Kleine Anmerkung: beim Namen unseres neuen Abwehrrecken ist wohl ein Tippfehler unterlaufen.

Noch eine Frage. Wieso ist der Ausschlag bei den xGoals beim 2:2 so viel höher als beim 0:2? Ist die Wahrscheinlichkeit im eins gegen eins wirklich geringer als durch gefühlt 10 Beine durchzuschießen? Oder sind da beide Chancen addiert? Aber auch da finde ich den Ausschlag sehr groß.
Zuletzt geändert von Thomas am 26.01.2026, 15:47, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Danke, Buchstabendreher korrigiert.
diago
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Beitrag von diago »

Ich habe es im anderen Thread schon angedeutet. Chernev hat das Zeug dazu neuer Abwehrchef zu werden. Lautstark, aggressiv im Zweikampf und mit ordentlichem Spielaufbau. Aber ohne linkem Fuß. Daher muss er ins Zentrum. Auf der linken IV Position sehe ich momentan keine Alternative zu Robinson, der mir aber auch im Mittelfeld gut gefallen hat.
Betzegeist
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Beitrag von Betzegeist »

In der Tat: Dass einem Daniel Hanslik in dieser Beziehung mehr zuzutrauen ist als einem Skyttä, liegt wohl auf der Hand.
Und doch war es Daniel Hanslik, der vorm Ausgleich seinen Gegenspieler im Rücken weglaufen lässt und dann unterm Ball hindurchspringt.
JG
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Beitrag von JG »

Weder Hanslik und erst recht nicht Sahin haben den FCK in der hektischen Schlussphase stabilisiert. Einzig Hansliks Pass auf Prtaijn sei hervorzuheben.
Und genau so wenig hat keiner der beiden für Entlastung in dieser Schlussphase sorgen können.
Lieberknecht wechselt Ritter und Skyttä, wiederholt, zusammen aus und nimmt damit dem FCK jegliche eigene Initiative den Gegner vom Tor wegzuhalten. Das ganze in der 74.Minute wohlgemerkt, beim Stand von 0-1.
Also mit Nachspielzeit noch mindestens 20min zu gehen.
Meines Erachtens deutlich zu früh im Spiel um sich gegen nun anrennende Schalker ausschließlich hinten zu verbarrikadieren.
Wenn er wenigstens Skyttä auf dem Feld lässt um zusammen mit Prtaijn in Kontersituationen zu kommen, kann Schalke nicht so früh so offensiv auswechseln. Muslic ist ja nicht blöd und reagiert direkt nach den defensiven Wechseln von Lieberknecht mit seinerseits offensiven Auswechslungen.
Hätte er sich womöglich so nicht getraut wenn noch Skyttä an Bord geblieben wäre.

Doch, den Move Skyttä und Ritter abermals gleichzeitig auszuwechseln kann und darf man Lieberknecht ankreiden. Aber kritisch etwas zu hinterfragen scheint nicht mehr gewünscht zu sein. Ansonsten wird man als Journalist auf der PK oder als Fan im Forum nur noch abgewatscht.
Schade.
Kohlmeyer
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Beitrag von Kohlmeyer »

Also, "abgewatscht" worden ist zumindest in diesem Thread noch niemand, zumindest nicht, wenn er seine Meinung so vernünftig begründen kann, dass man drüber diskutieren kann. Und das kann man in diesem Fall selbstverständlich.

Ich denke, man muss erstmal die Idee sehen, die hinter einer seiner solchen Auswechslung steht. Dass in der praktischen Ausführung dann dennoch Fehler passieren, ist halt die Krux an der Sache, wenn man es mit Menschen zu tun hat und nicht mit Computersimulationen.

Dass Hanslik im Kopfballspiel mehr zuzutrauen ist als Ritter oder Skyttä, ist ja grundsätzlich wohl keine falsche Überlegung. Und da Schalke, glaube ich, rund 40 Prozent seiner Treffer nach Standards erzielt, war es grundsätzlich ebenso richtig, sich in der Kopfballverteidigung stärker zu machen. Außerdem ist Hanslik stark im Anlaufen von Gegnern und per se kein defensiver Wechsel, ebenso wenig Sahin, der ja auch nicht für einen defensiven reinkommt.

Ritter spielt, soweit ich das überblicke, selten durch, was bei dem kleinen Pummelchen womöglich auch Fitnessgründe hat (wobei er gegen Magdeburg bis zum Schluss Dampf gemacht hat). Und Skyttä war meines Erachtens am Sonntag nicht so drauf, dass er unmöglich hätte ausgewechselt werden dürfen. Und diesen beiden waren die einzigen Wechsel, die sich angeboten hatten, da den Defensivblock auseinanderzureißen keinen Sinn gemacht hätte, wie ich ja auch geschrieben habe.

Wenn, kann man allenfalls kritisieren, dass wir uns generell zu weit hinten reindrängen ließen, aber das muss man nicht an den Wechseln festmachen. Ob sich das von der Trainerbank aus aber hätte verhindern lassen... Andererseits: Das 2:0 fällt ja nur, weil Schalke zu weit aufmacht. Bei 0:2 bleibt denen ja auch nichts anderes übrig, egal, ob ein Skyttä da noch auf dem Platz steht oder nicht.

Im Nürnberg-Spiel seinerzeit war die Auswechslung der beiden eher kritikwürdig, denke ich.
JG
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Beitrag von JG »

Unter dem Credo Hanslik nur wegen der Kopfballstärke bei Schalker Standards zu bringen kann ich nicht ganz nachvollziehen, weil der FCK bis dahin schon die Lufthoheit vollends besaß. Wenn mich nicht alles täuscht gewinnt der FCK die meisten Luftduelle Ligaweit. Auch ohne Hansi.
Und das Anlaufverhalten ist wichtig, absolut. Wichtig ist aber in dieser Phase des Spiels wo ich als Mannschaft anlaufe.
Durch die Wechsel veränderte sich deutlich die Aufstellung der Ketten der Lautrer. Hatte man vorher, mit Ritter und Skyttä, noch erfolgreich die Schalker spätestens an der Mittellinie gestört waren nun alle, auch Prtaijn und Hansi, tief in der eigenen Hälfte gestanden und ließen sich einschnüren. Erst dadurch konnte Schalke einen hohen Ball gefolgt vom nächsten auf Dzeko spielen.
Hansliks Kopfballstärke spielte da überhaupt keine Rolle mehr, weil der neben Prtaijn im Halbfeld stand. Die Kopfballduelle fanden nur noch ausschließlich im eigenen Strafraum statt.
Und zu Sahin. Gerade der ist für's ausschließliche Mauern ja mal überhaupt nicht prädestiniert. War völlig auf verlorenem Posten. Der wird halt nie mehr ein Zweikampfmonster.

