
Wahnsinn in Osnabrück: Tomiak rettet FCK das 2:2
Der 1. FC Kaiserslautern kommt in letzter Sekunde beim VfL Osnabrück zu einem 2:2. Nachdem Terrence Boyd in der Nachspielzeit einen Elfmeter verschießt, rettet Tomiak am Ende doch noch den Zähler.
An der mit 15.471 Zuschauern ausverkauften Bremer Brücke hatte der FCK bereits nach 36 Sekunden die Chance, in Führung zu gehen. Richmond Tachie servierte den Ball in die Mitte auf den in die Startelf gerückten Kenny Redondo, dessen Kopfball nur knapp am Osnabrücker Kasten vorbei strich. Die nächste gute Gelegenheit vergab Ragnar Ache, der eine Hereingabe von rechts nicht richtig traf (11.). Aufregung dann vier Minuten später: Osnabrücks Keeper Lennart Grill legte Tachie im Strafraum, Schiedsrichter Daniel Schlager entschied auf Elfmeter, doch Kevin Kraus verschoss, der ehemalige FCK-Keeper hatte die untere linke Ecke geahnt. Das wurde prompt bestraft: Nur zwei Minuten später brachte Erik Engelhardt die Hausherren in Führung. In der 35. Minute kam es dann noch schlimmer: Redondo traf Michael Cuisance im Strafraum, nach Ansicht der Videobilder entschied Schiedsrichter Schlager auf Elfmeter für die Hausherren. Der Gefoulte verwandelte zum 2:0. Kurz vor der Halbzeit dann aber wieder Hoffnung für Lautern: Julian Niehues erzielte mit dem Kopf nach einer Ecke von Tobias Raschl den Anschlusstreffer (45.+2).
Kurz nach der Pause fand Ache einmal mehr seinen Meister in Grill, der einen Kopfball bärenstark parierte (51.). In der Folge drückten die Gäste zusehends auf den Ausgleich, die Lila-Weißen kamen fast gar nicht mehr aus der eigenen Hälfte. Insbesondere der bisher so treffsichere Ache vergab Chance um Chance. In der 77. Minute dann aber fast die Entscheidung für den VfL: Noel Niemann lief nach einem Zweikampf mit Jan Elvedi alleine auf Julian Krahl zu, doch er verzog. Doch dann kam die verrückte Nachspielzeit: Zunächst wurde Tomiak im Strafraum gefoult, der eingewechselte Terrence Boyd lief an, doch auch er verschoss. Aber dabei blieb es nicht: Nach einer Ecke von Philipp Klement köpfte Tomiak den Osnabrücker Oumar Diakhite an, die Kugel trudelte hinter Grill ins Netz und die Roten Teufel kamen doch noch zu ihrem späten Glück.
Die Roten Teufel stehen nach dem Remis mit 14 Punkten auf Platz 6. Schon am kommenden Freitag (18:30 Uhr) empfängt die Schuster-Elf Hannover 96 im Fritz-Walter-Stadion.
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Quelle: Der Betze brennt
Weitere Links zum Thema:
- Statistik zum Spiel: VfL Osnabrück - 1. FC Kaiserslautern 2:2
Ergänzung, 17:50 Uhr:

Moralischer Sieger FCK: "Aufgeben kann man nur Briefe"
Einen Punkt gewonnen oder doch zwei verloren? Beim 1. FC Kaiserslautern überwiegt nach dem Last-Minute-Ausgleich beim VfL Osnabrück die Freude, erneut Moral bewiesen zu haben.
Schuster kontert Schweinsteiger: "Sehen uns nicht als Top-Mannschaft"
Zwei verschossene Elfmeter, einer davon in der Nachspielzeit, reihenweise vergebene Chancen und in letzter Sekunde doch noch das 2:2. Die Roten Teufel erlebten einen sehr speziellen Tag an der Bremer Brücke. Das drücken auch die Statements der Beteiligten nach Spielende aus:
FCK-Trainer Dirk Schuster hob die Comeback-Qualitäten seines Teams hervor, das er im Gegensatz zu VfL-Coach Tobias Schweinsteiger allerdings noch nicht als Top-Mannschaft bezeichnen möchte: "Ich muss erstmal selbst etwas herunterfahren nach dieser Achterbahnfahrt. Wir haben ein emotionales Spiel gesehen, bei dem fast alles dabei war. Wir haben, denke ich, insgesamt ein sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt. Zu Beginn haben wir relativ guten Fußball gespielt, machen den Elfmeter nicht, bekommen so im direkten Gegenzug das 0:1 und du fragst dich nach dem 0:2, welcher Film hier eigentlich abläuft. Die Prämisse in der Halbzeitpause war daher, definitiv noch etwas mitzunehmen, woran die Truppe bis zur letzten Minute auch geglaubt hat. Aufgeben ist keine Option. Das Einzige, was aufgegeben werden kann, ist ein Brief. Zwei verschossene Elfmeter sind dennoch ein persönliches Novum für mich. Aber ich möchte keine Schuldzuweisungen verteilen. Wir sehen uns nicht als Top-Mannschaft. Wir haben schon noch ein paar Möglichkeiten, uns zu steigern. Es ärgert mich, wenn man ein Spiel wie heute so ein wenig billig her schenkt. Bei den Gegentoren haben wir kräftig mitgeholfen - einer Spitzenmannschaft passiert so etwas nicht. Es geht darum, den Flow so lange wie möglich fortzusetzen und so schnell wie möglich Richtung 40 Punkte zu marschieren. "
Boris Tomiak war nach seinem späten Ausgleichstreffer selbstverständlich glücklich, nahm sich selbst aber nicht zu wichtig: "Das tut richtig gut. Der Punkt ist insgesamt fast schon zu wenig, aber es ist ein gutes Gefühl, dass man zumindest nicht mit leeren Händen nach Hause fährt, wenn man über 90 Minuten einen so hohen Aufwand betreibt. Dass ich das 2:2 noch mache, ist natürlich ein absoluter Glücksmoment für mich, aber noch viel mehr für die Mannschaft. Dass wir aber immer in der Lage sind, zurückzukommen, haben wir schon in der vergangenen Saison gezeigt, als wir gefühlt in jeder Partie zurückgelegt haben."
Niehues: "Ein Sieg wäre mehr für uns verdient gewesen"
Julian Niehues bemängelte trotz seines Tores zum 1:2 die mangelnde Effizienz vor dem Tor: "Leider müssen wir heute über 'einen Punkt retten' reden. Es war ein hochverdienter Zähler, aber wir müssen vor dem Kasten konsequenter werden. Ein Sieg wäre mehr für uns verdient gewesen, aber wir sind dennoch froh, ein weiteres Spiel ungeschlagen geblieben zu sein. Die Woche ist kurz, am Freitag geht es gegen Hannover weiter."
Auch der ehemalige Osnabrücker Aaron Opoku, der rechtzeitig zur Partie wieder fit geworden war, haderte ein wenig mit der Chancenverwertung: "Wer die Bremer Brücke kennt, weiß, was hier passieren kann. So kurz vor dem Ende noch zurückzukommen, das ist ein sehr schönes Gefühl. Das Stadion bebt, ich kenne das ja noch. So haben wir einen Punkt, aber unter dem Strich haben wir hier insgesamt die besseren Chancen, die wir effektiver nutzen müssen. Jetzt ist es nur ein Zähler, davon geht die Welt nicht unter. Persönlich fühle ich mich gut, für 45 Minuten hat es heute auf jeden Fall gereicht."
» Zum Video: Pressekonferenz nach dem Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 02.10.2023:

"Auf geht's, Betze!": Lautern lässt die Brücke wackeln
Der 1. FC Kaiserslautern erlebt beim VfL Osnabrück einen unvergesslichen Tag. Für den passenden Rahmen sorgen die Fans auf den Tribünen - mit einem gewohnt starken Auswärts-Support.
Ausflüge an die Bremer Brücke sind immer lohnenswert und und meistens erinnerungswürdig. Das war auch an diesem ersten Oktobertag so. 15.471 Zuschauer waren gekommen, das Stadion damit restlos ausverkauft. Von den circa 1.700 Lautrer Schlachtenbummlern waren einige bereits einen Tag zuvor gekommen, um ein Wochenende in der viertgrößten Stadt Niedersachsens zu verbringen.

In diesem besonders engen Stadion kann man sich als Fußballfan auch nur wohlfühlen. Schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn war die Stimmung im und um den Gästeblock bestens. Choreographien oder größere Aktionen gab es zwar keine, aber zahlreiche Schwenkfahnen, Doppelhalter und natürlich Stimmgewalt. Am Zaun war während der ersten Halbzeit ein großes Banner mit der Aufschrift "Karsten unvergessen" angebracht - die Ultras erinnerten wie jedes Jahr Anfang Oktober an ihren vor sieben Jahren viel zu früh verstorbenen Mitstreiter. Im Block war auch eine Schwenkfahne mit Karstens Konterfei zu sehen. Zudem wurde nach einer halben Stunde ein Spruchband hochgehalten, auf dem stand: "Gerechtigkeit für die 135 Opfer von Kanjuruhan." Die Tragödie im Kanjuruhan-Stadion jährte sich gestern zum ersten Mal. Im indonesischen Malang starben damals 135 Menschen wegen Erstickung, weil die Polizei auf Fans einschlug, die den Sieg mit ihrer Mannschaft auf dem Rasen feiern wollten und anschließend eine Massenpanik entstand.

