
Vorbericht: 1. FC Nürnberg - 1. FC Kaiserslautern
Das Debüt des Rekordmanns
Mit Friedhelm Funkel an der Seitenlinie will der 1. FC Kaiserslautern im dritten Aufeinandertreffen dieser Saison mit dem 1. FC Nürnberg einen ersten Schritt zum Klassenverbleib machen.
Es ist mal wieder eine der Spielzeiten, über die man eigentlich dachte, man habe sie als FCK-Fan mal für einige Zeit hinter sich. Im zweiten Jahr in der 2. Bundesliga präsentierten die Verantwortlichen am Mittwoch den bereits dritten Trainer der Saison. Während am Dienstag noch Dimitrios Grammozis die Einheiten leitete, hat seit Mittwoch Friedhelm Funkel als "Feuerwehrmann" die Aufgabe, die seit Monaten mit wenigen Ausnahmen in Punktspielen erfolglosen Roten Teufel vor dem erneuten Sturz in die 3. Liga zu retten.
Und auch wenn Funkel am Mittwoch und in der Spieltagspressekonferenz am Freitag souveräne Auftritte hinlegte und die Fangemeinde wieder ein bisschen mehr motivierte, muss eine Frage spätestens nach dem Saisonende konkret erörtert werden: Wie konnte all das passieren? An den letzten 13 Spieltagen liegt der Fokus aber natürlich erstmal auf dem Klassenerhalt. Was Funkel, der Rekordmann mit den fast 1.300 Liga-Einsätzen als Spieler und Trainer, in den wenigen Tagen erreichen konnte, wird man in Nürnberg sehen. Anpfiff ist am Sonntag um 13:30 Uhr.
Was muss man zum 22. Spieltag wissen? Hier sind die wichtigsten Vorab-Informationen:
Der FCK: Ausgangslage und Personal
Wie bei Trainerwechseln üblich, ist vor dem Spiel des 1. FC Kaiserslautern in Nürnberg vieles offen. Nur die Tabellensituation ist klar. Nach zehn Niederlagen aus den vergangenen zwölf Liga-Spielen sind die Betze-Buben am vergangenen Wochenende auf den 16. Platz abgerutscht. Es sind dringend Siege nötig, um nicht einen Nervenkrimi am Saisonende gegen Braunschweig oder gar in der Relegation zu provozieren.
Personell dürfte Funkel nicht alles vollkommen über den Haufen werfen. Wahrscheinlich ist aber eine Umstellung auf eine Viererkette, und der eine oder andere erfahrene Spieler könnte eine neue Chance bekommen. Bei Philipp Klement kündigte Funkel bereits an, dass die Nummer 10 nach wochenlanger Abstinenz mal wieder im Kader steht. Der letztjährige Held von Nürnberg wird sich aber erstmal hinter Marlon Ritter anstellen müssen, könnte dann aber wieder als Joker glänzen. Jean Zimmer kehrt nicht nur wegen der Blessur von Frank Ronstadt in die Startelf zurück. Allgemein kann Funkel fast aus dem Vollen schöpfen. Neben Ronstadt fallen Stand jetzt nur die Langzeitverletzten Philipp Hercher und Hendrick Zuck aus.
Der Gegner: Ausgangslage und Personal
Auch wenn es öffentlich natürlich keiner zugeben würde: Beim 1. FC Nürnberg dürfte man in dieser Woche schon etwas gestöhnt haben. Zum dritten Spiel gegen den FCK sitzt beim Kontrahenten aus der Pfalz der dritte Übungsleiter auf der Bank. Das ist zumindest außergewöhnlich. Zuletzt spielte der Club zwei Mal Remis gegen Aufsteiger. Osnabrück schaffte vor zwei Wochen in den Schlussminuten noch den 2:2-Ausgleich. In Wiesbaden endete die Partie vorletzten Freitag 1:1.