Oben habe ich ja geschrieben, warum wenigstens Skyttä auf dem Platz hätte bleiben sollen. Hanslik für Ritter gehe ich noch mit. Aber never ever beide rausnehmen.
Kohlmeyer
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Beitrag von Kohlmeyer »

Hanslik war bei Standards durchaus mit im Strafraum. Wenn ich recht gesehen, schirmte er sogar Dzeko mit ab.

Und Sahin wurde ja auch nicht fürs ausschließliche Mauern eingewechselt, sondern für einen offensiven. Die fußballerischen Anlagen, vorne den Ball zu sichern und zu halten, hat er durchaus. Auch wenn er nicht so dribbelstark wie Skyttä.

Wie gesagt: Das könnte die Idee gewesen sein, die hinter dem Wechsel steckte. Wie es in der Praxis funktionierte, ist die andere Seite.
DesWaltersFrosch
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Beitrag von DesWaltersFrosch »

Ich weiss nicht, ob ich mit meiner Meinung auf weiter Flur alleine bin: aber das Zweikampfverhalten von Gyamfi im Duell mit Dzeko war aus meiner Sicht "körperlos", gerade deshalb konnte Dzeko den Ball tatsächlich in der Art verarbeiten, wie er es getan hat. Natürlich klasse mit dem Rücken zum Tor gemacht, keine Frage. Aber unterm Strich war es viel zu einfach. Auch wenn ich jetzt nicht Gyamfi das Unentschieden "anlasten" will. Insgesamt war ich sehr positiv überrascht über den Auftritt von uns.
Hellboy
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Beitrag von Hellboy »

Vielleicht war das auch einfach nur der Unterschied zwischen einem Verteidiger, der vor kurzem noch 3. Liga gespielt hat, und einem Stürmer, der in zwei europäischen Topligen der Euroleague Torschützenkönig war. :wink:
35
Lautern-Fahne
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Beitrag von Lautern-Fahne »

DesWaltersFrosch hat geschrieben: 26.01.2026, 20:17 Ich weiss nicht, ob ich mit meiner Meinung auf weiter Flur alleine bin: aber das Zweikampfverhalten von Gyamfi im Duell mit Dzeko war aus meiner Sicht "körperlos", gerade deshalb konnte Dzeko den Ball tatsächlich in der Art verarbeiten, wie er es getan hat. Natürlich klasse mit dem Rücken zum Tor gemacht, keine Frage. Aber unterm Strich war es viel zu einfach. Auch wenn ich jetzt nicht Gyamfi das Unentschieden "anlasten" will. Insgesamt war ich sehr positiv überrascht über den Auftritt von uns.
https://www.youtube.com/watch?v=iIwreH7emFs

Ab Minute 6:10 kann man es ansehen. Die Frage ist, was Gyamfi da tun kann. Konnte das vom Block aus beobachten: Dzeko klemmte ihm unten den Arm ein sodass er nicht springen konnte und zog ihn gleichzeitig in Rückenlage. Stressposition. Dzeko legt ihm ja auf den komplette Unterarm samt Ellbogen auf die Schulter und drückt. Gyamfi könnte sich fallen lassen ums Stürmerfaul zu kriegen. Aber wenn er "nach hinten ausschlägt" lässt sich die 10 fallen und kriegt einen Elfer bei Zwayers Linie. Erschwerend kommt hinzu, dass sie Abwehr gerade dabei war nach vorne zu Rücken und die Bogenlampe halt irgendwie zurückkam.

Insgesamt sehe ich jetzt nichts, was Gyamfi in der Situation grundlegend anders machen kann. War ein Kacktor, wo Dzeko den Ball sich in innerhalb einer Sekunde runterholt und abschließt.
"Für mich ist Schönheit, dem Gegner nicht zu geben was er will." José Mourinho

"Wir wollen keinen Schönheitspreis, sondern einfach nur punkten" Torsten Lieberknecht
Ereborn
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Beitrag von Ereborn »

Kohlmeyer hat geschrieben: 26.01.2026, 20:05 Hanslik war bei Standards durchaus mit im Strafraum. Wenn ich recht gesehen, schirmte er sogar Dzeko mit ab.

Und Sahin wurde ja auch nicht fürs ausschließliche Mauern eingewechselt, sondern für einen offensiven. Die fußballerischen Anlagen, vorne den Ball zu sichern und zu halten, hat er durchaus. Auch wenn er nicht so dribbelstark wie Skyttä.

Wie gesagt: Das könnte die Idee gewesen sein, die hinter dem Wechsel steckte. Wie es in der Praxis funktionierte, ist die andere Seite.
Die Druckphase von Schalke wäre so oder so gekommen, egal ob da noch Ritter und Skyttä oder stattdessen Hanslik und Sahin auf dem Platz standen.
Ritter und Skyttä sind das ganze Spiel über schon angelaufen und wurden langsam schwächer, daher ist es für mich nachvollziehbar, in Hanslik einen sehr anlaufstarken und frischen Spieler zu bringen, der zudem bei Standards mit im Strafraum die Lufthoheit verstärkt. Bei Sahin steckt die Idee dahinter, dass wenn wir den Ball abfangen, er ihn gut halten und gezielt verteilen kann - und das in einer Position, die natürlich weiter hinten ist, als die von Ritter oder Skyttä.
Sahin hat es bei seiner Einwechslung zu seinen Nebenleute übrigens auch mit Gesten angedeutet - ab dem Moment haben wir taktisch mit 3 6ern gespielt.
Hierüber könnte man tatsächlich diskutieren - ob wir damit nicht zu weit nach hinten gedrängt wurden, wodurch die vielen Bälle in den Strafraum möglich wurden.
Die Gegenfrage wäre dann aber dazu, ob wir das noch hätten verhindern können. Muslic ist spätestens nach dem 0:2 all-in gegangen. Er wollte so viele Bälle wie möglich in Richtung Dzeko, entweder für diesen selbst, oder weil sich unsere Abwehr auf ihn konzentriert und damit andere Spieler in gute Positionen kommen können. Bei dem Spielstand kann oder muss man auch so reagieren. Umgekehrt hätten sich dafür für uns Kontersituationen ergeben können.
Da hätte ich dann vielleicht tatsächlich gerne noch Skyttä auf dem Platz gehabt. Aber tatsächlich war Skyttä für mich an dem Abend nicht so gut im Spiel wie gegen Hannover.

