Erwähnen will ich, Helmuth Rilling ist vor zwei Tagen im Alter von 92 verstorben.
R.I.P.
Er war DER Experte weltweit wenn es um die Musik von Johann Sebastian Bach ging/geht.
"Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend.
Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen." Das war der Leitfaden seines Schaffens durch all die Jahrzehnte.
Der Gründer und Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart spielte mit seinen Ensembles weltweit, als Gastdirigent trat er mit führenden Orchestern auf allen Kontinenten auf. In seinen Funktionen als Dirigent, Lehrender in Sachen Bach, als Musikpädagoge gab er Workshops an Universitäten und Hochschulen, gründete Jugendensembles rund um den Globus.
Auf Helmuth Rilling aufmerksam wurde ich, als ich in den Jahren 1999 und 2000 Bachs Gesamtausgabe erwarb. Unter der Federführung Rillings wurden in diesen beiden Jahren 172 CDs veröffentlicht. Zu Bachs 250. Todesjahr lag somit das Gesamtwerk vor, darunter erstmals alle Kantaten. Infolge der schieren Menge an Tonträgern mit ihren Begleitheften hatte ich mir, der Orientierung wegen, zusätzlichen Lesestoff zugelegt. Daraus hervor sticht die Biographie
Johann Sebastian Bach von Christoph Wolff. Ausführlicher und intensiver als dieses Buch kann gar keine TV-Doku sein, mein dauernder Begleiter beim Lesen war die Landkarte der Region Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen. Trotz Luther, trotz den Bauernkriegen, trotz später Goethe und Schiller, nie zuvor bin ich so tief in diesen Landstrich eingetaucht wie bei der Beschäftigung mit der großen Familie Bach und ihren Lebensumständen, mit den Herausforderungen im Alltag und deren Bewältigung im Leben des einzigartigen JSB.
Ohne Helmuth Rilling hätte ich mich sicher nicht so intensiv mit dieser Zeit von vor 300 Jahren beschäftigt.
Für die Uraufführung des
Credo von Krzysztof Penderecki im Jahre 1998 erhielt Rilling 2001 den Grammy in der Kategorie Best Choral Performance.
das Credo