Die Unterstützung aus dem Gästeblock war über 90 Minuten sehr gut, auch nach zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand und nach dem zweiten verschossenen Elfmeter der Partie durch Terrence Boyd ("Auf geht’s Betze - Vorwärts rot-weiß!"). Dessen Einwechslung war vom Stadionsprecher in der 76. Minute mit den Worten "Hoffentlich ohne Mettbrötchen" angekündigt worden - eine Anspielung auf Boyds letzten Einsatz an der Bremer Brücke. Ihren verdienten Höhepunkt fand der Support selbstredend, als Boris Tomiak durch seinen Treffer in der achten Minute der Nachspielzeit den Gästeblock zum Explodieren brachte.

Die Heimfans sorgten ihrerseits für die typische Atmosphäre an der Bremer Brücke. Zehn Minuten vor Anpfiff wurde ein lautes "You'll never walk alone" intoniert - allerdings mit Musik vom Band und recht wenig Beteiligung. Kurz darauf wurde es beim Einlaufen der Mannschaften umso beeindruckender, als zum Vereinslied "Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück" die lila-weißen Schals in die Höhe gingen und das (fast) komplette Stadion mit einstimmte. Choreos oder ähnliches gab es auch im Heimbereich nicht, dafür ebenfalls viele Schals und Fahnen. Stattdessen konzentrierten sich die VfL-Anhänger auf stimmlichen Support und machten sich vor allem bei manch fragwürdiger Entscheidung von Schiedsrichter Daniel Schlager bemerkbar. Ekstase herrschte bei den verschossenen Elfmetern von Kevin Kraus und natürlich insbesondere von Boyd in der Nachspielzeit - was sich durch Tomiaks Lucky Punch in wütende Pfiffe und Sprachlosigkeit umwandelte. Typisch Betze auswärts eben.

Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Auswärtsspiel in Osnabrück:
- Fotogalerie | 8. Spieltag: VfL Osnabrück - 1. FC Kaiserslautern
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 02.10.2023:

Tomiak und Ache im Fokus: Die FCK-Noten aus Osnabrück
Der 1. FC Kaiserslautern zeigt beim VfL Osnabrück ein Spiel mit Aufs und Abs. Das spiegelt sich auch im Notenbild wieder, wobei vor allem ein Spieler überraschend unterschiedlich bewertet wird.
"Aufgeben ist keine Option. Das Einzige, was aufgegeben werden kann, ist ein Brief." Dirk Schuster hatte den Glauben an seine Mannschaft nie verloren, wie er nach der Partie zu Protokoll gab. Dennoch hätte in der achten Minute der Nachspielzeit wohl nicht mehr jeder mit dem Ausgleich von Boris Tomiak gerechnet. Für seine insgesamt starke Offensiv- und Defensivleistung erhält er auf Der Betze brennt bei bisher rund 2.600 Einzelstimmen mit einer 2,1 die beste Durchschnittsnote des Tages. Auch die Journalisten von "Rheinpfalz" und "Kicker" sehen ihn als einen der stärksten Lautrer. Im "Kicker" schafft es der 25-Jährige zudem zum zweiten Mal in Folge in die Elf des Tages.
Kraus und Redondo enttäuschen - Große Diskrepanz bei Ache
Insgesamt fällt das Notenbild aber durchwachsener aus als noch in den vergangenen Wochen. So erhält diesmal kein Akteur eine Eins vor dem Komma. Dafür gibt es diesmal auch schlechte Noten: Kevin Kraus verschoss nach einer Viertelstunde einen Elfmeter, sah in der Folge auch beim ersten Gegentreffer nicht gut aus und musste in der Halbzeitpause in der Kabine bleiben. Die Fans verteilen eine 4,5, die Journalisten eine glatte Fünf. Ähnlich kritisch wird Kenny Redondo gesehen, der von den Fans eine 4,6 erhält und auch von der schreibenden Zunft "mangelhaft" gesehen wird. Aber nicht bei jedem Spieler herrscht so viel Einigkeit: Kreativspieler Tobias Raschl, der bei den Fans noch recht solide abschneidet (3,0), wird von den Journalisten mehr als eine ganze Note schlechter bewertet (Rheinpfalz: 4,5 / Kicker: 4,0). Noch krasser ist das Bild aber bei Stürmer Ragnar Ache. Die FCK-Fans honorieren trotz vergebener Chancen sein hohes Engagement (3,0), die "Rheinpfalz" bemängelt die Effizienz (4,5) und der "Kicker" straft ihn mit der fast schlechtmöglichsten Note ab (5,5).
» Zur kompletten Notenübersicht: VfL Osnabrück - 1. FC Kaiserslautern

Die DBB-Noten zum Auswärtsspiel in Osnabrück können noch bis heute, 15:15 Uhr abgegeben werden: Zur Notenabgabe VfL-FCK.
Update, 15:32 Uhr: Offenbar hat der zuständige "Kicker"-Notengeber einen Fehler gemacht: Die im Heft mit 5,5 angegebene Note für Ragnar Ache wurde auf der Internetseite des Magazins mittlerweile auf 3,5 geändert.
Quelle: Der Betze brennt / Rheinpfalz / Kicker