Trotzdem stehen die Nürnberger mit 29 Punkten im gesicherten Mittelfeld. Der Abstand nach oben und unten betrug vor dem Spieltag jeweils acht Punkte, sodass man sich in Franken wohl auf eine sorgenfreie Restsaison einstellen kann - sofern gegen den FCK nicht verloren wird. Sorgen hat Trainer Cristian Fiel aber im Personallager. Mehrere Akteure fehlen verletzt oder gesperrt. Zudem meldeten sich Florian Hübner und Benjamin Goller für Sonntag krank ab.
Frühere Duelle
In dieser Saison trafen beide Teams wie erwähnt bereits zwei Mal aufeinander. Beide Duelle gewann der FCK. In der Liga hieß es Anfang September 3:1, im DFB-Pokal-Achtelfinale Anfang Dezember 2:0. Richmond Tachie und Ragnar Ache trafen in beiden Spielen, in der Liga außerdem Tymo Puchacz. Insgesamt stehen 72 Duelle in der Bilanz. 32 Mal gewann der FCK, 26 Mal der FCN.
Fan-Infos
Der FCN erwartet im 50.000 Zuschauer fassenden Max-Morlock-Stadion knapp 33.000 Fans. Darunter werden wohl 5.000 bis 7.000 Betze-Anhänger in und neben dem Gästeblock sein. Im Online-Ticketshop der Nürnberger gibt es noch mehr als genug Karten für das Spiel, auch die Tageskassen werden für Spontanbesucher geöffnet sein. Weitere Informationen zum Auswärtsspiel in Nürnberg hat auch der FCK auf seiner Website zusammengestellt.
O-Töne
FCK-Trainer Friedhelm Funkel: "So wie ich das bisher wahrgenommen habe, ist die Mannschaft intakt. Mit Erfolgserlebnissen wird es dann aber natürlich immer noch ein bisschen besser. Die Konzentration im Team ist eine richtig gute. Spieler, die bisher nicht so viel gespielt haben, wollen natürlich auch auf sich aufmerksam machen. Alle Spieler haben gut trainiert. Da muss ich Entscheidungen treffen, die nicht einfach sind."
FCN-Trainer Cristian Fiel: "Wir werden auf einen Gegner treffen, der Vollgas geben wird und die Situation, in der sie sich befinden, ändern will. Wir wollen mit unserem Fußball Punkte sammeln, deshalb interessiert mich die Tabelle nicht. Ich will am Sonntag die drei Zähler holen."
Daten und Fakten
Voraussichtliche Aufstellungen:
1. FC Nürnberg: Klaus - Gyamerah, Gürleyen, Horn, Brown - Castrop, Flick, Duman - Hofmann, Andersson, Okunuki
Es fehlen: Hayashi (Achillessehnenprobleme), Hübner, Goller (beide krank), Lawrence (Operation), Lohkemper (angeschlagen), Marquez (Gelb-Sperre), Schindler (Mittelfußbruch), Valentini (Wadenprellung)
1. FC Kaiserslautern: Krahl - Zimmer, Touré, Tomiak, Puchacz (Elvedi) - Niehues, Kaloc - Tachie, Ritter, Opoku - Ache
Es fehlen: Hercher (Hüftprobleme), Ronstadt (Oberschenkelverletzung), Zuck (Kreuzbandriss)
Quelle: Der Betze brennt / Autor: Florian Reis
Vorherige Meldungen ab 15.02.2024:

Foto: Eibner/Neis
Sonntag, 13:30 Uhr: Das erste von 13 (Liga-)Endspielen
Drittes Spiel, dritter Trainer - dritter Sieg? Der 1. FC Kaiserslautern muss zum Debüt von Friedhelm Funkel ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg ran. Also bei dem Gegner, der diese Saison schon zwei Mal geschlagen wurde.
2. September 2023, ein Samstagabend: Die Roten Teufel schießen beim 3:1 gegen den Club den Fehlstart in diese Saison von dannen und klettern in den Wochen danach bis auf Platz 3. Der Trainer heißt zu diesem Zeitpunkt noch Dirk Schuster.
