
Spielbericht: FC Ingolstadt - 1. FC Kaiserslautern 1:3
"So lang's in Deutschland Fußball gibt..."
Der 1. FC Kaiserslautern hat sich und seinen Fans im letzten Spiel einer tristen Saison noch einmal ein Abschiedsgeschenk gemacht: Beim FC Ingolstadt feierten die Roten Teufel einen 3:1-Sieg - und sorgten vor allem auf den Rängen für ein würdiges "Auf Wiedersehen".
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Es ist gar nicht so lange her, da hatte man sich im Lautrer Umfeld für das letzte Auswärtsspiel in Ingolstadt noch einmal etwas ausgerechnet. Doch spätestens seit dem besiegelten Abstieg am 32. Spieltag war klar: Die letzte Partie in Oberbayern, Abschiedsvorstellung des Fritz-Walter-Klubs, würde zu einer besseren Kaffeefahrt - dafür aber mit ganz viel Betze-Feeling.
"Was ist denn hier los?", hatten sich wohl nicht nur Ordnungsdienst und Polizei rund um den Ingolstädter Sportpark mehr als zwei Stunden vor dem Anpfiff gedacht. Busse, unzählige Autos und noch mehr Menschen in Rot und Weiß tummelten sich im Schatten der FCI-Stadions und auf den staubig-steinigen Parkplätzen daneben.
Heimspiel-Atmosphäre und Choreographie
Im Stadion bevölkerte der rot-weiße Anhang, der sich über die Randbereiche des eigentlichen Gästeblocks erstreckte, die Nordtribüne und sorgte von Beginn an für Heimspiel-Atmosphäre. Das Spiel, ein phasenweise ansehnlicher Sommerkick, interessierte da eigentlich nur am Rande. Gefeiert wurde stattdessen der FCK, seine Fans, seine Geschichte, die so viel mehr ist, als eine verkorkste Saison. Schon vor Anpfiff sorgte eine von der "Frenetic Youth" organisierte Choreographie für Gänsehaut-Stimmung, die in Anlehnung an der Betze-Lied unter dem absolut passenden Motto "So lang's in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK" stand.
Mit dieser Gewissheit, ja dieser Zuversicht, ging es in die vorerst letzten 90 Zweitliga-Minuten für den Traditionsklub aus der Pfalz. Phillipp Mwenes Doppelschlag kurz vor der Pause wurde zum willkommenen Anlass genommen, den zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon strapazierten Lautstärke-Regler noch ein bisschen aufzudrehen. "Marmor, Stein und Eisen bricht" löste Nenas leicht umgedichteten Song "Ich geh' mit dir wohin du willst" ab - Neue Deutsche Welle im Tabellenkeller!
"Deutscher Meister wird nur der FCK!"
Als Sebastian Andersson auf 3:0 erhöhte, gingen die Pferde mit den gut gelaunten Lautrer Fans beinahe komplett durch. "Deutscher Meister wird nur der FCK", schallte es durch das Stadion, ungeachtet Marcel Gaus' Treffer zum 1:3. "Gegen Lautern, kann man mal verlieren", wurde den Heimfans stattdessen entgegengeschleudert, von denen immer mehr Leute mit größerem Interesse das Geschehen im Gästeblock verfolgten, als das Spiel auf dem Rasen. Und wieder einmal zeigten die FCK-Fans eine nicht nur zweit-, sondern sogar erstklassige Leistung.
War das dort drüben wirklich der Tabellenletzte? Tatsächlich wurden der FCK und seine Fans nach dem Spiel mit viel Applaus von allen Seiten verabschiedet und nicht nur der Stadionsprecher wünschte eine baldige Rückkehr. Auch ein kleines Spruchband im FCI-Bereich sprach dem Betze-Tross Mut zu ("Komm bald wieder, 1. FCK!").
