Heise hat geschrieben:Mal eine Frage in die Runde und ehrlich gemeint. Wer von Euch, hat auf Grund von der Enlassung von Gerry seine Mitgliedschaft und oder Dauerkart gekündigt???
Ich. Bin am Dienstag hochgefahren und habe die Kündigung abgegeben. 3 Frauen und ein Kerl den ich kenne, haben, nachdem die zweite Pressemitteilung kam, direkt per Mail gekündigt. Ein weiterer die Dauerkarte. Heute sprach ich mit 5 Kollegen (alle zwischen 38 und 50) in der Kaffeeküche des Büros darüber. 2 Teamleiter dabei. Der Tenor: die Kündigung kann gerechtfertigt sein. Man kennt den Hintergrund nicht und Gerry hat eine sehr harte Ausdrucksweise. Die Art vonseiten des Vereins: indiskutabel. Durch die Bank. Das hatte keiner gutgehießen. Keiner von den 9 zählt zur Fraktion "Jogginghose". Zum Groß Büroleute mit Studium oder Fachwirt und ein Elektriker. Familienväter.
Persönliche Werte von mir sind das Streben zu kämpfen, sich weiterzuentwickeln und Respekt. So kommt man zu etwas. Und das verkörpert der FCK seit Kuntz Abgang einfach nicht mehr. Man taumelt und ich sehe nicht, dass sich vom Verein selbst dagegen gewehrt wird. In Dresden pumpten sie die Fans an, um über Wasser zu bleiben. Danach kam eine Sanierung. In Duisburg wurde ein Schuldenschnitt verhandelt und die Zebraanleihe rausgegeben. Union Berlin hat die Fans das Stadion ausbauen lassen, weil kein Geld da war. Da haben die Vereine agiert. Mobilisiert. Meine Perspektive des FCK: dies lassen sich alles hinterhertragen. Ich kann jetzt völlig falsch liegen, es ist sogar wahrscheinlich, aber die großen Aktionen der letzten Jahre wurden doch von Fans initiiert, oder? Die Pin Aktion um eine Replik der Meisterschale herzustellen- Fanaktion. Südpfalzinitiative wurde von Fans und Briegel gegründet, um Geld in die Kasse zu bringen. "Wir sind Betze"- Fanclub der die Jugendarbeit unterstützt. Der Mark Forster spendiert ein Konzert- es gibt
einen Stand mit Essen und Trinken.
Vom FCK selbst kam nichts großes, ambitioniertes wo man sagt "da geben wir jetzt richtig Gas und ziehen uns aus dem Dreck raus!". Nichts, wo man sich hintendran stellen kann. Vom Klatt wurde angekündigt den Fröhnerhof mit Fanhilfe auszubauen- wurde das jemals wieder aufgegriffen? Soweit ich weis, nicht. Es gab mal ein Sommernachtsfest, evtl. wurde die Malleparty auch vom Verein organisiert. Weis es nicht.
Unter Kuntz wurde da oben aber jeder Stein umgedreht. Der Mann brachte Leidenschaft mit und setzte das auf allen Ebenen um. Es wurde investiert (Solarpanele, Medienturm), Systeme umgestellt (Kioskbetreiber die den Verein geprellt haben rausgeworfen), sich mit Briegel versöhnt. Man trat nach außen mit breiter Brust auf. Da war Bewegung in der Sache, Kampf. Es wurden Ideen entwickelt und umgesetzt. Der letzte, der Selbstvertrauen verkörperte, war Ehrmann.
Ja, es ist maßlose Überhöhung. Aber der FCK hat einem in den letzten Jahren nichts anderes gegeben. Man wird seit 5 Jahren immer weiter durchgereicht, hat Angst vor der Insolvenz und gefühlt ergibt sich die Führung dem Schicksal. Ohne die Erlöse aus den Torhütern wäre man wahrscheinlich schon seit 2016/2017 weg. Ehrmanns Arbeit war die Lebensversicherung für den Verein. Der Mann brachte
LEISTUNG. Und der zumindest der Nordpfälzer vergibt viele Fehltritte, wenn man schafft.
Und darum unterschreiben 10.000 diese Petition. Über den Jogger, Studierten und die Hausfrau hinweg. Nicht weil se Merk ans Bein pissen wollen. Nicht weil es Assis sind. Und die 200,300 Auswärtigen braucht man nicht zu überhöhen. Sondern weil hier jemand vorgeführt und wurde, der ein Vorbild bzw. "einer von uns" ist. Meine Mutter interessiert sich nicht für Fußball. Die hat den Text vom FCK gelesen. Ich kam in die Küche und die sagte: "das ist doch eine Sauerei mit dem Ehrmann". Ein befreundeter Gladbachfan aus Frankfurt hat mich per FB angeschrieben und gefragt, ob wir noch ganz dicht sind. Und die Petition verlinkt. Gerry Ehrmann kennt gefühlt jeder. Ob Freund oder Feind. Was Hoeness für Bayern war, war Gerry für uns. Nicht aus Nostalgie, sondern weil er bundesweit für seine guten Torhüter bekannt ist. An ihm konnte man sich hochziehen, wenns dem FCK dreckig ging. Es ist wie im Rest der Gesellschaft- wir brauchen Heilige die Hoffnung geben, keine Päpste.
Zum Abschluss: Als Pick mit den Fans sprach, stand ich direkt nebendran. Es war keine Aggression dar, keine wütend vorgetragenen Vorwürfe. Sondern die Stimmung ging eher in Richtung flehen, Verzweiflung. Lautern ist eine arme Stadt. Schaut euch mal die Dokus drüber an, wie manche Menschen dort leben. 20m^2 Wohnungen ohne Dusche. Da wirds mir eiskalt. Und für diese Leute hat der Kerl gesprochen. Er bat drum, mal was für die Armen zu tun, die das letzte Geld zusammenkratzen, um auswärts den FCK zu unterstützen. Für die mal die Hälfte der Kosten zu übernehmen, weil die Spieler im Vergleich reich sind. Für die, die nichts im Leben haben außer Fußball und am durchdrehen sind. Das ist ein Denken, wie man es garantiert in jedem Fußballclub findet. Soziales Miteinander. Habe mal etwas von einem Mann namens Thines gelesen, der sich für sozial Schwache engagierte. Der auch mit den "kaputten" sprach, die viele nichtmal mit der Pinzette anfassen würden. Mit Hools Deals aushandelte, damit die sich nicht mehr im Stadion kloppen. Im Gegenzug durften ihre Leute wieder zuschauen. So wurde es mir erzählt. Man hat Leute mit Respekt behandelt. Und die zahlten es zurück. Es ging einer voran. Das fehlt mir. Und ich glaube, ohne es genau zu wissen, auch anderen da draußen. Neben dem sportlichen Erfolg.
Nachtrag zur Pressemeldung: Zumindest reden sie sich nicht weiter um Kopf und Kragen.