Die Überlegungen finde ich insgesamt somit völlig nachvollziehbar. Wie das in einem Spiel dann tatsächlich ausgeht, hängt von vielen anderen Faktoren ab und lässt sich nicht bis ins letzte Detail planen - denn schließlich ist das Fußball, Zweikämpfe können mal so oder so ausgehen und ein Ball in die eine oder andere Richtung abprallen.

Ich persönlich hätte allerdings Ritter und Skyttä nicht zeitgleich ausgewechselt, um die Statik und Anspielstationen nicht zu plötzlich zu verändern. Mit 5 Minuten Abstand oder so wäre mir, wenn machbar, lieber gewesen.
Vieles im Leben kann man mit Geld kaufen.
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Ke07111978
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Beitrag von Ke07111978 »

JG hat geschrieben: 26.01.2026, 19:45 weil der FCK bis dahin schon die Lufthoheit vollends besaß.
Das ist aber ein verzerrtes Bild. Wir hatten schlicht Glück, dass die beiden Kopfballchancen, die die Schalker hatten nicht reingehen - sowohl nach wenigen Minuten als auch kurz vor unserem 1:0. Das Schalke zum Schluss den Druck erhöht und all in geht war klar. Völlig egal wie wir wechseln wäre das passiert. Den Konter zum 2:0 haben wir gesetzt. Ich kann nicht erkennen, wo wir ohne die Wechseln besser gewesen wären. Es war ein leistungsgerechtes Unentschieden. Nach dem Spielverlauf etwas unglücklich für uns - dafür war es letzte Woche gegen Hannover etwas glücklich für uns.
MarcoReichGott
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Beitrag von MarcoReichGott »

Ich fand die Einwechslungen von Hanslik und Sahin nachvollziehbar - und zumindest die Einwechslung Hanslik ging nunmal auch auf - er gibt ja den Assist beim Konter zum zweiten Tor.

Letztlich haben wir aber die letzten beiden Spiele nocheinmal eindrcksvoll gezeigt bekommen wann Sahin ein Unterschiedsspieler sein kann und wann das Spiel eben völlig an ihm vorbeiläuft. Gegen Hannover standen wir nach Sahins Einwechslung hoch, hatten früher Ballgewinne und viel Ballbesitz. Da war Sahin dann der Matchwinner. Er schafft es auf engem Raum immer wieder intelligente Spielfortsetzungen in sehr kurzer Zeit zu finden Gegen Schalke standen wir sehr tief und das Spiel lief dann völlin an Sahin vorbei. Er kommt defensiv nicht in die Zweikämpfe und wenn er mal den Ball hat, dann sind da kaum Pässe mit Raumgewinn dabei, die gefährliche Kontersituationen einleiten könnten, bzw. er geht ja auch nicht wirklich mit.
Betzegeist
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Beitrag von Betzegeist »

Tja, im Nachhinein wäre Redondo statt Sahin die bessere Wahl gewesen. Der ist eigentlich prädestiniert bei so einem Spielstand. Aber das ist müßig und gegenüber Lieberknecht auch nicht fair. Wenn Hanslik seinen Gegenspieler beim 2:2 nicht im Rücken weglaufen lässt und wir gewinnen 2:1, dann hätte Lieberknecht alles richtig gemacht.

Und dass er Skyttä und Ritter gleichzeitig auswechselt, das kann man kritisieren, aber dafür gab's auch Gründe. Wechselt er sie nacheinander aus, hat er alle Wechselfenster ausgeschöpft und könnte hintenraus nicht mehr auf eine Verletzung reagieren.
Kohlmeyer
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Beitrag von Kohlmeyer »

20. Spieltag | Die DBB-Analyse: Verletzungspech und VAR-Fluch entscheiden

Zwei brutale Genickschläge vor der Pause leiten die 1:3-Heimniederlage des FCK gegen Elversberg ein. Wie die Partie wohl ausgegangen wäre, wäre sie von rein sportlichen Faktoren bestimmt worden? Spannend wäre sie auf jeden Fall gewesen. weiterlesen ...


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Ereborn
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Beitrag von Ereborn »

Bis zur Verletzung von Prtajin und dann zur roten Karte von Robinson war das Spiel tatsächlich recht ausgeglichen. 5:6 Torschüsse und unser Ballbesitz war noch knapp unter 50%, dafür hatten wir mehr Zweikämpfe gewonnen. Unsere Torchance war etwas besser, als die dafür zahlreicheren der Elversberger.

Taktisch fand ich unser Spielsystem dennoch ziemlich riskant. Robinson hat Conté schon fast in Manndeckung genommen. Dabei hat er gut gespielt, aber nach der berechtigten Gelben wäre es ab da schwer geworden, ihn weiterhin so wirkungsvoll einzubremsen.
In der Anfangsphase haben wir dazu noch sehr früh gestört. Wenn das geklappt hat, sah es gut aus, aber die Elversberger haben es auch des Öfteren geschafft, diese 4er Pressingkette zu überspielen - und dann war immer sehr viel Platz im Mittelfeld, was oft zu sehr gefährlichen Situationen im Defensivverbund geführt hat. Das alles hat zu einem Spiel geführt, das fast ohne Mittelfeld stattfand und dementsprechend "wild" und sehr laufintensiv wurde.
Wie es ohne Rot (und Verletzung) weitergegangen wäre, ist natürlich spekulativ. Eine gewisse Abnutzung bei uns war aber schon zu erkennen. Daher wurde dann auch etwa Mitte der 1. HZ schon eine andere Taktik gewählt - tief stehen, Elversberg erst ab der gedachten 40m-Linie angreifen und dann Umschaltaktionen generieren.
Das war das sogenannte Phasen-Spiel, bei dem sich Pressingphasen mit Tiefsteh-Phasen abwechseln, um immer wieder mal Kraft zu sparen.

