
3:3 gegen Darmstadt: FCK punktet nach irrer Aufholjagd
Die nächste Aufholjagd und der nächste Fußball-Krimi auf dem Betze: Der 1. FC Kaiserslautern macht gegen Darmstadt 98 aus einem 0:2 ein 3:2 und muss sich am Ende doch mit einem Unentschieden begnügen.
FCK-Trainer Dirk Schuster veränderte die Startelf im Vergleich zur letzten Partie in Sandhausen auf einer Position und brachte Daniel Hanslik von Beginn anstelle von Mike Wunderlich. Dadurch rückte Marlon Ritter wieder auf die Doppelsechs neben Julian Niehues. Philipp Klement übernahm die Position von Wunderlich, Hanslik die linke offensive Außenbahn.
Bis zu den ersten guten Szenen der Männer in Rot mussten die 38.380 Zuschauer dann nicht lange warten. In der 3. Minute kam Ritter rechts im Strafraum zum Abschluss, scheiterte aber an Gäste-Schlussmann Marcel Schuhen. Kurz darauf setzte wieder Ritter in der 8. Minute einen Distanzschuss nur ein kleines Stück neben den Kasten der Lilien. In der 24. Minute hätte die Führung eigentlich fällig sein müssen, doch konnte Philipp Hercher nach traumhafter Vorlage von Klement ganz frei vor Schuhen den Darmstädter Keeper ebenfalls nicht überwinden.
Die Gäste waren zwar immer wieder präsent in der Lautrer Hälfte. Eine vergleichbar gute Möglichkeit hatten die Hessen allerdings nicht zu bieten - bis in die Nachspielzeit der ersten Hälfte und unter freundlicher Mithilfe des FCK. Einen Diagonalball durch den Lautrer Strafraum wollte Jean Zimmer per Brust zu Andreas Luthe zurücklegen, dabei übersah er allerdings den in seinem Rücken stehenden Fabian Holland. Der Darmstädter ging dazwischen und konnte von Luthe nur noch per Foul gestoppt werden. Den fälligen Strafstoß verwandelte Tobias Kempe quasi mit dem Pausenpfiff zum 0:1 (45.+2).
So ärgerlich der erste Durchgang endete, so ungünstig begann der zweite. Nachdem Dirk Schuster mit der Hereinnahme von Hendrick Zuck und Kenny Redondo für Durm und Hanslik doppelt gewechselt hatte, waren noch keine vier Minuten gespielt, als es hinten zum zweiten Mal einschlug. Phillip Tietz hatte zentral zu viel Platz und überwand Luthe mit einem platzierten Distanzschuss zum 0:2 (49.). Noch war aber genügend Zeit, auch wenn der vermeintliche Anschluss durch Boyd in der 66. Minute wegen Abseits nicht zählte.
Das 1:2 besorgte stattdessen Redondo in der 74. Minute per Kopf. Der Betze war nun wieder voll da und stand endgültig Kopf, als es zwei Minuten später nach einem Foul an Zuck Elfmeter gab. Wunderlich blieb cool und verwandelte zum 2:2 (76.). Doch damit nicht genug. In der 87. Minute packte der FCK einen eiskalten Konter aus. Ritter servierte die Kugel nach innen und wieder Redondo verwandelte das Fritz-Walter-Stadion mit dem 3:2 in ein Tollhaus. Das allerletzte Wort dieser verrückten zweiten Hälfte hatten dann aber wieder Gäste. Aaron Seydel traf in der Nachspielzeit zum 3:3-Endstand (90.+1).
Die Roten Teufel sind nun seit vier Partien ungeschlagen und spielten zum dritten Mal in Folge unentschieden. Das nächste Spiel steigt am kommenden Sonntag um 13:30 Uhr beim 1. FC Heidenheim.
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Quelle: Der Betze brennt
Weitere Links zum Thema:
- Statistik zum Spiel: 1. FC Kaiserslautern - SV Darmstadt 98 3:3
Ergänzung, 17:16 Uhr:

Stimmen zum Spiel
"Das Glas ist halb voll": Reaktionen zum 3:3 am Betze
Der 1. FC Kaiserslautern zeigt gegen Darmstadt 98 wieder Moral und eine spektakuläre zweite Halbzeit. Auch wenn es wegen des späten Gegentreffers nicht zum Heimsieg reicht, heben die Protagonisten vor allem das Positive hervor.
Schuster sieht wilde Partie: "Jeder Fehler wird brutal bestraft"
Diesmal hatte die Halbzeitansprache nicht direkt geholfen. Anders als beim 3:1 in Fürth oder beim 4:4 gegen Magdeburg war es nicht der FCK, sondern Darmstadt, das unmittelbar nach Beginn der zweiten Hälfte ein Tor erzielen konnte. Das 0:2 schien die Partie entschieden zu haben - doch Lautern zeigte den über 38.000 Fans im Fritz-Walter-Stadion wieder einmal eine spektakuläre Aufholjagd. "Als Trainer willst du natürlich jedes Spiel gewinnen und auch mal einen ruhigeren Tag an der Seitenlinie erleben. Ich habe eh schon genug graue Haare. Die Zweite Liga ist aber hart, jeder Fehler wird brutal bestraft. Daraus muss man lernen", resümierte FCK-Trainer Dirk Schuster nach dem 3:3-Remis, in dem seine Mannschaft den Zwei-Tore-Rückstand zunächst in eine Führung gedreht, dann aber in der letzten Spielminute doch noch den Ausgleich hinnehmen mussten. Trotzdem war der Trainer insgesamt zufrieden: "Nicht vergessen: Wir haben vier Jahre in der 3. Liga hinter uns, den Punkt nehmen wir gerne mit. Es war eine sehr intensive Partie, die ein bisschen wild, aber für einen neutralen Zuschauer richtig geil war. Wir hatten zunächst die besseren Chancen, waren dann aber sehr gute Gastgeber, indem wir dem Gegner einen Elfmeter auf dem Silbertablett serviert haben. Das frühe 0:2 nach der Pause hat uns ein Stück weit den Stecker gezogen. Wir haben das System dann umgestellt und neues Personal gebracht. Mit sehr viel Willenskraft haben wir uns das Ergebnis am Ende verdient, das aus meiner Sicht auch den Spielverlauf widerspiegelt. Das Glas ist halb voll, nicht halb leer. Respekt an die Mannschaft."
Doppel-Schütze Redondo: "Bitter, noch den Ausgleich zu kassieren"
Maßgeblichen Anteil an der Aufholjagd hatte Kenny Redondo, der zur zweiten Hälfte eingewechselt worden war und mit seinen zwei Toren den Betzenberg zum Explodieren brachte: "Wenn man die Fans nach dem 3:2 gehört hat - das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist schön heute zwei Tore gemacht zu haben. Nichtsdestotrotz ist es dann umso bitterer, dass wir am Ende noch den Ausgleich kassieren. Aber als Aufsteiger nehmen wir den Punkt mit und wir haben wieder einmal viel Moral bewiesen."
Joker Wunderlich: "Es geht nicht um irgendwelche Eitelkeiten"
Bevor Redondo die Westkurve zum insgesamt dritten Mal zum Beben brachte, hatte Mike Wunderlich in der 76. Minute abgeklärt per Elfmeter den 2:2-Ausgleich erzielt. "Wir haben wie schon gegen Magdeburg eine geile Moral bewiesen und eine geile Aufholjagd geliefert. Leider war das Ergebnis am Ende dasselbe. Es tut weh, dass wir uns nicht komplett belohnen und die drei Punkte einsacken konnten. Nichtsdestotrotz, Hut ab vor unserer Moral", so der 36-Jährige, der erstmals in dieser Saison nicht in der Startelf gestanden hatte. Eine Tatsache, die der Spielmacher jedoch entspannt sieht: "Ich bin keine 18 Jahre mehr. Ich kann mit der Entscheidung des Trainers sehr gut umgehen und bin Profi genug, das zu akzeptieren. Ich weiß um meine Rolle in der Mannschaft. Ob das in Zukunft von Beginn an oder als Einwechselspieler ist, das wird man sehen. Sobald ich auf dem Platz stehe, werde ich immer alles für die Mannschaft geben. Es geht nur um den Erfolg für den Verein und nicht um irgendwelche Eitelkeiten."
Unglücksrabe Zimmer lobt die "brutal geschlossene Einheit"
Der folgenschwere Fehler, der kurz vor der Halbzeit zum Rückstand führte, war FCK-Kapitän Jean Zimmer unterlaufen. Niemand in der Mannschaft wollte ihm während oder nach der Partie aber einen Vorwurf machen. "Ich bekomme das Kommando 'Zeit' und bin davon ausgegangen, dass ich Zeit habe. Bekanntlich hatte ich sie nicht. In der Kabine habe ich aufmunternde Worte bekommen. Man merkt, dass wir eine brutal geschlossene Einheit sind, dass uns nichts umwerfen kann. Wir bleiben klar im Kopf und verlieren nicht die Nerven", schilderte Zimmer nach der Partie die Szene zum 0:1 sowie die folgende Aufholjagd der Roten Teufel. "Sensationell, dass heute drei Tore von der Bank kamen. Wie die Jungs akzeptieren, nicht zu spielen, und dann reinkommen und das Spiel für uns drehen. Das kann auch noch ein Faustpfand werden."
Luthe: "Als Aufsteiger ist jeder Punkt ist ein Gewinn"
Den Fehler Zimmers mit einem Foul ausbügeln musste Keeper Andreas Luthe, der nach Schlusspfiff ob des abermals verrückten Spielverlaufs sehr geschafft war: "Wir können irgendwie keine normalen Heimspiele zeigen. Für mein Herz ist das nichts, dafür bin ich zu alt. Nüchtern betrachtet können wir nach dem 0:2 mit dem Punkt gut leben. Aber wenn man sieht, wie die Fans nach dem 3:2 völlig ausgerastet sind, sind wir natürlich enttäuscht und hätten den Sieg gerne mitgenommen. Aber als Aufsteiger, der wir immer noch sind, ist jeder Punkt ein Gewinn. Das dürfen wir nicht vergessen."
» Zum Video: Pressekonferenz nach dem Heimspiel gegen Darmstadt 98
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 19:15 Uhr:

Blick in die Kurve
"Jetzt geht’s los": Fans verwandeln Betze in Tollhaus
Der 1. FC Kaiserslautern liefert gegen Darmstadt 98 das nächste Comeback der Marke Betzenberg. Auch wenn das ganz große Happy End erneut ausbleibt, wird kein FCK-Fan sein Kommen bereut haben.
Kein zweites Stadion in Deutschland ist so berühmt für seine Aufholjagden wie das Fritz-Walter-Stadion, aber auch in Kaiserslauterns Fußballtempel sind Spielverläufe wie jüngst beim 4:4 gegen Magdeburg nicht an der Tagesordnung. Insofern ist die Vorfreude der Zuschauer beim Heimspiel gegen Darmstadt zwar groß, eine ähnliche Dramatik wie 14 Tage zuvor dürften aber die wenigsten erwartet haben.

38.380 sind gekommen und sorgen im Duell mit den stark eingeschätzten Lilien erneut für eine imposante Kulisse "uffem Betze". Ein stürmisch beginnender FCK trägt bei sonnigem Spätsommerwetter zur anfangs stimmungsvollen Atmosphäre bei, auch wenn es in der Westkurve abgesehen von den bekannten Protest-Spruchbändern "Boycott Qatar" und "Fuck PMG" keine weiteren optischen Aktionen zu sehen gibt.


Mit zunehmender Dauer können das Geschehen auf dem Rasen und auf den Rängen allerdings immer weniger mitreißen und bis weit in die zweite Halbzeit sieht es tatsächlich nach der zweiten Heimniederlage in dieser Saison aus, ehe die in dieser Form wohl nur auf dem Betze zu erlebende Dynamik den Fußball-Nachmittag doch wieder zu einem denkwürdigen macht.