Dienstag, der 5. Dezember 2023: Der FCK ist in die Krise gerutscht und hat Dimitrios Grammozis als neuen Coach vorgestellt. Der bestreitet sein Debüt gegen Nürnberg, im Pokal, und sein Team gewinnt verdient mit 2:0. Wie schon beim vorigen Duell in der Liga treffen: Richmond Tachie und Ragnar Ache.
Nun also Friedhelm Funkel. Dass ein Verein binnen eines halben Jahres mit drei verschiedenen Trainern gegen ein und denselben Gegner antritt - und vielleicht auch noch alle drei Spiele gewinnt -, das dürfte selbst in der verrückten Fußball-Welt nahezu einmalig sein.
Wie sieht Funkels Debüt-Elf aus? Ronstadt noch lädiert, Touré wieder dabei
Der Trainer von Nürnberg heißt Cristian Fiél, wie auch schon bei den vergangenen zwei Aufeinandertreffen. Er muss mit Innenverteidiger Ivan Marquez (Gelb-Sperre) auf mindestens einen Stammspieler verzichten. Flügelstürmer Kanji Okunuki und Offensiv-Toptalent Can Uzun (beide waren krank) sind hingegen ins Mannschaftstraining zurückgekehrt und können wahrscheinlich mitwirken. Unabhängig von seiner eigenen Mannschaft, die zuletzt jeweils Unentschieden gegen Osnabrück (2:2) und Wehen (1:1) spielte, wird Fiél aber vor allem an der ungewissen (Neu-)Formation seines Gegenübers zu knabbern haben. Mit welchem Personal und mit welcher Strategie schickt Friedhelm Funkel seine Roten Teufel ins Rennen? Dem FCK-Coach stehen Stand jetzt fast alle Spieler zur Verfügung, nur Frank Ronstadt (Oberschenkelblessur) konnte noch nicht wieder ins Training einstellen. Der zuletzt angeschlagen fehlende Almamy Touré ist einsatzbereit.
Die Pressekonferenz mit weiteren Infos vor dem Spiel findet am Freitag um 13:30 Uhr statt.
Quelle: Der Betze brennt
Weitere Links zum Thema:
- Übersicht: Kompletter Team-Status des 1. FC Kaiserslautern
Ergänzung, 16.02.2024:
Funkel will in die Köpfe: "Fußball ist keine Zauberei"
Friedhelm Funkel setzt auf pragmatische statt komplizierte Lösungen. Der neue FCK-Trainer erwägt für die Partie in Nürnberg die Rückkehr zur Viererkette, könnte weniger kraftraubendes Pressing anordnen - und er will in die Köpfe der Spieler.
"Fußball ist keine Zauberei", erklärt der Nachfolger von Dimitrios Grammozis vor dem Gastspiel seines 1. FC Kaiserslautern beim 1. FC Nürnberg (Sonntag, 13:30 Uhr). Die Roten Teufel reisen schon heute, also einen Tag früher als sonst nach Franken. Funkel will dieses "Mini-Trainingslager" für viele Gespräche nutzen, er will in die Köpfe der nach dem Absturz von Platz 3 auf 16 verunsicherten Spieler. Und er will die Mannschaft von komplizierten Aufgaben befreien, zumindest soweit das möglich ist. Heißt: Der FCK könnte in Nürnberg wieder auf eine defensive Viererkette umstellen, nach vorne weniger Pressing betreiben und dadurch Kräfte für 90 Minuten plus Nachspielzeit sparen. Den ganz genauen Matchplan hat Funkel aber noch nicht gebastelt, nachdem er erst seit zwei Tagen da ist und nun noch weitere zwei Tage Zeit zur Vorbereitung hat. Der 70-Jährige sagt: "Ein gewisses Grundgerüst habe ich schon, wie ich auf der einen oder anderen Position spielen lassen will. Vor allem aber erwarte ich, dass wir aus einer guten Grundordnung heraus spielen, dass wir leidenschaftlich kämpfen, aber dass wir auch fußballerisch gute Dinge nach vorne machen. Die Spieler sollen selbstbewusst und nicht ängstlich an die Aufgabe herangehen, die Jungs müssen an sich glauben - nur dann kann man gute Leistungen bringen. Dann ist alles möglich."