Nach Verletzung und Rot war das dann natürlich alles hinfällig. Die Schuld dafür bei anderen zu suchen, den Fehler sollten wir nicht begehen. In Zeiten von VAR sollte man im Zweikampf einfach cleverer agieren. Ein Gegentor verliert uns das Spiel noch nicht, aber Rot PLUS Elfmeter waren tödlich gegen einen so spielfreudigen Gegner.
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dukemh
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Beitrag von dukemh »

Wenn ich schon lese, zweifelhafte Entscheidung. :-| Es war die Vereitelung einer klaren Torchance im 16er und das zieht nun mal einen Elfer und Rot nach sich und der gelbvorbelastete Robinson hätte sich in dieser Situation cleverer verhalten MÜSSEN. Allerdings verstehe ich nicht, dass solch eine Entscheidung so lange hat dauern müssen, zumal sie eindeutig war. Der VAR muss bei einigen Sachen definitiv Verbessert werden, sonst wird er zum Kasperletheater. :x
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pisano96
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Beitrag von pisano96 »

Eigentlich dachte ich als der Videobeweis eingeführt wurde der Sinn darin besteht, daß sich der Schiedsrichter bei einer Spielsituation, bei der er sich nicht sicher war, ob es Foul, Hand, Elfmeter, Abseits oder doch nichts von allem war, er sich die Situation noch einmal selbst anschaut und dann wars das. Das ihm dann aber einer irgendwo in einem Videokeller, mit dem er über Lautsprecher verbunden ist, darauf aufmerksam macht, daß er sich eine Situation noch einmal ansehen soll, dann ist das ja noch sinnloser als es bis jetzt schon war. Dann könnte ja auch gleich der Videokeller entscheiden, ob es Foul, Hand, Elfer oder Abseits war, und der Schiri könnte sich die Arbeit sparen sich die Situation anzuschauen. Der Videobeweis macht den Fußball nicht gerechter und man regt sich mehr darüber auf, als daß er eine Situation oder ein Spiel beruhigt.
Phrasendrescher
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Beitrag von Phrasendrescher »

pisano96 hat geschrieben: 02.02.2026, 05:49 Eigentlich dachte ich als der Videobeweis eingeführt wurde der Sinn darin besteht, daß sich der Schiedsrichter bei einer Spielsituation, bei der er sich nicht sicher war, ob es Foul, Hand, Elfmeter, Abseits oder doch nichts von allem war, er sich die Situation noch einmal selbst anschaut und dann wars das. Das ihm dann aber einer irgendwo in einem Videokeller, mit dem er über Lautsprecher verbunden ist, darauf aufmerksam macht, daß er sich eine Situation noch einmal ansehen soll, dann ist das ja noch sinnloser als es bis jetzt schon war. Dann könnte ja auch gleich der Videokeller entscheiden, ob es Foul, Hand, Elfer oder Abseits war, und der Schiri könnte sich die Arbeit sparen sich die Situation anzuschauen. Der Videobeweis macht den Fußball nicht gerechter und man regt sich mehr darüber auf, als daß er eine Situation oder ein Spiel beruhigt.
@pisano
👍 Kann ich voll unterschreiben.
Ich rege mich echt immer noch darüber auf… 👿

Ich stelle das System VAR unabhängig von unserer Leidenszeit aber generell in Frage. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass je mehr der VAR in der Kritik steht, er stärker und intensiver nach seiner Legitimation sucht. Das dies fast nur noch durch millisekundengenaue Standbildanalysen passiert auf denen immer ein foulwürdiges Verhalten zu sehen ist, sollte einleuchten. Fußball ist ja schließlich ein Vollkontaktsport indem über 90 Minuten wahrscheinlich hunderte von kleinen und teils größeren Fouls passieren. Innerhalb dieser Gemengelage Situationen auf eine Foulwürdigkeit zu überprüfen, halte ich für höchst fragwürdig. Eine geforderte klare Linie ist hierbei auch nicht möglich, da schließlich Menschen die Entscheidung treffen und der Aspekt der Subjektivität hierbei eine entscheidende Rolle spielt. Meinetwegen auch gruppendynamische Aspekte innerhalb das Schirigespanns inklusive VAR. Auch so sehr sich die Schiriverbände weltweit um eine gelebte Objektivität und einer klaren Linie bemühen, wird und kommt es immer wieder zu kontroversen Entscheidungen. Für mich ein gelebter Widerspruch. Von daher plädiere ich für ein Abschaffen dieser Regel. Schade für die Arbeitsplätze im Keller. Aber so ist das dann eben. Dann können wir uns wie früher eben wieder über die Schiris und Phantomtore aufregen 🤭
Miro Kadlec Fußballgott :teufel2:
Kohlmeyer
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Beitrag von Kohlmeyer »

21. Spieltag | Die DBB-Analyse: Schlimmer geht's immer

Das 0:4 bei Darmstadt 98 trifft das umformierte Team des 1. FC Kaiserslautern ins Mark. Bis zum nächsten Heimspiel muss Trainer Lieberknecht sein Personalpuzzle abermals neu zusammensetzen. Alternativen haben sich, der Abfuhr zum Trotz, durchaus angeboten. weiterlesen ...


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niezumfcbgehen
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Beitrag von niezumfcbgehen »

Wenn man die letzten Spiele sieht und im Hinterkopf daran denkt das wir in der Hinrunde auch nicht Glücklich darüber waren wie diese gelaufen sind, muss man sich doch fragen in wie weit der Qualitätszuwachs im Kader Früchte trägt. Man kann sich nicht auf das fehlen von Prtajin herausreden wenn man Lustlos und Planlos wirkt.
Ich glaube auch nicht das man Investiert hätte wenn man Intern nicht doch andere Ziele als Platz 6-10 ausgerufen hat. (soweit ich mich richtig Erinnere )
Wenn man jetzt daran denkt das in Frankfurt ein Interessanter Trainer frei gestellt wurde glaube ich das genau dieser über Lieberknechts Zukunft entscheiden könnte.
Denn eine Sache wissen wir Stillstand oder Rückschritt werden nicht lange Unterstützt , und den Letzten beißen die Hunde.
wernerg1958
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Beitrag von wernerg1958 »

