Hallo zusammen,
Ich wollte mich dann auch nochmal zu den Themen äußern.
Zunächst wünsche ich allen AR-Kandidaten viel Glück und ein gutes Händchen, denn beides werden sie brauchen.
Was einige hier schon richtig analysiert haben, ich habe keinen Wahlkampf gemacht. Ich habe meine Meinung vertreten, genauso wie sie ist, denn die Mitglieder sollen ja wissen was vertreten wird und sich ein transparentes Bild machen.
Was in meinen Augen deutlich wurde, dass die Mitglieder der Wahlempfehlung, lokal und lange Vereinszugehörigkeit gefolgt sind. Der Brief von Gerry und Becker im Vorfeld, hat da bestimmt auch nochmal einiges zu beigetragen. Jeder neue AR ist den Mitgliedern seit Jahren bekannt und hat eine gewisse Hausmacht auf der JHV. Das hat auch viele Vorteile für den Verein, von daher OK.
Der persönliche Angriff von Scheffler, kurz vor Schluss, war unschön und glatt gelogen. Das habe ich ihm anschließend auch ins Gesicht gesagt, was sein grinsen deutlich reduzierte. Direkte Ansprache war wohl nicht so seins. Entscheidend war das aber nicht für mein Ergebnis, es zeigt lediglich wie manipulierbar eine solche Wahl ist.
Letztlich war für mich ein anderer Punkt entscheidend, und das war der Sitzungsverlauf vorher. Es wird viel über Transparenz geredet und geschrieben. Wenn aber unser eigener Finanzvorstand die wichtigste Verbindlichkeitenposition, nämlich die restliche Mindestpachtzahlung i.H. von EUR 34,6 Mio. gem. Anlage des Jahresabschluss sowie unser bedingtes / eingeschränktes Testat einfach nicht erwähnt, ist es das Gegenteil von Transparenz. Die Going Concern Annahme, sprich die positive Fortführungsprognose für den Verein, gilt nur bei Verbleib in der zweiten Liga. Das heißt, das wir bei einem Abstieg nicht nur die Liquidität sicher stellen müssen sondern auch unsere Überschuldung beseitigen müssen bzw. mit unserem Gläubigern sprechen müssen (z.b. über Nachrangabreden). Statt mit 350 Investoren zu sprechen, von denen 320 sowieso nicht als Investor für den Verein in Frage kommen, wäre es viel dringender gewesen, sich darum zu kümmern - und zwar unabhängig vom Verbleib in der zweiten Liga. Die intuitiven Rückfragen vieler Mitglieder zu diesem Thema waren absolut richtig und der Verweis auf die Ausgliederung ein Scheingefecht. Aber - und das finde ich erschreckend - wenn man mehr Transparenz fordert, dann aber lediglich 5 vor bzw. 7 Mitglieder während der JHV in den JA schauen, dann ist das ein Armutszeugnis.
Letztlich haben dann all diese Punkte dazu geführt, dass am Ende die Abstimmung so gelaufen ist, wie sie gelaufen ist. Den Mitgliedern in 3 Minuten zu erklären, warum man kandidiert obwohl man nicht aus Lautern kommt, warum man erst jetzt Mitglied geworden ist, wie man ein Problem lösen will, dass der eigene Vorstand wohl als nicht so dringlich ansieht, ist einfach zu knapp. Ich habe dann die Quadratur des Kreises versucht und das hat nicht funktioniert. Meine ursprüngliche Vorstellung war anders aufgebaut - da man das Thema Pacht / Stadion / Beziehung zur Stadt aber einfach totgeschwiegen hat und auch die notwendigen Restrukturierungsschritte nicht angesprochen wurden, war ich an dieser Stelle hoffnungslos verloren. Wenn Du dann improvisieren musst und eigentlich etwas anderes erzählst, als Du dir vorgenommen hast, dann wird das ganze auch noch unrund. Mein Fehler - aber auch wenn ich ohne Hänger durchgekommen wäre, hätte es das Ergebnis nicht verändert.
Wie oben geschrieben, stehe ich den neuen AR-Mitgliedern gerne für Fragen zur Verfügung. Mit Paul bin ich sowieso in Kontakt. Die Worte von P. Bamf "Aber auch an Plan B (Dritte Liga) und Plan 4 (Reginaliga nach etwaiger Insolvenz) müssten schubladenfertig gemacht werden", haben mich beruhigt. Ich hätte mir dazu gerne mehr auf der JHV gewünscht - da hörte sich das noch alles so an, als könne man die Themen auf der Umsatzseite lösen. Ich hoffe die 5 können den Kahn gut durchsteuern und setzten nicht alles auf das Pferd neuer Investor. Wenn der dann kommt, muss das Jochen Herrn Scheffler erklären - auf die Diskussion bin ich gespannt

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Und eines wird von vielen hier immer wieder gerne vergessen: Es handelt sich um ein Ehrenamt mit signifikanter Verantwortung und auch Haftungsrisiken. Aufsichtsräte in der freien Wirtschaft werden dafür gut entlohnt. Bei vielen die hier immer
sehr viel wissen - vor allem was ein AR alles können muss - kann ich nur empfehlen, gerne mal selbst anzutreten. Und wie oben geschrieben, ist eine AR-Position das letzte, wofür man "Wahlkampf" machen sollte - nur meine bescheidene Meinung.
Last not least noch ein Eindruck bzgl. der Diskussion um den internen Untersuchungsausschuß und dem Gutachten was erstellt wurde. NR und der restliche AR hat hier in meinen Augen sehr weitsichtig agiert und den Untersuchungsauftrag auf die Bereiche fokussiert, wo wirklich prüfungsrelevante Themen vorlagen. Ein voll ausgerollter Litigation-Prozess, inkl. Anwälte und Wirtschaftsprüfer kostet für diesen Zeitraum locker EUR 1,5 Mio. aufwärts. Was mir nicht gefallen hat, waren die sehr formalen Antworten des AR zu den Nachfragen. Wenn ich Transparenz und Vertrauen schaffen will, kann ich durchaus etwas mehr Butter bei die Fische tun. Aber und das bleibt übrig, der Verein ist objektiv an vielen Stellen nach wie vor gespalten. Ergebnisse von 50:50 waren keine Seltenheit - hätten eine Handvoll Mitglieder anders abgestimmt, hätten wir nun einen internen Untersuchungsausschuß und einen nicht entlasteten AR. Es ist aber nun so wie es ist und ich kann nur an alle appellieren, das Thema nun auch ruhen zu lassen.