Ronstadt verletzt - Zimmer vor Startelf-Comeback - Klement im Kader
Funkel hat das Glück, zum Debüt fast komplett auf seinen 29 Mann großen Kader zugreifen zu können. Neben den Langzeitverletzten Hendrick Zuck (Kreuzbandriss) und Philipp Hercher (Hüftprobleme) fällt lediglich Frank Ronstadt (Oberschenkelblessur) aus. Das könnte sich in den nachfolgenden Partien ändern, weil mit Marlon Ritter, Boris Tomiak, Tymo Puchacz und Nikola Soldo alleine schon vier Spielern eine Gelb-Sperre droht. In Nürnberg aber kann die Bestbesetzung spielen. Anstelle Ronstadt dürfte auf der rechten Abwehrseite von Kapitän Jean Zimmer in die Startelf zurückkehren. Außerdem kündigte Funkel an, dass der unter Grammozis zuletzt nicht mehr berücksichtigte Spielmacher Philipp Klement wieder im 20-Mann-Kader stehen wird.
Der FCK wird im Max-Morlock-Stadion von schätzungsweise 5.000 bis 7.000 Fans unterstützt. Das Gästekontingent von 4.688 Karten ist komplett ausverkauft, außerdem deckten sich einige Anhänger beim FCN mit Tickets für die umliegenden Blöcke ein.
» Zum Video: Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg
Alle weiteren Informationen zum FCK-Spiel in Nürnberg folgen morgen im ausführlichen Vorbericht auf Der Betze brennt.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 17.02.2024:
Gegner-Check: Club zwischen Anspruch und Umsetzung
Zugegeben: Angesichts der eigenen Schwächen des 1. FC Kaiserslautern gegenwärtig welche beim kommenden Gegner suchen, kann als Augenwischerei angesehen werden. Wir schauen dennoch auf den 1. FC Nürnberg - und stellen fest: Er wäre zu schlagen.
So lief's seit dem Hinspiel: Wir erinnern uns. Beim 3:1 im September brachte ein spektakulärer "Triple-Wumms" des FCK die Nürnberger früh ins Hintertreffen. Anschließend spielte das Team von Trainer Christian Fiel durchaus engagiert und gefällig auf, vermochte am Endresultat aber nicht mehr viel zu verbessern. Anfang Dezember stellte sich der FCN im DFB-Pokal-Achtelfinale ein weiteres Mal auf dem Betzenberg vor, stemmte sich gegen diese 0:2-Niederlage allerdings weit weniger leidenschaftlich. Dazwischen lag eine Hinrunde in der Liga, in der sich Siege und Niederlagen in schöner Regelmäßigkeit abwechselten, worauf diese mit einem 10. Platz abgeschlossen wurde - "jenseits von Gut und Böse", bietet der Phrasenkanon hier als Idealbeschreibung an. Große Unzufriedenheit soll am Valznerweiher in der Weihnachtszeit dennoch nicht geherrscht haben, anscheinend vertraut man weiter darauf, dass sich die Kärrnerarbeit von Coach Fiel, dessen fußballerische Ansprüche sich am "State of the Art" orientieren, in absehbarer Zeit mal in Ergebnissen niederschlägt. Nach den ersten vier Spieltagen diesen Jahres scheint das nächste Level aber noch nicht erreicht. Auf ein überzeugendes 3:0 zum Auftakt gegen Hansa Rostock folgten eine 0:3-Niederlage in Hannover sowie zwei Remis. Das erste davon zuhause gegen Tabellenschlusslicht Osnabrück, das zweite zuletzt bei Aufsteiger Wehen. Die Torschussbilanz dieser Partie - 17:7 zu Nürnberger Gunsten - deutet allerdings darauf hin, dass die "Glubberer" da durchaus mehr wollten und auch hätten bekommen können.
