
"Der Kopf entscheidet": Mike Wunderlich und der Endspurt
Uff e Wort mit Mike Wunderlich: Der Team-Routinier des 1. FC Kaiserslautern spricht im DBB-Interview über seine Zielsetzung für die letzten fünf Spiele und die Bedeutung der Psyche im Kampf um den Aufstieg.
Als wir uns das letzte Mal "Uff e Wort" mit Mike Wunderlich trafen, hatte dieser gerade im Heimspiel gegen Zwickau einen Elfmeter verschossen (Endstand: 1:1) und der FCK taumelte den Abstiegsplätzen entgegen. In der Führungsetage brodelte es, die Fans verzweifelten. Schon wieder Existenzkampf am Betze? Kaum zu glauben, dass das alles erst etwas mehr als ein halbes Jahr her ist. Der mittlerweile 36 Jahre alt gewordene Wunderlich hat in seiner Karriere schon viel erlebt, aber eine Erklärung für die seither eingetretene Erfolgsserie seiner Mannschaft fällt auch ihm schwer. Aber der Führungsspieler weiß, worauf es in den jetzt anstehenden Endspiel-Wochen ankommt. "Am Ende entscheidet nur der Kopf", spricht Wunderlich aus eigener Erfahrung, und gibt im gleichen Zusammenhang diesen mutmachenden Satz mit auf den Weg: "Alle Jungs in unserer Truppe sind klar in der Birne."
Drei Fragen und drei Antworten mit Mike Wunderlich:
Der Betze brennt: Mike Wunderlich, die Laune ist heute erheblich besser als Ende August nach dem 1:1 gegen Zwickau. Damals setzte ein zweiwöchiger Prozess ein, der über die Spiele in Magdeburg (0:1) und gegen Mannheim (0:0) zur bis heute anhaltenden Erfolgsserie führte. Wie habt Ihr das gemacht, was ist in diesen zwei Wochen passiert? Und noch ein allerletztes Mal nach dem Lattenschuss gegen Zwickau gefragt: Danach hat Marlon Ritter die Elfmeter übernommen, nach zwei Treffern nun aber auch einmal vergeben. Auch Muhammed Kiprit hat einmal getroffen. Wenn nun im Endspurt nochmal der Pfiff ertönen sollte, würdest Du dann wieder zum Strafstoß antreten?
Mike Wunderlich (36): Wir hatten einen sehr, sehr schwierigen Start. Für mich kam der Wandel dann durch das Derby, als wir mit neun Mann hier noch das 0:0 gehalten haben. Nach dem Magdeburg-Spiel und vor dem Match gegen Mannheim haben wir sehr viel miteinander gesprochen. Wir wussten: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und jetzt steht ein Derby an. Dabei haben wir intern viele Dinge aufgearbeitet. Wobei manches im Fußball auch einfach unerklärlich bleibt. Das Spiel gegen Mannheim war dann irgendwie eine Wende für uns, warum auch immer. Klar, diese Unterzahl und dieser Zusammenhalt, der da dann entstanden ist. Das hat uns gezeigt, zu was wir eigentlich in der Lage sind. Das haben wir dann fast Woche für Woche unter Beweis gestellt und damit unseren schlechten Start ein bisschen egalisiert. Wenn uns zum damaligen Zeitpunkt einer gesagt hätte, dass wir jetzt fünf Spieltage vor Schluss auf Platz 2 stehen, dann hätte man denjenigen für verrückt erklärt. Aber wir haben uns das durch unsere Leistungen verdient und wollen das jetzt natürlich auch bis zum Ende halten. Ob ich nochmal einen Elfmeter schießen würde? In der Auswahl bin ich schon, aber wir haben mehrere Jungs, die dann schießen können. Im Spiel ist es dann immer so, dass derjenige schießt, der sich gerade gut fühlt.
Der Betze brennt: Wir müssen nicht um den heißen Brei herumreden. Die Chance auf den Aufstieg, die vielen auslaufenden Verträge, und was es sonst noch alles gibt an möglichen Ablenkungen: In den Monaten April und Mai ist oftmals der Kopf genauso wichtig wie die Beine. Wie kannst Du als Führungsspieler, der zudem die meiste Erfahrung im Team hat, auf Deine teilweise relativ jungen Mitspieler einwirken und ihnen die nötige Ruhe für die entscheidenden Wochen vermitteln?
Wunderlich: Ich denke, unsere Herangehensweise, wie wir sie schon seit Monaten machen, ist gut und sinnvoll: Wir denken von Spiel zu Spiel und nehmen jede Partie so, als ob sie die letzte wäre. Dass wir locker und fokussiert sind, haben wir beim 5:1 gegen Duisburg gezeigt. Jetzt haben wir noch fünf Spiele vor uns und wir wissen, dass wir in einer Situation sind, wo wir nur noch auf uns schauen müssen - das ist gut. Wenn du fünf Spiele vor Schluss auf Platz 2 bist, dann willst du das natürlich auch ins Ziel bringen. Ich glaube auch, dass wir eine gefestigte Truppe sind, die sich nicht verrückt machen lässt. Trotzdem kann es natürlich passieren, dass wir nochmal ein nicht so gutes Spiel zeigen oder mal nicht gewinnen. Aber auch dann müssen wir die Ruhe bewahren. Ich habe selbst bei Viktoria Köln jahrelang um den Aufstieg mitgespielt, auch wenn das eine Liga tiefer war. Aber ich weiß und versuche das auch meinen Mitspielern zu vermitteln: Am Ende entscheidet nur der Kopf. Natürlich reden wir dementsprechend viel und man versucht auch mal, in Gesprächen eine gewisse Lockerheit reinzubringen. Weil du halt nicht verkrampfen darfst. Aber wenn das Spiel dann losgeht, ist auch jeder für sich selbst verantwortlich.
