fuxx1980 hat geschrieben:paet_fck hat geschrieben:
- Ich habe nach dem Stuttgart-Spiel ein Best-of-Video von Yokota gesehen, das alle genialen Szenen zusammengeschnitten hat. Ich würde gerne jede Woche eines sehen. Alleine die Szene rund um 75. Minute, als er an der Seitenlinie 3 Verteidiger komplett ausgetanzt hat. Findet man irgendwo Re-Lives des Spiels?
- Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo Marlon Ritter noch Platz finden wird in der Startelf, wenn alle Verletzten mal wieder da sind.

Bei Kicker und Rheinpfalz gehörten Ritter und
Yokota zu den am schlechtest benoteten.
Und ich hoffe, dass der Trainer die Mannschaft richtig zusammenstellt und nicht nur auf den Namen achtet. Auch ein Jean Zimmer hat es schwer, in die Startelf zu kommen.
Das ist sicher richtig und unter den zugrundeliegenden Bewertungsmaßstäben für so eine Note auch nachvollziehbar.
Ich möchte aber ein paar Sachen hervorheben, die Yokota so unfassbar wertvoll machen und in einer Bewertung vielleicht mal untergehen.
Mit dem Rücken zum Tor: Yokota hat einen Move drauf, bei der die Bewegung zwischen Ballannahme und Drehung zum eigenen Tor fließend ist. Der letzte, an den ich mich erinnern kann, der das bei uns ähnlich gut konnte, war Marco Engelhardt. Die Älteren werden sich erinnern. Das ist eine Fähigkeit, die das ganze Spiel verändert. Wenn du einen Mitspieler hast, den du in solchen Situationen anspielen kannst und der aus diesen engen Situationen einen Vorwärtsgedanken entwickelt, entsteht Zeit für alle anderen Mitspieler, sich währenddessen in freie Positionen zu begeben.
Intuition: Niemand weiß, was Yokota als nächstes macht. Er auch nicht. Seine Handlungen sind intuitiv. Aus einer Spielsituation mit Yokota am Ball gibt es somit eine fast unendliche Vielzahl an Spielsituationen, die sich anschließend entwickeln können. Die nächste Aktion eines Kleinhansl steht in der Zeitung. Da gibt es 2-3 Optionen, auf die sich die Verteidigung einstellen kann. Er macht das was er kann, ist solide, spielt sein Spiel hervorragend, no hate. Aus diesem Grund haben wir links auch die Räume, zu kombinieren. Kleinshansl bekommt
durch den Fokus auf Yokota die Freiräume, die er nutzt.
Verteidigungsverhalten der Gegenspieler: Man achte mal genau auf die 4-5 nächststehenden Gegenspieler, wenn Yokota den Ball hat. Die Körpersprache und der Fokus ändern sich schlagartig. Yokota bindet damit nicht nur die 1-3 Gegenspieler, die ihn direkt attackieren, sondern er verschiebt mit seinen Aktionen die gesamte Kette. Auf der linken Seite schafft das die Räume für Kleinhansl, Kaloc, Sirch und Redondo.
Das 1:0 gegen Schalke wird genauso eingeleitet. Die rechte Seite wird durch den Fokus auf Yokota völlig überladen und auf links entsteht Platz für den Schnittstellenpass zu Kaloc, der wiederum in die Mitte zu Ache passt.
Das 2:0 gegen den KSC fällt ähnlich. Links ist alles frei und Sirch hat Raum und Zeit, den perfekten pass zu spielen.
Yokota ist nicht nur wichtig für die Aktionen, die er macht, sondern seine Anwesenheit erzeugt beim Gegner ein Verhalten, dass unsere anderen Spieler zu nutzen wissen. Das wurde in den letzten Spielen immer mehr perfektioniert, weil Yokota nicht nur an der rechten Seite klebt, sondern überall auf dem Spielfeld zu finden ist. Er verschiebt, reißt Lücken, bindet Spieler, ist als Anspieloption da. Nadiem Amiri spielt bei Mainz gerade eine ähnliche Quarterback-Position.
Die Rolle des positionsungebundenen Freigeists eröffnet Möglichkeiten für alle Mitspieler auf dem Platz, die von unschätzbarem Wert sind. Ich erinnere mich auch an 2 Szenen am Samstag, bei dem er eine Ballannahme antäuscht und den Ball durch die Beine gehen lässt. Alles fokussiert sich auf Yokota und schwupps ist ein anderer am Ball und hat allen Platz der Welt.
Deswegen können wir meiner Meinung auch gerade alle verletzten Spieler hervorragend ersetzen. Wen wir nicht ersetzen könnten, wäre Yokota. Damit würden wir wieder deutlich berechenbarer werden.
Das sind alles Sachen, die nicht gleich auffallen und in keine Statistik eingehen, aber der Junge ist das Puzzlestück, das nicht zu ersetzen ist. Interessant fand ich auf der PK auch, wie Markus Anfang die Nachfrage nach Yokota abmoderierte und ihn gar nicht groß ins Rampenlicht der Aufmerksamkeit stellen will. Das ist schon sehr sehr schlau.
Abgesehen von all den rationalen Fakten find ich es aber auch einfach geil, Yokota am Ball zu sehen. Ich schaue einem Künstler bei seiner Arbeit zu. Und der Junge hat so Bock. Kein Spieler ist am Samstag mehr gelaufen als Yokota. Nach dem Abpfiff ist er vor der Westkurve wie ein Marienkäfer auf den Rücken gefallen. Der hat sich völlig verausgabt.
Das alles schlägt sich offenbar nicht in der Kicker-Note nieder, was auch völlig in unserem Sinne ist.
Ich lehne mich weit aus dem Fenster und sage, mit einem fluiden Yokota kann unser Spiel gar nicht vollkommen entschlüsselt werden. Diese Variabilität ist nur ganz schwer zu verteidigen, weil da kein klares Muster ist, auf das sich eine Verteidigung auf Zweitliganiveau einstellen kann.
Am besten machen wir es ab jetzt wie Anfang und sprechen auch nicht weiter über die Qualitäten eines Yokota. Dann ist der Fokus genau da, wo wir ihn haben wollen: Bei den anderen Spielern.