Das hat sich geändert: An der Spielanlage nicht viel, Christian Fiel versucht weiter, seiner jungen Mannschaft fußballerische Hochkultur zu vermitteln, sprich, ein dominantes, passspielbetontes Auftreten in einem sauber strukturierten 4-3-3. Bei der Umsetzung dieses Plans musste er im Lauf dieser Saison allerdings schon ein paar Mal personell umdenken. Mats Möller Daehli, der einstige Denker und Lenker im Mittelfeld, kam kaum noch zum Zug und ist in der Winterpause nach Norwegen zurückgekehrt. Der Japaner Daichi Hayashi hat sich als beweglicher Mittelstürmer ebenso wenig durchgesetzt wie Christoph Daferner als klassischer Sturmtank. Daferner ist mittlerweile nach Düsseldorf verliehen, Hayashi zurzeit verletzt. Im Sturmzentrum präsentiert sich seit der Winterpause ein alter Bekannter: der Schwede Sebastian Andersson, der in Deutschland einst beim 1. FC Kaiserslautern auf sich aufmerksam machte, anschließend für Union Berlin und den 1. FC Köln auflief, zuletzt aber vor allem aus Verletzungsgründen vereinslos war. Nun ist er wieder fit, getroffen hat er für den FCN jedoch noch nicht. Innenverteidiger Ahmet Gurleyen, der zur Abwehrsäule werden sollte, drückte zuletzt nur noch die Bank, sein potenzieller Nebenmann Jamie Lawrence verlor zunächst seinen Stammplatz und ist nunmehr langzeitverletzt. Das Abwehrzentrum besetzen nunmehr der Spanier Ivan Marquez und der Ex-Kölner Jannes Horn. Marquez fällt am Sonntag aber aus, nachdem er in Wiesbaden seine fünfte Gelbe Karte gesehen hat, für ihn dürfte Gurleyen mal wieder ein Chance erhalten. Lange ausgefallen war auch der Engländer Joseph Hungbo, in Wiesbaden feierte der Rechtsaußen nun ein einminütiges Kurz-Comeback. Keeper Christian Mathenia musste seine Stammplatz zu Jahresbeginn an Carl Klaus abtreten. Nachdem dieser in Wiesbaden patzte, wird zum Kaiserslautern-Spiel allerdings über eine Rückkehr des aufgrund seiner Mainz-Vergangenheit bei den FCK-Fans nicht gerade beliebten Mathenia spekuliert.
Gewinner und Verlierer: Wer der alle überstrahlende Gewinner dieses Teams ist, ist ja wohl längst kein Geheimnis mehr: Er heißt Can Uzun, ist nunmehr 18 Jahre alt und der begehrteste Kicker in Liga zwei. Dass der FCN am Saisonende eine zweistellige Millionen-Ablöse für den Mittelfeldspieler einstreichen wird, gilt längst als abgemacht. Aktuell habe Bundesligist Eintracht Frankfurt beim Wettbieten die Nase vorn, heißt es. In Wiesbaden fehlte er erkrankt, ebenso wie Linksaußen Kanji Okunuki. Beide sind aber schon vor einigen Tagen wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt und scheinen am Sonntag wieder auflaufen zu können. Neben Uzun haben sich jedoch noch weitere Youngster des FCN gut entwickelt. Linksverteidiger Nathaniel Brown etwa hat sich Frankfurt ebenfalls schon gekrallt, seit Januar läuft das "Glubb"-Gewächs nur noch als Leihspieler für seinen Heimatverein auf. Die langjährige Stammkraft Tim Handwerker hat sich mittlerweile in die Niederlande verleihen lassen, Mittelfeldtalent Ali Loune nach Österreich, nachdem sich auf der Sechs Florian Flick festgespielt hat. Auch Routinier Johannes Geis hat nur noch einen Stammplatz auf der Bank. Dafür entwickelt sich mit Achter Jens Castrop ein weiterer Nachwuchsmann vielversprechend. Und, hört, hört: In Wiesbaden feierte zuletzt FCK-Eigengewächs Erik Wekesser seinen ersten Startelf-Einsatz seit über einem Jahr. Eine Kreuzbandverletzung hatte den nunmehr 26-Jährigen lange außer Gefecht gesetzt.
