
Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis/Pool
Spielbericht: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Kaiserslautern 1:2
Erste Hälfte hui, zweite Hälfte pfui
Mit einem 2:1 im "Auswärtsspiel" auf dem Betze gegen Jena entledigt sich der FCK wohl seiner Abstiegssorgen. Ihre von zuhause zuschauenden Fans lassen die Roten Teufel aber trotz des Erfolges einmal mehr ratlos zurück.
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Fangen wir an mit dem Positiven: Der 1. FC Kaiserslautern ist auch in seinem dritten Spiel seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ungeschlagen geblieben. Das 2:1 (2:0) in der formal als “Auswärtsspiel” gewerteten Partie im Fritz-Walter-Stadion gegen den FC Carl Zeiss Jena war bereits der zweite Dreier, womit sich die Jungs von Trainer Boris Schommers der Abstiegssorgen wohl entledigt haben dürften - der Vorsprung beträgt jetzt acht Punkte und es werden noch ein paar weitere Zähler dazu kommen. In der inoffiziellen Geisterspiel-Tabelle aus den letzten drei Spieltagen liegen die Lautrer punktgleich mit Braunschweig und Bayern II sogar auf Rang drei.
Was ist nur mit dieser Mannschaft los?
Andererseits steht auch nach der 30. Runde dieser denkwürdigen Saison einmal mehr eine Frage im Raum, die alle FCK-Fans mittlerweile schier zur Verzweiflung treibt: Was ist mit dieser Mannschaft nur los? Wie kann es sein, dass eine Partie gegen einen 45 Minuten lang in allen Belangen überforderten und quasi als Absteiger feststehenden Gegner um ein Haar noch aus der Hand gegeben wird?
Drei Glanzparaden des nach abgesessener Gelbsperre in den Kasten zurückgekehrten Lennart Grill sowie einer regelrechten Abwehrschlacht in den Schlussminuten mit zehn Feldspielern im und am eigenen Strafraum ist es zu verdanken, dass es sich gerade so ausgeht mit dem ersten Heimsieg im Jahr 2020, der genau genommen aber gar keiner ist.
Rote Teufel zu Gast im eigenen Haus
Aufgrund der im Bundesland Thüringen nach wie vor geltenden strengen Corona-Auflagen müssen die Jenaer auch ihr zweites Heimspiel nach dem Re-Start in einem fremden Stadion austragen und einigen sich unter der Woche mit dem FCK, die Partie dann eben gleich in Kaiserslautern zu spielen. Die Roten Teufel sind also Gast im eigenen Haus, wobei von einem richtigen Heimvorteil angesichts fehlender Zuschauer natürlich keine Rede sein kann. Allenfalls der (fehlende) Reisestress ist vor diesem Hintergrund in der Frage nach Vor- oder Nachteil wohl zu beachten.
Wie um das zu bestätigen, entwickelt sich nach einem gemeinsamen Kniefall der beiden Teams am Mittelkreis als starkes Zeichen im Kampf gegen Rassismus ("Black Lives Matter") ein ziemlich einseitiges Kräfteverhältnis. Christian Kühlwetter besorgt schon nach wenigen Minuten mit einem feinen Abschluss in die lange Ecke das frühe 1:0 für den FCK. Die Riesenchance, seinem elften Saisontreffer gleich den zwölften folgen zu lassen, lässt der Angreifer nach einer guten halben Stunde zwar liegen, als er einen Foulelfmeter an den linken Pfosten setzt, Sekunden später ist Kühlwetter dann aber doch zum 2:0 erfolgreich. Beide Male kommt die Vorlage vom starken Florian Pick.
Klare Sache zur Pause - und dann das
Pick selbst hat unmittelbar zuvor ebenfalls Pech mit einem Aluminiumtreffer, so dass die gastgebenden Gäste mit den zwei Gegentoren zur Pause noch gut bedient sind, wie man so schön sagt. Einen Hauch von Gefahr entwickelt der Tabellenletzte lediglich ein, zweimal nach einer Ecke, große Sorgen macht man sich aus FCK-Sicht nach dem ersten Durchgang allerdings nicht. Die auf Wunsch der Spieler von der Leichtathletik-Abteilung geliehene Digitaluhr, die im Oberrang der Nordtribüne anstelle der ausgeschalteten Anzeigetafel die Spielzeit anzeigt, scheint zumindest in der Schlussphase ohne größere Funktion zu bleiben. Denkste.
Im zweiten Durchgang ist das Spiel kaum wiederzuerkennen. Nachdem Pick, der nach einem Konter uneigennützig auf den Startelf-Debütanten Anas Bakhat ablegen will, die große Chance zur frühen Entscheidung liegen lässt, ist es fürs erste vorbei mit der Lautrer Offensivgefahr. Stattdessen verkürzt der nach einer Ecke sträflich freigelassene Ex-FCK-Nachwuchsspieler Marius Grösch per Volleyabnahme auf 2:1 - und alle vermeintliche Sicherheit bei den Roten Teufeln ist dahin.
Am Ende hält Grill den Dreier fest
Nicht von ungefähr schöpft Coach Schommers sein Wechselkontingent zum ersten Mal seit dem Re-Start komplett aus und bringt neben dem lange nicht berücksichtigen Theo Bergmann mit Janik Bachmann und André Hainault auch zwei zusätzliche Türme für die sich anbahnende Abwehrschlacht. Manfred Starke und Timmy Thiele dürfen gegen ihren Ex-Klub im zweiten Durchgang ebenfalls ran, können aber auch kein nervenschonendes 3:1 herbeiführen.
Während die Angreifer am Schluss sogar zum Zeit schinden an die Eckfahne dribbeln, obliegt die Rolle des finalen Matchwinners schließlich Torwart Grill. Mit seiner spektakulärsten Parade des Nachmittags gegen einen Drehschuss von Julian Günther Schmidt hält der Keeper in der 82. Minute den Dreier fest. Das passende Resümee des Spiels liefert nach dem Abpfiff der Trainer persönlich: "Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und eine sehr schlechte zweite. Das darf sich nicht wiederholen."
Quelle: Der Betze brennt
Vorherige Meldungen ab 15:53 Uhr:

2:1 gegen Jena: FCK zittert sich zum Dreier
Der 1. FC Kaiserslautern hat im "Auswärtsspiel" gegen den FC Carl Zeiss Jena auf dem Betzenberg den zweiten Sieg nach dem Restart eingefahren. Dank eines Doppelpacks von Christian Kühlwetter gewann die Lautrer mit 2:1 (2:0) und setzten sich weiter von der Abstiegszone ab.
Christian Kühlwetter mit zwei Toren (6., 34.) brachte die Roten Teufel im ersten Durchgang per Doppelpack komfortabel in Führung. Mit einem Foulelfmeter scheiterte der Torjäger zudem am Pfosten (33.). Auch Florian Pick hatte unmittelbar vor dem 2:0 Pech mit einem Aluminiumtreffer.
Nach Wiederbeginn hätte wieder Pick bei einem Konter für die frühe Entscheidung sorgen können. Sein versuchtes Abspiel auf Anas Bakhat konnte der Tabellenletzte aber in höchster Not klären (48.). Wenig später verkürzte Marius Grösch nach einer Ecke auf 2:1 (54.) und der sicher geglaubte Sieg geriet in Gefahr. Letztlich hielt Lennart Grill den knappen Erfolg fest, indem er in der 58., 67. und 82. Minute bei drei Schüssen jeweils eins Glanzparade auspackte.
Durch den zweiten Sieg im dritten Spiel nach Wiederbeginn nach der Corona-Unterbrechung vergrößerten die Lautrer den Abstand zum ersten Abstiegsplatz auf acht Punkte. Bereits am kommenden Mittwoch (20:30 Uhr) ist Tabellenführer MSV Duisburg zu Gast im Fritz-Walter-Stadion.
Welche Note gebt Ihr den FCK-Profis? Hier geht's zur Spielerbenotung nach dem Auswärtsspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena.
Quelle: Der Betze brennt
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- Statistik zum Spiel: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Kaiserslautern
Ergänzung, 16:48 Uhr

Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis/Pool
Stimmen zum Spiel
Schommers: "Nicht sauber und fahrlässig gespielt"
Nach einer absolut überzeugenden ersten Hälfte hätte der 1. FC Kaiserslautern den 2:1-Sieg gegen Carl Zeiss Jena fast noch verspielt. Boris Schommers war folgerichtig glücklich über die drei Punkte, fand aber auch deutliche, mahnende Worte.
"Wir sind sehr froh, dass wir dieses 'Auswärts-Heimspiel' gewonnen und sieben Punkte aus den drei Spielen nach dem Re-Start geholt haben", sagte FCK-Trainer Schommers nach einer absoluten Zitterpartie in den letzten Minuten. Dabei hatten die Roten Teufel zur Halbzeit schon mit 2:0 geführt und waren dem Tabellenletzten deutlich überlegen. "Wir sind gut reingekommen, hatten das Spiel fest im Griff und hätten das 3:0 erzielen müssen."
"Das müssen wir aufarbeiten und das darf sich nicht wiederholen"
Was danach kam, gefiel dem Coach gar nicht: "Und dann verlieren wir nach dem tollen Standardtor von Jena völlig den Faden. Danach musste der Gegner mehr aufmachen, aber wir haben es nicht sauber und fahrlässig gespielt. Wir hatten weitere Kontergelegenheiten zum 3:1, die wir abschließen müssen - und das machen wir wieder nicht. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und eine sehr schlechte zweite. Das müssen wir aufarbeiten und das darf sich nicht wiederholen."
Pick: "... und hintenraus wird es dann wieder unnötig spannend"
Ähnlich lautete das Fazit von Florian Pick, der mit zwei Vorlagen und einem Pfostenschuss glänzte, aber nach der Pause auch eine große Konterchance zum 3:0 vergab: "In der ersten Halbzeit haben wir ein super Spiel gemacht, uns viele Chancen erarbeitet. Wir führen 2:0 und verpassen dann das 3:0. Dann haben wir Jena mit einem Standard wieder ins Spiel gelassen und hintenraus wird es dann wieder unnötig spannend - wir müssen schauen, dass wir uns da mehr stabilisieren."
Bakhat glücklich über Startelf-Debüt: "Ein unbeschreibliches Gefühl"
(Fast) rundum gelungen war der Tag dagegen für FCK-Talent Anas Bakhat, der gegen Jena sein Debüt in der Startelf geben durfte. Der 20-Jährige sprach von einem Tag, den er nie vergessen werde: "Es ist etwas Besonderes, hier im Fritz-Walter-Stadion für den FCK zu spielen. Ein unbeschreibliches Gefühl, das ich für immer im Kopf haben werde. Nur die Zuschauer und die Westkurve haben mir noch gefehlt."
» Zum Video: Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Carl Zeiss Jena
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 23:01 Uhr

Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis/Pool
#BlackLivesMatter: FCK-Team setzt ein Zeichen
Die Mannschaften des 1. FC Kaiserslautern und von Carl Zeiss Jena haben vor dem heutigen Drittliga-Spiel (Endstand: 2:1) ein gemeinsames Zeichen gegen Rassismus, Polizeigewalt und Diskriminierung gesetzt.
Vor dem Anpfiff gingen die beiden Teams sowie die Schiedsrichter am Mittelkreis auf die Knie und zeigten sich damit solidarisch mit der Aktion "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen"). Unter diesem Motto demonstrierten zurzeit Millionen Menschen auf der ganzen Welt für Mitmenschlichkeit und gegen Rassismus. Auch zahlreiche weitere Fußballmannschaften wie der FC Liverpool oder Borussia Dortmund haben sich beteiligt. Hintergrund ist der weltweit beachtete Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt in den USA.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 08.06.2020:

Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis/Pool
Spielernoten FCC-FCK
"Pick auf Kühlwetter": Die Noten zum Jena-Spiel
Zunächst souverän gespielt, aber dann doch noch gezittert: Wie ist die Leistung des 1. FC Kaiserslautern beim 2:1 gegen Carl Zeiss Jena zu bewerten? Der Blick auf die Spielernoten gibt einige Indizien.
Drei FCK-Spieler stechen beim Auswärtsspiel auf dem Betze positiv heraus und dürfen sich somit als Matchwinner fühlen: Lennart Grill hielt bei seinem Comeback nach Gelb-Sperre am Ende den Sieg fest, dafür wird er von den Fans auf Der Betze brennt als "Teufel des Tages" ausgezeichnet: Die Durchschnittsnote von 1,7 bedeutet den besten Wert in der Rückrunde für den Torwart. Beim volley genommenen Gegentor durch Ex-FCK-Nachwuchsspieler Marius Grösch war Grill chancenlos.
Kühlwetters Comeback nach der Flaute
Dass es überhaupt eine Führung zu retten gab, lag vor allem an zwei Spielern: "Florian Pick auf Christian Kühlwetter" lautete beide Male die Einleitung zu den Lautrer Toren in der ersten Halbzeit. Pick scheiterte zudem noch einmal am Pfosten, ebenso wie Kühlwetter bei einem Foulelfmeter - das ergibt je eine 2,4 als Durchschnittsnote auf DBB. Während Pick mit sechs Vorlagen aus den letzten fünf Spielen weiter in guter Form ist, hat Kühlwetter ("Ich habe in Magdeburg ein richtig schlechtes Spiel gemacht") erstmals nach dem Re-Start wieder ein Ausrufezeichen gesetzt.
Einwechselspieler Starke und Thiele enttäuschen
Eher schlecht schneiden dagegen die weiteren Offensivspieler ab, vor allem von den zur 60. Minute eingewechselten Ex-Jenaern Manfred Starke (4,7) und Timmy Thiele (4,5) hätten die FCK-Fans mehr erwartet. Auch noch interessant: Nachwuchstalent Anas Bakhat kommt bei seinem Startelf-Debüt auf einen Notenschnitt von 3,5. Knapp 1.500 Bewertungen wurden in der DBB-Spielerbenotung an diesem Spieltag bisher abgegeben.
» Zur kompletten Notenübersicht: Carl Zeiss Jena - 1. FC Kaiserslautern

Die DBB-Noten zum Spiel gegen Jena können noch bis heute, 15:45 Uhr abgegeben werden: Zur Notenabgabe FCC-FCK.
Quelle: Der Betze brennt / Rheinpfalz / Kicker