Man kann und hat ja auch diese Analyse gemacht. Ich sehe bei uns nach wie vor die Probleme in der Mannschaftsführung zwischen den Spielen zwischen den Trainings. Es bedeutet schon was wenn eine neuer Spieler über seine neue Mannschaft sagt "eine gechillte Truppe" oder ähnliches. Mit anderen Worten mit erscheint denen geht's zu gut, da kommt wieder der schon öfter genannt Ausdruck "Wohlfühloase" und in der Tat glaube ich das die Spieler geführt werden, gefühlt nachdem Motto "Hauptsache der Tag ist vorbei unn die Lewwerworscht im Bauch"! Sie hinterlassen viel zu oft den Fan den Zuschauern ratlos zurück. Und das was dann von Herrn Hengen und Herrn Klos sowie vom Training an Androhungen kommt ist nichts anderes als eine Beruhigungspille für Zuschauer und Fans. Es wird sich nichts aber auch gar nichts ändern, bis irgendwann der Trainer gehen muss weil er das schwächste Glied in der Kette ist. Aus meiner Sicht tragen aber ganz andere in erster Linie die Verantwortung. Das ist meine Analyse.
Nordsee-Paddy
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Beitrag von Nordsee-Paddy »

DevilsRightHand hat geschrieben: 14.12.2025, 19:22 Alles Richtig gemacht.
Das Team ist am Ende seiner Kräfte. Mit "Beton " das Jahr rumm kriegen, Kraft tanken , verstärken , wieder angreifen. Die Jungs sind müde weil der zweite Anzug nicht sitzt und entlasten kann.
Wenn das Deine Meinung ist.......dann sagt das auch folgendes aus. Diese FCK-Truppe hat in der 1.Bundesliga nichts zu suchen. Also folgerichtig in der 2.Bundesliga auch nicht. Und wenn Du es nicht glaubst, auch in der 3.Liga haben die dann nichts zu suchen.
Und jetzt mal vernünftig nachgedacht.......wenn man jetzt schon Platt ist und mit den kräften am Ende ist........DANN macht der Fitnesstrainer einen verdammt erschreckenden schlechten Job.
Oder die Truppe spielt doch gegen den Trainer. Auch wenn ich mir das nur schwer vorstellen kann.
Fakt ist aber, die Truppe kann definitiv guten und erfolgreichen Fußball spielen.
Sollten der FCK diese Saison den Aufstieg nicht schaffen, dann sind auf jeden Fall Sirch(ablösefrei) und Skytaä weg um nur 2 wichtige Namen zu nennen. Sollten die Weg sein, dann fängt der dann wieder fast bei Null an.
pisano96 hat geschrieben: 02.02.2026, 05:49 Eigentlich dachte ich als der Videobeweis eingeführt wurde der Sinn darin besteht, daß sich der Schiedsrichter bei einer Spielsituation, bei der er sich nicht sicher war, ob es Foul, Hand, Elfmeter, Abseits oder doch nichts von allem war, er sich die Situation noch einmal selbst anschaut und dann wars das. Das ihm dann aber einer irgendwo in einem Videokeller, mit dem er über Lautsprecher verbunden ist, darauf aufmerksam macht, daß er sich eine Situation noch einmal ansehen soll, dann ist das ja noch sinnloser als es bis jetzt schon war. Dann könnte ja auch gleich der Videokeller entscheiden, ob es Foul, Hand, Elfer oder Abseits war, und der Schiri könnte sich die Arbeit sparen sich die Situation anzuschauen. Der Videobeweis macht den Fußball nicht gerechter und man regt sich mehr darüber auf, als daß er eine Situation oder ein Spiel beruhigt.
Ich hatte auch große Hoffnung am VAR als er endlich zum Einsatz kam. Ich habe aber endgültig aufgehört an den VAR zu glauben, das alles mit rechten Dingen zugeht........Als es bei der EM in Deutschland Halbfinale Deutschland gegen Spanien. Musiala schießt den Spanier im 16er an. Selbst der Spanier war erstaunt das kein Pfiff ertönte. Das war für mich der größte VAR-Beschiss ever.
Komischerweise bekam Deutschland im selben Turnier einen Elfmeter zugesprochen, nur weil der Gegenspieler den Ball leicht an der Fingerkuppe bekommen hat.
Also VAR in welchen Keller auch immer, aber verarschen kann ich mich alleine. Ich will wieder die Zeiten ohne VAR haben. Schiedsrichter komplett selber entscheiden. Heute hat der Schiri doch nur noch sporadisch was zu sagen. Das ist echt kein Fußball mehr.
Oh FCK dort auf dem Feld,
Du bist das allerschönste auf der Welt.
Schau in den Block und hör uns schrein,
Kaiserslautern Du bist nie allein. :daumen:
krassimier
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Beitrag von krassimier »

Hellboy hat geschrieben: 26.01.2026, 20:35 Vielleicht war das auch einfach nur der Unterschied zwischen einem Verteidiger, der vor kurzem noch 3. Liga gespielt hat, und einem Stürmer, der in zwei europäischen Topligen der Euroleague Torschützenkönig war. :wink:
Das mag sein, abee grundsätzlich finde ich Gyamfi überraschend positiv, dafür, dass er aus der 3. Liga kommt. Wie groß der Unterschied ist, sieht man ja an Abiama, der gleich im ersten Spiel für Essen gegen uns (Aachener) doppelt knipst
Beziehungsstauts: [_] vergeben [_] Single [_] verliebt [_]verwitwet [x]1.FC Kaiserslautern
Lautern-Fahne
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Registriert: 23.06.2009, 01:56

Beitrag von Lautern-Fahne »

Intro: Oberflächliche Erklärung Positionsspiel

Ich rege mich immernoch über das Darmstadt Spiel auf. Daher versuche ich mich mal an einer Grundsatzdiskussion, die wahrscheinlich schon entschieden ist und TL den Kopf kosten wird: macht unsere derzeitige Spielweise Sinn? Als Aufhänger nutze ich eine Reihe von Videos, die das neue Mannorientierte Spielweise erklären, die in ganz Europa angewandt wird. So auch bei uns. Auch wenn mich der ein oder andere beleidigen mag: wir spielen tatsächlich modern.