"Jetzt geht's los", schallt es ohrenbetäubend von drei der vier Tribünen, nachdem die Roten Teufel binnen zwei Minuten den 0:2-Rückstand per Doppelschlag egalisiert haben. Und als Kenny Redondo nach einem spektakulären Konter direkt vor der Westkurve zum 3:2 einköpft, gibt es im Stadion endgültig kein Halten mehr. Allein für diese Minuten und die kollektive Eruption der Emotionen drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit hat sich der Besuch auf dem Betzenberg an diesem Sonntag schon gelohnt. Mentalität und Kampfgeist - dafür bekommt die Mannschaft trotz des bitteren Ausgleichstreffers auch nach dem Schlusspfiff viel Applaus.

Aus Darmstadt nehmen knapp 5.000 Anhänger an dem Spektakel teil, das auch die Lilienfans nicht so schnell vergessen werden. Zum Einlaufen zeigen die Gäste eine blau-weiße Choreo mit den Darmstädter Wahrzeichen auf einer Zaunfahne und der Aufschrift “Südhessisch Mentalita” sowie reichlich Rauch in den Vereinsfarben. Der aus FCK-Sicht lange Zeit ernüchternde Spielverlauf sorgt zunächst für gute Stimmung auf der Osttribüne, ehe die Gäste von der Wucht des Betzenbergs förmlich überrollt werden - leider nur bis zum Lucky Punch der Lilien in der Nachspielzeit.
Zur kompletten Fotogalerie vom FCK-Heimspiel gegen Darmstadt:
- Fotogalerie | 8. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern - Darmstadt 98
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 12.09.2022:

Einwechselspieler zünden: Die Noten zum Heim-Spektakel
Drei Treffer erzielt, Partie gedreht, aber auch ein spätes Gegentor kassiert: Im Spiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Darmstadt 98 wird vor allem die zweite Halbzeit honoriert. Die besten Noten erhält der eingewechselte Doppeltorschütze.
Er ist mit seinen knapp 1,80 Metern nicht gerade als Kopfballungeheuer bekannt. Doch gegen die Lilien schnürte Kenny Redondo gar einen Doppelpack per Kopf. Vor allem sein 3:2 in der 87. Minute direkt vor der Westkurve versetzte den Betzenberg in Ekstase. Bei rund 3.000 Einzelbewertungen auf Der Betze brennt wird er daher auch wenig überraschend mit einer Durchschnittsnote von 1,3 mit weitem Abstand zum Teufel des Tages gewählt. Die Journalisten der "Rheinpfalz" und des "Kicker" verteilen an ihn ebenso die beste aller Spielernoten (1,5). Dahinter schneidet der ebenfalls eingewechselte Mike Wunderlich, der zwei Minuten nach Redondos erstem Streich den Lautrer Ausgleich per Elfmeter erzielt hatte, am besten ab. Auch er erhält von den Fans eine Eins vor dem Komma (1,9). Von den Startelfspielern wird Marlon Ritter, der unter anderem die Vorlage zum 3:2 lieferte, mit der besten Bewertung versehen. Er bekommt von den Fans im Schnitt eine 2,2. Die Tageszeitung sieht ihn sogar noch etwas besser und verteilt eine glatte Zwei, das Sportmagazin dagegen eine 2,5.
Umstellungen werden belohnt - Durm und Zimmer schneiden schlecht ab
Insgesamt ist aber deutlich zu erkennen, dass vor allem die Auswechslungen in der zweiten Halbzeit und die Systemumstellung auf Dreierkette honoriert werden. So kommen die Außenverteidiger der ersten Halbzeit weniger gut weg: Erik Durm, der nach 45 Minuten ausgewechselt worden war und stellenweise überfordert wirkte, bekommt von den Fans nur das Prädikat "ausreichend" (4,0). Noch schlechter schneidet nur Kapitän Jean Zimmer ab, der kurz vor der Halbzeit mit seinem Fehler den Foulelfmeter an Fabian Holland provozierte (4,7). Auch die schreibende Zunft sieht die Außenverteidiger am kritischsten und verteilt jeweils an beide die Note 4,5.
» Zur kompletten Notenübersicht: 1. FC Kaiserslautern - Darmstadt 98

Die DBB-Noten zum Heimspiel gegen Darmstadt können noch bis heute, 15:15 Uhr abgegeben werden: Zur Notenabgabe FCK-SVD.
Quelle: Der Betze brennt