Der Betze brennt: Dein eigener Vertrag enthält eine Klausel für ein zweites Jahr, so ganz genau weiß aber kein Außenstehender, was oder welche Option da besteht. Sehen wir Dich auch in der kommenden Saison im FCK-Trikot? Wenn ja, dann wahrscheinlich am liebsten in Verbindung mit der 2. Bundesliga, oder?
Wunderlich: Ja, da gibt es eine Möglichkeit, die wir vereinbart haben. Aber näher werde ich mich dazu nicht äußern. Was ich sagen kann: Ich fühle mich beim FCK sehr wohl. Am besten hier bleiben und eine Liga höher spielen? Sagen wir mal so, ich hätte nichts dagegen.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 10.04.2022:

Foto: Imago Images
Option greift: Mike Wunderlich bleibt bis 2023 beim FCK
Gute Nachrichten für die Fans des 1. FC Kaiserslautern. Mike Wunderlich wird nach SPORT1-Informationen auch in der nächsten Saison das Trikot der Roten Teufel tragen.
Der Vertrag des Mittelfeldspielers hat sich aufgrund einer bestimmten Anzahl an Spielen bereits automatisch verlängert. Dies bestätigte FCK-Trainer Marco Antwerpen SPORT1 am Sonntag. "Ich bin sehr froh, dass Mike auch in der nächsten Saison weiter bei uns spielen wird. Er ist ein Spieler, den sich jeder Trainer wünscht. Charakterlich und fußballerisch ist er top", sagt der 50-Jährige. (…)
Quelle und kompletter Text: Sport1
Ergänzung, 22.04.2022:

Foto: Steven Mohr
Wunderlich: "Inneren Frieden werde ich wohl nie finden"
Routinier Mike Wunderlich spielt mit dem 1. FC Kaiserslautern eine starke Saison in der 3. Liga und hat kurz vor Saisonende beste Chancen auf den Aufstieg. Vor gut zehn Jahren war der 36-Jährige einer der Top-Spieler der 2. Liga, ehe er aufgrund einer Burn-Out-Erkrankung zurück in die Heimat in die NRW-Liga wechselte.
Im Interview mit SPOX und GOAL blickt der Mittelfeldspieler auf die schwerste Phase in seiner Karriere zurück, erklärt, warum er wohl "nie seinen inneren Frieden finden" wird und wieso es für ihn in der Jugend von Bayer Leverkusen nicht weiterging.
Außerdem verrät er, wieso es ihn nach seiner Rückkehr zu Viktoria Köln ganze zehn Jahre dort hielt und warum er im Herbst seiner Karriere ausgerechnet beim FCK landete.
Spox: Herr Wunderlich, im Juni 2011 gaben Sie bekannt, seit Monaten an einem Burn-Out-Syndrom zu leiden. Im Alter von 25 Jahren wechselten Sie deshalb vom FSV Frankfurt aus der 2. Liga zurück zu ihrem Heimatverein Viktoria Köln in die NRW-Liga. Wie erinnern Sie sich zurück?
Wunderlich: Das war eine ganz schwierige Zeit. Irgendwann lernt man, damit umzugehen. Darum habe ich das zu diesem Zeitpunkt öffentlich kommuniziert, dass ich mich aktuell nicht in der Lage fühle, länger in Frankfurt zu bleiben und bin den Schritt nach Hause gegangen. Dass daraus zehn Jahre geworden sind, war so nicht geplant. (lacht)
Spox: Wie haben Sie die Krankheit wahrgenommen?
Wunderlich: Es ist ungewohnt, wenn man plötzlich die Lust verliert und antriebslos ist. Ich habe mich gefragt: Was ist mit mir los? Am Anfang war ich ein bisschen überfordert. Sicherlich war das die komplizierteste Phase in meiner Laufbahn. Auch das sollte wohl rückblickend so sein, war aber natürlich sehr ärgerlich.
Spox: Insbesondere wenn man auf Ihre damaligen sportlichen Leistungen blickt: In der kicker-Rangliste nach der Vorrunde 2010/11 wurden Sie im Mittelfeld in der Kategorie "Herausragend" eingestuft und zum besten Spieler auf Ihrer Position gewählt.
Wunderlich: Genau, es lief sehr gut. Ich musste dann zwei Schritte zurückgehen, obwohl ich auf einem guten Weg war, um noch weiter nach oben zu kommen. (…)
Quelle und kompletter Text: Spox