Aber erstmal zur Ausgangslage: Der europäische Fußball wurde die letzten 14 Jahre von Pep Guardiolas Positionsspiel dominiert: das Spielfeld wird wie ein Schachbrett aufgeteilt und die Spieler lernen, diese Zonen zu besetzen. Ziel: dem Gegner den Ball verwehren. Frei nach Starship Troopers: „Wenn der Gegner den Ball nicht hat, kann er dir kein Tor einschenken“. D.h. es ging hierbei in erster Linie um eine stabile Defensive. Man würgt das gegnerische Spiel ab. Bestes Beispiel für die Älteren: Das EM Finale zwischen Spanien und Deutschland, welches mit 1:0 ausging. Langweilig, glanzlos, effektiv. Die Spanier gurkten uns irgendwie ein Tor rein und spielten dann den Rest des Spiel 5 vs 2. Man lässt den Gegner nicht an den Ball. Das versuchte Anfang letztes Jahr zu etablieren. Frank Ronstadt sagte im SWR Interview „der Trainer erklärt uns erstmal, wie wir den Ball halten, damit wir weniger Tore kriegen“.

Fans der Spielweise sprechen von „taktischer Perfektion“. Gegner von „müden Ballgeschiebe“ und „Hintenrumspielen“. Es geht bei dem Ansatz um Fehlervermeidung. Das führte wie in den verlinkte Videos beschrieben auch dazu, dass der klassische Dribbler und Spielmacher ausstarb. Die Stars im Mittelfeld waren nichtmehr Zidane, Ronaldinho oder Maradona die Abwehrreihen austanzten. Sondern ein Xabi Alonso der einfahc keinen Fehlpass spielt. Wenn man stumpf Positionen eintrainiert braucht es kein individuelles Genie. Nur ein Spielerprofil: ballsichere Mittelfeldspieler, die wie gute Soldaten sich auf dem Reisbrett hin und herschieben lassen. Kann man schön daran sehen, dass Deutschland keine AVs und Stoßstürmer mehr rausbrachte sondern die 8er und Halbstürmer um Draxler, Havertz und co. So die These aus „Football made simple“. Offensiv kommt es zum von Kritikern geschmähten „Handball um den Sechzehner“: das Positionsspielteam zwingt den Gegner durch Passspiel sich hin- und herzubewegen, bis dieser müde wird und einen Fehler macht. Eine Aktion, Tor, den Gegner danach anrennen lassen, abwürgen, gewinnen. Also die Art Spielweise, wofür der gemeine FCK Fan (da zähle ich mich dazu) schon zahlreiche eigene Spieler mit Pfeifkonzerten bedacht hat.

Wenn man sich mit dem Sport ein bisschen beschäftigt kann man zu dem Schluss kommen, dass langfristig Schere-Stein-Papier gespielt wird. Ein Trainer entwickelt einen neuen Ansatz, überrent damit den Kontinent (Stein). Ein anderer denkt sich einen Konter darauf aus (Papier). Und nach einiger Zeit kommt es dazu, dass der zweite Ansatz wieder mit neuen Tricks ausgestochen wird (Schere). Und dann wird ein alter Ansatz rausgekramt. Buchempfehlung: Umschaltspiel von Michael Cox.

Manndeckung schlecht erklärt
Bis in die Neunzigern gab es die Manndeckung. Libero, 2 IV und gegebenenfalls einen Kettenhund vor der Abwehr, um den Zehner zu decken. Man stellt einen Abwehrspieler dem gegnerischen Stürmer oder Zehner auf die Füße und der verfolgte den bis auf die Toilette. Die starb EIGENTLICH Anfang der Zweitausender aus, weil das ganze recht einfach zu umspielen ist: der Zehner weicht auf die Außen aus, der Manndecker folgt. Der Raum des Manndeckers ist offen und ein anderer Angreifer kann in diesen Raum stoßen. (besser erklärt in dem Escher Video so ab Minute 06:00)

Zu Zeiten der „großen Künstler“ war das eine recht stumpfe Vorgabe die funktionierte. Aber war eigentlich schon tot. Es schien das Ende der Geschichte erreicht zu sein und die Manndeckung wurde durch die Raumdeckung endgültig abgelöst. Um aber Jürgen Klopp zu zitieren:

„Ich weiß nicht wann es angefangen hat. Aber wir beobachten, dass viele Mannschaften wieder anfangen Manndeckung zu spielen. Ich erkenne die Vorteile nicht- aber es passiert. Und Atalanta hat und damit total vermöbelt“

Quelle:
https://www.youtube.com/watch?v=NYmlgmQ5pTc

Woran liegt das? Mannschaften wurden zusehends gezwungen, die Räume zu decken, die der Gegner im Positionsspsiel vorgibt. Man rannte im Endeffekt also wieder den gegnerischen Spielern hinterher. Das Problem dabei ist, dass sich die Verteidiger ständig auf neue Gegenspieler einlassen müssen. Kompany und andere englische Trainer gehen so weit, dass auch die eigenen IVs mit den Offensivspielern rotierten. Wie reagierten die anderen Vereine darauf, wenn sie nicht beliebig aufrüsten konnten?

1.Man nutzt das italienische Modell. Heißt: man stellt sich hinten rein, bleibt passiv, gibt dem Positionsspielteam mit Absicht einen Ballbesitz um die 80%. Und setzt auf Umschaltspiel. Es gibt für mich persönlich nichts schöneres als wenn eine Ballbesitzmannschaft wie Barca an einer Truppe zerschellt, die sich kategorisch weigert was fürs Spiel zu tun. Gibt nix schöneres im Fußball als einen perfekt ausgespielten Konter.

2.Der englische Ansatz: man spielt mannorientiert übers ganze Feld. In kurz: man ignoriert völlig das Positionsspiel des Gegners und stellt diesmal AUF DEM GESAMTEN FELD 1:1 Manndeckungen her. Der Stürmer des verteidigenden/pressenden Teams verfolgt den Verteidiger des angreifenden Teams, falls der mit vor geht (Sirch z.B.).

Der Ansatz ist in England modern: Guardiolas City rannte Anfang der Saison gegen eine Wand weil der Ansatz sein extremes Positionsspiel stoppen soll. Und das hat anfangs auch relativ gut geklappt. Das beschreibt Escher ab Minute 10. Da das Positionsspiel dazu führte, dass viele Mannschaften klassische 10er und Dribbler durch 8er ersetzten, haben Verteidiger im 1:1 bessere Karten. Der moderne 8er ist weder ein überragender Zweikämpfer noch ein sehr guter Dribbler. Wenn die mannorientierte Mannschaft also gut presst und kämpft, verliert der 8er den Ball und man hat Räume. Anstatt auf Taktik setzt man im mannorientierten Ansatz wieder verstärkt auf die individuellen Fähigkeiten und Zweikampfhärte. So zumindest das Video von Football made simple.

