roterteufel67 hat geschrieben:Lieber Marki, dieser Vergleich mit Union Berlin hinkt, denn deren Stadion ist genauso alt wie das Betzenbergstadion und historisch gewachsen.
Und ja, für mich verliert der 1.FC Kaiserslautern ohne den Betzenberg ein wesentliches Merkmal seiner Faszination.
Es gibt im deutschen Fußball zwei rot-weiße Traditionsvereine, die einst stolz waren, auf ihren Berg und die jeweils dort über Jahrzehnte gewachsene Kultstätte.
Der eine, weniger erfolgreiche Traditionsverein ließ Anfang dieses Jahrzehnts sein Stadion am Bieberer Berg abreißen, um sich vier neue Betontribünen hinbauen zu lassen. Heute läuft das ganze unter dem schönen Namen Sparda-Bank-Hessen-Stadion.
Ein paar Wochen, bevor die Abrissbirne kam, war ich in Offenbach - Freitag, Flutlicht!
Es nagte natürlich der Zahn der Zeit am Stadion. Aber in diesem Stadion hab ich gespürt, "DAS ist Kickers Offenbach!".
Als das neue Stadion fertig war, war ich wieder in Offenbach. Vier sterile Betontribünen, fertig. Hmm ja... immerhin ist es aus Beton. Aber ansonsten fehlt nicht viel zu... Paderborn.
Eine Kultstätte, einfach so zerstört. Warum sollte ich nochmal als neutraler Fußballfan nach Offenbach?
Der andere Traditionsverein hat zwar nicht von heute auf morgen alles abreißen und neubauen lassen. Allerdings ist das Resultat ein ähnliches.
Nur, was ist der Unterschied?
In Offenbach wurde binnen kurzer Zeit alles abgerissen. Dort passierte ein harter Bruch.
Bei uns wiederum waren wir wie ein Frosch im kalten Kochtopf, der langsam, langsam erwärmt wird. Dies führte auch dazu, dass viele meinen, immer noch im gleichen Stadion zu spielen.
Was ist denn überhaupt noch gleich?
Zum ersten mal wurde die Temperatur des Kochtopfs Anfang der Neunziger erhöht, als die gute alte Nord abgerissen wurde und die Rentner mit den Schirmen nun weit weit weg vom Spielfeld saßen. Aber hey, wir haben doch diese tolle Fanhalle bekommen und werden nicht mehr nass... na klasse.
Danach wurde die Süd neugebaut - nichts mehr mit Hügel hochlaufen, um in seinen Block zu kommen - und wir bekamen den ersten Teil dieses komischen Dachs.
Zur WM kamen dann die Kurven. Auch dort weg mit dem guten alten Dach und her mit der akustiktötenden "Hutkrempe". Dafür hatten wir jetzt eine übergroße Kurve.
Was vorher wertvoller als Gold war, wurde nun Massenware - der Zugang zur West.
Als ich als Jugendlicher das erste mal in der West konnte, war das noch etwas besonderes, ich fühlte mich zu etwas exklusivem zugehörig und spürte eine Art Verpflichtung, meinen Beitrag zum Stimmungsmythos Betzenberg beizutragen.
Ein sehr elementares Element fehlt auch seit dem WM-Ausbau: Unsere Flutlichtmasten!
Warum ist dieses Stadion für so viele noch das gleiche, wie bis Anfang der Neunziger?
Weil es am gleichen Standort steht? Dann halte ich Offenbach dagegen!
Weil der Ausbau schrittweise erfolge? Ja, die Froschtheorie!
Ich bin neidisch auf Union Berlin! Die Kiste war abgenutzt wie in Offenbach. Auch dort wurde neugebaut - mit einem entscheidenden Unterschied!
Die Fans, die Hand anlegten? Nö!
Sie haben das Stadion (grundsätzlich) 1 zu 1 wieder aufgebaut und auf dieser Basis noch verbessert - mit einem Dach. Die Alte Försterei ist kultiger als vorher.
Seit 1921 steht auf dem Bieberer Berg ein Stadion, seit 1920 eins auf dem Betzenberg.
Einst standen dort Kultstätten des Fußballs. Heute stehen auf beiden Bergen seelenlose Betonklötze.
Der OFC und der FCK waren beide untrennbar mit ihren Bergen verbunden. Die Kickers sind nicht mein Verein, also lass ich sie jetzt außen vor.
Auf das, was jetzt bei uns oben steht und den Namen Fritz Walters trägt kann ich gerne verzichten - es ist für mich so seelenlos wie die Wellblechhütten in Paderborn, Wiesbaden oder Halle.
Vorallem ist es untrennbar mit dem Niedergang meines Vereins verbunden.
Das Ding ist verflucht!