Ich habe auch keine Ahnung, was ich von der Partie morgen Abend erwarten soll. Gefühlt ist beim FCK alles möglich – von einer klaren Niederlage bis hin zu einem überraschenden Auswärtssieg.
Wenn man das Hinspiel als Referenz heranzieht, würde ich schon sagen, dass die Kohfeldt-Elf im direkten Vergleich zu uns die reifere oder erwachsenere Mannschaft ist. Das konnte man beim Spiel auf dem Betzenberg eigentlich 84 Minuten lang gut beobachten. Im FWS haben die Lilien jedenfalls eine stabile und seriöse Vorstellung gezeigt. Den Kern der Mannschaft im Vgl. zum Vorjahr zusammengehalten, keine Leistungsträger verloren, Kohfeldt auch in schwierigen Phasen auf der Trainerbank das Vertrauen geschenkt - eigentlich genau die Kontinuität, die man sich auf dem Betze wünscht.
In den letzten fünf Spielminuten hat sich Kohfeldt beim Spiel auf dem Betze dann aber meiner Meinung nach durch seine taktischen Umstellungen etwas zu sehr in seiner Trainer-Hybris verloren. Irgendwelche vermeintlichen Mastermind-Einfälle an der Seitenlinie u. zwei entscheidende Wechselfehler haben ihn im Hinspiel noch die sicher geglaubten drei Punkte gekostet. Das dürfte ihn wahrscheinlich selbst am meisten geärgert haben und ich gehe davon aus, dass er diese oder ähnliche Coaching-Fehler mittlerweile zu korrigieren wusste, zumindest wenn man die guten Ergebnisse und den restlichen Saisonverlauf der Hessen danach betrachtet, der äußerst stabil wirkt. Die berühmte "well-oiled machine".
Wir hingegen müssen uns erst noch finden bzw. neu sortieren. Gleich mehrere Neuzugänge in Abwehr und im Sturm müssen integriert werden. Höchstwahrscheinlich werden 2/3 davon morgen Abend auch gleich von Anfang an in der Startelf stehen. Da werden zwangsläufig noch das ein oder andere Abstimmungsproblem(chen) auftreten. Hinzu kommt der Druck: Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass der Aufstieg selbst mit dem gegenwärtigen Rückstand in der Tabelle noch lange nicht abgeschrieben ist, und Lieberknecht mit dem teilweise runderneuerten Kader jetzt gefälligst auch "zu liefern" hat. Außerdem bleibt die Frage, ob wir nach dem schmerzhaften Ausfall eines Zielspielers wie Prtajin vom gewohnten „Hoch & Weit“-Ball abrücken und uns konzeptionell bzw. fußballerisch in den letzten 14 Spielen der Rückrunde anders aufstellen werden - auch da muss unser Cheftrainer "Lösungen finden", wie es in der öffentlichen Medienberichterstattung immer so schön heißt.