Da wir eine individuell wirklich gute Mannschaft haben, macht das, was wir spielen, durchaus Sinn. Anstatt Einzelkönner wie Ritter, Sirch, Sahin oder Skyttä in ein Korsett zu zwängen, dürfen die frei aufspielen. Gerade letzterer ist mit seinen Dribblings zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Um sie in Szene zu setzen, wird mit Langen Bällen am Boden und in der Luft agiert. Ziel: den Ball vor bringen, bevor die gegnerische Abwehr wieder formiert und in Überzahl ist. Wenn unsere das wie z.B. gegen 96, Bochum oder Münster gut umsetzen, entsteht Chaos und im besten Fall löst sich die gegnerische Formation förmlich auf. Darum redet TL immer was von "Chaos stiften". Die guten Mannschaften wie Arsenal oder Inter vor ein paar Jahren bringen mit den schnellen, langen Vetikalpässen in ein paar Sekunden ihre Dribbler in Position. Wenn das halt zurückfeuert, dann richtig.

Warum schreib ich diesen Nonsense für den mir wahrscheinlich die eine Hälfte aufs Dach springt und die andere ignoriert? Oben brachte ich die Analogie zu Schere, Stein, Papier. Ich sehe das Problem in folgendem:

Wir spielen immer Stein (Manndeckung plus Angriffspressing)- wenn der Gegner aber Papier zieht ODER einen größeren Stein (bessere Spieler im 1:1) hat, verlieren wir.

Hannover, Kiel und Münster spielten (mittelmäßiges) Positionsspiel: wir fraßen sie daheim durch sehr gut geführte Zweikämpfe auf. Genau auf deren Ansätze soll dieser Spielstil abzielen. Wir waren die klar bessere Mannschaft und erspielten gute Chancen. (Stein schlägt Schere)

Dresden und Bochum haben die schlechteren Kader: problemloses 3:1 und gut erkämpftes 3:2 mit großartigen Umschaltmomenten. (wir hatten den größeren Stein). Den Sieg gegen Karlsruhe zähle ich auch in diese Kategorie.

Magdeburg hat überragende 1:1 Spieler und unsere Jungs auf dem Betze ausgetanzt. In dem Spiel zeigte sich die Ambivalenz des Ansatzes. Wenn der Gegner die besseren Techniker hat, formiert sich die Abwehr breit, zieht unser Pressing auseinander. Und wenn der Gegner sich durchsetzt hat der 20,30 Meter freien Raum. (Magdeburg hatte den größeren Stein)

Darmstadt spielte Papier. Beim 5-3-2 wird in diversen Taktikbüchern immer eine Schwäche betont: die Außen. Wenn die zentralen Mittelfeldspieler nicht nach außen rausrücken und den Außenverteidiger unterstützen, rappelt das dort über kurz oder lang. D98 spielt was seit WOCHEN: richtig- über die Außen. Klassisches 4-4-2 mit dem wir unter Marco Kurz selbst aufgestiegen sind. Haben wir uns trotz Ansage des Gegners darauf angepasst?

Offensiv: ja. Der dribbelstarke Sahin durfte anstatt Ritter vorne spielen. Gegen Darmstadt Kanten ein guter Plan. Hanslik verstehe ich nicht, auch wenn ich seine Spielweise sehr mag und denke, dass wir insgesamt mit ihm runder spielen. Generell arbeitet TL viel mit Rochaden im Mittelfeld. Je nach Gegnerlage passt er ein bisschen an. Ritter und Skyttä beide als Halbraum 10er, dann Ritter mal zurückgezogen, dann nur einer von beiden oder Robinson. Da ist er schon clever und macht genau das was man in der Mannorientierung auch erwartet: er stellt den Spieler gegen den Gegner, der den am besten im Griff hat (letzte Woche Robinson gegen Conte) oder am meisten wehtun kann. Es geht nicht um eine starre Stammelf. Im Mittelfeld MUSS rotiert und angepasst werden.

Defensiv: Nein. Wir rannten wie die Lemminge in die Kreissäge. Dass Marseiler in der ersten Minute mit Vollsprint über die Außen in den Rücken der Abwehr kommt und Joly aus einem so ungünstigen Winkel in den Zweikampf muss, ist Bilderbuchmaterial wie man ein 5-3-2 stresst. Hätte sogar fast Lust das Bild für Bild auseinanderzuschrauben. Das 0:2 mit der Hereingabe eigentlich auch, wobei Gyamfi und Rasmussen da fleißig mithelfen. Generell war festzustellen, dass D98 nicht anderes tat als: der Außen rennt mit dem Ball die Grundlinie runter, während die Stürmer mit Geschwindigkeit in den Strafraum einliefen. Defensiv zog sich Darmstadt mit 11 Mann in den eigenen Strafraum zurück. Man killte 1:1 Situationen indem man 1:x draus machte. Mich kotzt nicht die Niederlage an sich an. Wir verloren auch 0:4 unter Funkel gegen den KSC. Das krächtzt heute kein Hahn mehr danach. Sowas passiert halt mal. Mir kotzt es an, dass das mit Ansage war, man sich kein Stück drauf einstellte und eigenständig eine Trainerdiskussion vom Zaun getreten hat. Es bringt nix das Zentrum zuzumachen wenn der Gegner da garnicht spielen will, verdammte Scheisse!

Die 6 Spiele (von 19!), in denen es auf unserer oder der gegnerischen Seite eine rote Karte gab, sowie das Massaker von Berlin, lasse ich bewusst aus. Teilweise ist diese Karten Flut sicherlich auch positiver Nebeneffekt unseres Ansatzes. Skyttä, Bassette und andere werden schon häufig getreten weil der Gegner zu spät kommt.

