
Notzon kritisiert die Unruhen in der Führungsetage
Im Interview mit "SWR Sport" hat sich Sportdirektor Boris Notzon zur aktuellen Lage beim 1. FC Kaiserslautern geäußert. Der 40-Jährige versucht, die Querelen im Umfeld von der selbst mit genügend Problemen kämpfenden Mannschaft fernzuhalten und sagt: "Es ist wichtig, dass Ruhe im Verein herrscht - das ist alternativlos."
Im Halbzeitgespräch während des gestrigen Heimspiels gegen die Würzburger Kickers (2:3) wurde Boris Notzon zur aktuellen und zur allgemeinen Lage bei den Roten Teufeln befragt. Wir dokumentieren an dieser Stelle die wichtigsten Aussagen, das komplette Interview ist unter dem unten angefügten Mediathek-Link verfügbar.
FCK-Sportdirektor Boris Notzon über ...
... die vielen außersportlichen Querelen beim FCK: "Das Umfeld ist nicht einfach. Jeder bekommt mit, was wir hier seit Sommer an Themen gehabt haben. Auch die Spieler kriegen das natürlich mit. Während des Spiels denkt da zwar keiner drüber nach, aber wenn du unter der Woche wieder von irgendeinem Rücktritt oder sonstiger Unruhe im Verein liest, dann ist das nicht förderlich. Bei anderen Vereinen in Deutschland werden die Dinge mit Ruhe und Sachlichkeit entwickelt - bei uns fehlt das leider momentan. Ich hoffe, dass das in Zukunft wieder besser wird."
... die Auswirkungen der Querelen auf die Mannschaft: "Diese Unruhe von den Spielern wegzuhalten, ist unmöglich. Ich führe viele Gespräche, auch mit Spielern, die uns verlassen haben. Wir schauen natürlich ganz genau: Die Spieler, auch unsere jetzigen Neuzugänge, haben in ihren vorigen Vereinen ein bestimmtes Leistungsniveau gehabt. Die waren sehr konstant. Philipp Hercher in Großaspach, Manni Starke in Jena, Janik Bachmann und Simon Skarlatidis in Würzburg. Warum sind die hier nun so unkonstant, warum ist so viel Unsicherheit im Spiel? Und da kommst du eben immer wieder auf den gleichen Nenner, dass der FCK eben ein anderer Verein ist und die Spieler erstmal damit klarkommen müssen. Was die Mannschaft braucht, ist ein Rückhalt im Verein, also eine Fraktion, die nicht wie ein Slalomparcours ausspielbar ist. Die dem gegenüber steht und den Druck von Mannschaft und Trainerteam weghält: 'Wir stehen für euch ein!' Und nicht dass man das Gefühl hat, dass da oben jeder gegen jeden ist."
... die eingeschränkte Handlungsfähigkeit auch mit Blick auf mögliche Wintertransfers: "In Hinblick auf Transfers ist die Handlungsfähigkeit gar nicht eingeschränkt. Im Moment ist ja ein Wechsel gar nicht möglich, sondern erst in der Winterpause. Wir haben eine Jahreshauptversammlung (am 01. Dezember; Anm. d. Red.), da wird es nach der Wahl einen neuen Aufsichtsrat geben, dann auch neue Geschäftsführer. Dann werden Gespräche geführt. Ich denke, dass der Verein handlungsfähig ist. Auch durch die Einnahmen im DFB-Pokal haben wir jetzt nochmal Spielraum bekommen."
Das komplette Halbzeit-Interview mit FCK-Sportdirektor Boris Notzon ist ab ca. Minute 56:55 in der SWR-Mediathek verfügbar. Es dauert rund acht Minuten.
Quelle: Der Betze brennt / SWR Sport
Ergänzung, 06.11.2019:
Verunsichert die Unruhe im Verein die Neuzugänge? Die Notzon-These unter der Lupe
"Die Spieler, auch unsere jetzigen Neuzugänge, haben in ihren vorigen Vereinen ein bestimmtes Leistungsniveau gehabt. Die waren sehr konstant. Philipp Hercher in Großaspach, Manni Starke in Jena, Janik Bachmann und Simon Skarlatidis in Würzburg. Warum sind die hier nun so unkonstant, warum ist so viel Unsicherheit im Spiel?" Die Frage war rhetorisch gemeint. Boris Notzon, Sportdirektor des 1. FC Kaiserslautern, stellte sie am Samstag in seinem Halbzeit-Interview mit "SWR Sport" während der Partie gegen Kickers Würzburg (2:3) - und gab die Antwort selbst: Die Unruhe im Verein sei es, die von den Spielern nicht wegzuhalten sei. Nun, dass die "Leistungen" gewisser FCK-Funktionäre auch die Beschäftigten deprimieren, ist in der Tat kein abwegiger Gedanke - aber wie immer lohnt auch hier ein genauerer Blick. Ebenso wie auf die xG-Grafiken des Würzburg-Spiels.
Zunächst zu den Neuzugängen. Philipp Hercher und Manfred Starke starteten durchaus ansprechend in die Saison. Starke profilierte sich schnell als stets anspielbare Station im Mittelfeld, Hercher verdrängte direkt nach seinem späten Wechsel Janek Sternberg auf der für ihn ungewohnten Linksverteidiger-Position - zuvor in Großaspach hatte Hercher diese nur mal aushilfsweise bekleidet.
Nach dem Trainerwechsel von Sascha Hildmann zu Boris Schommers verabschiedeten sich beide vorübergehend aus der Startelf, aus unterschiedlichen Gründen allerdings. Hercher fiel vorübergehend wegen muskulärer Probleme aus, kehrte im Pokalspiel gegen Nürnberg (8:7 i.E.) jedoch zurück und zählte am Samstag gegen Würzburg zu den wenigen erfreulichen Erscheinungen. "Unkonstant" kann man seine bislang gezeigten Leistungen jedoch nicht nennen. Verletzung ist nun mal Verletzung.
Starke dagegen scheint unter Schommers nur noch Wackelkandidat zu sein. In den nunmehr neun Pflichtspielen unter dem neuen Trainer war er drei Mal gar nicht dabei - in Chemnitz stand er nicht einmal im Kader -, gegen Nürnberg wurde er lediglich eingewechselt, zwei weitere Male musste er früher vom Platz, zuletzt gegen Würzburg bereits nach 56 Minuten, nach einer unbestritten schwachen Darbietung. (…)
Quelle und kompletter Text: Block 4.2