Applaus, Verabschiedung und Hoffnung
Ansonsten schien auch auf der Gegenseite das Spiel nur noch wenig zu interessieren. Vielmehr waren die FCI-Anhänger um einen schönen Abschied für einige Spieler, allen voran Publikumsliebling Moritz Hartmann, bemüht. Als dieser das Feld kurz vor Ende verließ, flossen nicht nur bei dem neun Jahre lang in Ingolstadt spielenden Angreifer Tränen.
Abschied hier - Überzeugungsarbeit da. Auf der Gegenseite nämlich spendeten die Lautrer Fans ihrer Mannschaft größtenteils auch noch einmal viel Applaus, besonders und namentlich hervorgehoben wurden die Akteure, die sich für einen Verbleib in der Pfalz entschieden haben. Andere - einzig der abwanderungswillige Interimskapitän Christoph Moritz erntete bei seiner Einwechslung einige Pfiffe - waren schon während des Spiels ein Stück weit verabschiedet worden - verbunden mit dem letzten Fünkchen Hoffnung, Spieler wie Ruben Jenssen oder Sebastian Andersson vielleicht doch noch einmal im FCK-Trikot zu sehen.
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 18:41 Uhr:

Stimmen zum Spiel
Bader: "Neuzugänge hätten hier sitzen müssen"
Der 1. FC Kaiserslautern hat sich mit einem 3:1-Sieg aus der 2. Bundesliga verabschiedet. Viel Lob bekamen nach dem Schlusspfiff vor allem die mitgereisten Fans.
Fast 90 Minuten lang hatte der FCK-Anhang die Partie auf der Ingolstädter Schanz zu einem Heimspiel gemacht. Der Support rang nicht nur Fans der Heimmannschaft Respekt ab. Auch Spieler und Verantwortliche der Roten Teufel waren voll des Lobes. "Ein riesengroßes Kompliment für das gesamte Umfeld und die Zuschauer", sagte Trainer Michael Frontzeck. "Wir hätten heute jeden Neuzugang hier auf die Tribüne setzen müssen", betonte Sportvorstand Martin Bader, "dass die neuen Spieler sehen, was es bedeutet, für diesen Verein vor diesen Fans zu spielen."
Mwene hatte Gänsehaut
Auch Akteure aus dem aktuellen Kader bezeichneten den Support von den Rängen als nicht selbstverständlich. "Man hat ja in der Bundesliga gesehen, dass es auch anders zugehen kann, wenn ein Traditionsverein absteigt", sagte Flügelspieler Phillipp Mwene. "Großes Lob an die Fans. Ich hatte Gänsehaut nach dem Spiel." Der Abstieg sei schmerzhaft, gerade weil das Team in der Rückrunde viele Zähler geholt hatte. "Uns ist dann einfach die Zeit davon gelaufen", sagte der Österreicher nachdenklich.
"Wenn wir schon in der Hinrunde mit etwas mehr Selbstvertrauen und Glück, das dann automatisch kommt, gespielt hätten, wäre ein Platz in der Mitte mindestens möglich gewesen", fügte Torjäger Sebastian Andersson an. Auch Torhüter Jan Ole Sievers, der seinen vierten Saisoneinsatz absolviert hatte ("Ich muss mich bei Marius Müller bedanken, dass ich das Spiel machen durfte"), erlebte die Verabschiedung vor dem Gästeblock mit "gemischten Gefühlen". "Es war unfassbar geil mit den Fans. Im Endeffekt ist der Abstieg aber einfach bitter", so der 23-Jährige, der von den mitgereisten Anhängern wie alle anderen Spieler, die über den Sommer hinaus in Kaiserslautern bleiben, gefeiert wurde.
Fechner: "Ich will sofort aufsteigen"
Dazu gehörte auch Gino Fechner, der ganz unter dem Eindruck nach dem Schlusspfiff schon an die kommende Saison dachte. "Ich will sofort aufsteigen", so der Mittelfeldmann, der zugleich wusste, was nun in der 3. Liga gefragt sein wird: "Die Lautrer Tugenden müssen wir bewahren, nämlich bis zur 90. Minute alles zu geben."
Quelle: Der Betze brennt