Fazit:
Für mich ist jetzt wirklich die Frage, was man daraus machen kann. Ich bezweifle, dass wir diese Saison auf eine kontrollierte Offensive umschwenken werden. Das wäre vollkommen idiotisch und meiner Meinung nach sollte Hengen dann auch entlassen werden. Das wir den Ball eher fliegen als laufen lassen ist kein Trainingsmangel weil TL „ein Depp“ ist. Das ist System. Den Ball schnell an des Gegners Strafraum bringen bevor der sich formiert hat, das 1:1 gewinnen/hinterlaufen, Tor machen. Kein „Handball um den 16er“ sondern mit dem Kopf durch die Wand. Die Marschrichtung kann man aus diversen Interviews mit Lieberknecht und Hengen rauslesen. Verweise auf England und Italien gab es desöfteren. Lieberknecht setzte beim BTSV auf Konter und bei Darmstadt lies er zumindest im Mittelfeld den Ball laufen um den Gegner abzuwürgen. Der Trainer lies in seiner gesamten Karriere nie so offensiv spielen wie wir es jetzt tun.

TL kann im Interview nicht die Aussage droppen, dass Konter direkt auf die Kette akzeptiert werden, wenn sein Vorgesetzter das nicht mitträgt. Hengen muss, falls das ganze den Bach runtergeht und er als Reaktion Lieberknecht schasst, hinterfragt werden. Er hat das System letztendlich ausgegeben und zu verantworten. Hatte es Anfang der Saison als Marketinggag abgetan. Aber die spielen wirklich völlige Offensive. Ich persönlich finde unseren Stil sogar sehr unterhaltsam. Würde mir aber auswärts etwas mehr Pragmatismus wünschen.

Aus meiner Sicht müssten ein paar Sachen passieren, damit sich das Ganze etwas stabilisiert

1.Mehr aus Standards machen. Vor allem mehr Freistöße ziehen. Erstaunlicherweise gibt es keine Auslistung, welche Mannschaft wie viele Tore aus Eckbällen gemacht hat. Obwohl es das zu Freistößen und Elfmetern gibt. Aber gefühlt (gefährliches Halbwissen) sind wir da ziemlich schlecht, seitdem Tomiak weg ist. Die Gegner werden sich das Darmstadtspiel anschauen und nachahmen.

2.Das Pressing sollte so angepasst werden, dass der Gegner keine freie Fahrt hat, wenn er unsere erste Pressinglinie überspielt. Ich mag das Hin und Her. Aber man wenn man sieht, dass Mannschaften wie Magdeburg, Berlin und Darmstadt besonders gute Außen haben muss man doch 60m Sprints über das halbe Feld verhindern. Keine Ahnung wie man es macht. Aber wir stehen teilweise ohne Mittelfeld da.

3.Auswärts den Bus parken. Jeder regte sich über Bielefeld auf aber ganz ehrlich: die machten in der Vorsaison einen Pokalrun wo sie 3(?) gute Bundesligisten daheim rauskegelten und die Saison schlugen sie auch schon den ein oder anderen Aufstiegsfavoriten. Was spricht dagegen zu sagen, dass wir es auswärts wie unsere schlimmsten Gegner auf dem Betze machen und Beton anrühren? Wie haben uns die Sandhausens, Ingolstadts, Oberhausens und Union Berlins auf dem Betze denn jedesmal verarscht? Richtig: 2 Fünferketten und irgendwann gab es an einem kalten Nachmittag einen Konter und das Spiel war gelaufen. Ich nehme auswärts lieber einen unattraktiven Punkt mit als 3:4 zu verlieren. Ich finde es affig, wie jeder fordert, dass der Betze auswärts als einziger mutig auftreten soll. Kocht die Darmstädter im 5-4-1 ab und gut ist.

4.Den Trainer behalten. Nicht weil er Pfälzer ist oder sympathisch. Letzteres finde ich nichtmal, aber das ist egal. Sondern weil er in der Vergangenheit bereits verschiedene Systeme erfolgreich umsetzte, jetzt Hengen Vision bauen soll und die Jugend konsequent einbindet. Das ist letztendlich das, was hier seit gefühlt 100 Jahren gefordert wird: Strategie. Einen Spielstil implementieren. Trainingspläne schreiben, an dem sich der Nachfolger orientieren kann. Vorallem aber: Außenbild. Weg vom Image des Zechprellers, der heute hü und morgen hott sagt und sich nicht an Absprachen hält. Zwischen 2015 und 2020 haben wir irgendwelche Abgehalfterten und No Names wie Meier und Frontzeck im Dutzend billiger abgeschossen. Die waren eh schon abgeschrieben. Aber in den letzten 2 Jahren haben wir mit Schuster, Anfang und Funkel schon Schwergewichte verbrannt. Irgendwann sieht das komisch aus und es melden sich wieder nur die Trainer, die man nicht will. Genauso schreckt man Spieler ab. Es hat seinen Grund, warum die krassen Talente zu Elversberg und Nürnberg gehen und wir abgespeist werden. Die kommen nur wenn man glaubhaft erklären kann, was gespielt wird und welche Rolle sie einnehmen werden. Hengen soll eine Linie reinbringen, NACH AUßEN KOMMUNIZIEREN und gegen einen Widerstand durchsetzen. Er muss nicht in jedes Mikrofon reinblöken aber etwas mehr Führung wäre wünschenswert. Hengen verhält sich ein bisschen wie ein dbb Forist: wenns Scheiße läuft beleidigt er mal kurz die Mannschaft oder holt sich den Kopf des Trainers. Aber ansonsten hält er sich schön raus.

Dann kann es noch etwas mit Platz 5/6 werden. 96 schlägt sich eh noch ein paar Mal selbst und Paderborn sowie Hertha spielen wir noch. Es kommen wieder mehr Gegner, die wir durch individuelle Qualität schlagen können.

Hier noch kurz die Videos

Tobias Escher Taktikvideo
https://www.youtube.com/watch?v=XXsk2XvTSfI

Football made simple: Das Ende des Systemfußballs (in Englisch)
https://www.youtube.com/watch?v=-izMUUfGnso

Rene Maric (Co Trainer der Bayern und ehemaliger Autor des Taktikblogs Spielverlagerung) Erklärung zu Manndeckung übern Platz.
https://www.youtube.com/watch?v=LZ1zNTUDUSg
"Für mich ist Schönheit, dem Gegner nicht zu geben was er will." José Mourinho

"Wir wollen keinen Schönheitspreis, sondern einfach nur punkten" Torsten Lieberknecht
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