Zahlenspiele: Wir haben schon vorm Hinspiel drauf aufmerksam gemacht: Mit einer Passquote von 82,2 Prozent ist der FCN gerade mal Zehnter im Ligavergleich, das ist zwar ein besserer Wert als der, den der FCK aufweist (77,9 Prozent), aber für die fußballerischen Ansprüche, die Christian Fiel stellt, eigentlich zu wenig. Außerdem sind die Franken Zweitbester im Ranking der gewonnenen Zweikämpfe, aber da der Tabellenletzte Osnabrück in diesem Vergleich Erster ist, stellt sich die Frage, welche Aussagekraft dieses eigentlich hat. Interessanter ist da schon: Rechtsaußen Benjamin Goller zieht die meisten Sprints in der Zweiten Liga an. Angesichts der Probleme, die der FCK auf der linken Abwehrseite hat, hätte er da ein echtes Problem. Hätte - denn Goller wird am Sonntag erkrankt fehlen, für ihn könnte der junge Jannik Hofmann zum Einsatz kommen, der in Wiesbaden sein Zweitligadebüt gab. Und richtig Mut machen könnte: Nürnberg stellt das viertschwächste Heimteam der Liga. Die "Glubberer" haben drei Mal vor eigenem Publikum verloren, drei Mal nur Remis gespielt, und in zehn Heimpartien nur 15 Treffer erzielt. Und wenn Supertalent Uzun, der schon zehn Treffer erzielt hat, nicht mit von der Partie ist, haben sie eigentlich niemanden, der einigermaßen sicher weiß, wo das Tor steht. Zweitbester Scorer ist der Moselaner Lukas Schleimer mit drei erzielten Buden, der auch das einzige Nürnberger Tor dieser Saison erzielte, aber der zählt gar nicht mal unbedingt zur Startelf. Und mit bislang 39 Gegentreffern präsentiert sich die Abwehr des FCN alles andere als sattelfest. Allerdings ist die der Lautrer noch schlechter (43 Gegentore). Zudem haben die Gastgeber in dieser Saison schon vier Mal zu null gewonnen, der FCK noch nie.
Fazit: Ein Team, das an sich selbst hohe fußballerische Ansprüche stellt, diese aber längst so gut umsetzen kann, wie es gerne möchte - ein solcher Gegner wäre eigentlich ein gefundenes Fressen für einen FCK, wie er sich vor gar nicht allzu langer Zeit noch präsentierte. Die Heimschwäche der Gastgeber und ihre zahlreichen Ausfälle lassen sie erst recht verwundbar erscheinen. Zurzeit aber müssen die Roten Teufel erstmal ihre eigenen Nerven und Schwächen in den Griff kriegen, um aus den Schwächen anderer Kapital zu schlagen. "Die Viererkette ist eine ernsthafte Option", hat der neue Trainer Friedhelm Funkel bereits verlauten lassen, außerdem: "Klarheit und Einfachheit und der Mannschaft vier, fünf Grundlagen mit auf den Weg geben. Fußball ist keine Hexerei, da muss nicht immer nur die spielerische Lösung gesucht werden." Schön gesagt. Viererkette gegen einen Gegner, der in einem lupenreinen 4-3-3 auftritt, macht erst recht Sinn. Insbesondere auf die Besetzung des linken Verteidigerpostens darf man allerdings gespannt sein, Tymo Puchacz wäre in einer solchen Formation eher als offensiver Flügelspieler einzuplanen.
Quelle: Der Betze brennt
