
Spielbericht: Dynamo Dresden - 1. FC Kaiserslautern 1:2
Zwischen Hoffnung, Glaube, Zweifel und Erleichterung
Der FCK dreht das Spiel und holt einen eminent wichtigen Sieg in Dresden. War das die Wende zum Guten? Die Spielqualität der Roten Teufel lässt noch Zweifel daran, aber Trainer Strasser hebt vor allem den Glauben an den Erfolg hervor.
- Fotogalerie | Spielfotos: Dynamo Dresden - 1. FC Kaiserslautern
- Fotogalerie | Fanfotos: Dynamo Dresden - 1. FC Kaiserslautern
"In dem Moment, in dem ich nicht mehr an den Sieg meiner Mannschaft glauben würde, müsste ich meinen Job aufgeben", sagte Jeff Strasser nach dem späten 2:1-Sieg seiner Mannschaft bei Dynamo Dresden. Und vielleicht doch hatte sich der FCK-Trainer beim Anblick der Videoleinwand nach dem Schlusspfiff klammheimlich die Augen gerieben. Denn diese verkündete einen 2:1-Sieg, der den 1. FC Kaiserslautern wieder näher an das rettende Ufer rücken ließ.
Dass es aber tatsächlich soweit kommen würde, davon war über weite Strecken eines insgesamt schwachen Spiels kaum etwas zu sehen. Beide Teams spielten mit der Verunsicherung des Abstiegskampfes. Dresden befreite sich von dieser Last jedoch schneller. Dynamo-Coach Uwe Neuhaus hatte seiner Mannschaft klare Anweisungen gegen die Fünferkette des FCK mitgegeben: Diagonalbälle, schnelle Seitenverlagerungen, Vorstöße. Vor allem über die linke Seite zeigten sich die Lautrer anfällig. Das Gegentor aber resultierte aus der kollektiven Verwirrung und Verirrung.
Minusrekord im Gästeblock: 600 FCK-Fans befürchten schlimmen Abend
Nach einer Freistoß-Hereingabe kam der Ball postwendend ein zweites Mal zurück und mündete im Abstaubertor von Dresdens in Ludwigshafen geborenen Stürmers Lucas Röser. Danach fand sich der FCK weiter kaum zurecht, schenkte Bälle her, offenbarte Schwächen beim Anlaufen und hatte überhaupt in der Offensive nur wenig vorzubringen.
So ließ sich nach 45 Minuten Böses erahnen, für die knapp 600 mitgereisten Lautrer Fans, die sich in der oberen Hälfte des Gästeblocks unter dem obligatorischen Schriftzug "We don't like Mondays" versammelt hatten. Nicht nur die sportliche Misere, sondern auch der miese Spieltermin begründete die niedrigste Auswärtsfahrerzahl des FCK-Anhangs in diesem Jahrzehnt. Gegen den Großteil der insgesamt 27.224 Zuschauer im Dynamo-Stadion taten sich die Anhänger der Roten Teufel stimmungsmäßig entsprechend schwer. Das Spiel ihrer Truppe gab ihnen bis dahin aber auch wenig Anlass für atomsphärische Höhenflüge. Tapfer, beinahe stur verfolgte der Betze-Tross das Geschehen.
Nur einmal zu Beginn konnten die Lautrer - noch ehe der Ball rollte - mal auf sich aufmerksam machen. Als Dresdens Vorsänger "Lehmi", der gegen den FCK sein vorletztes Heimspiel als Frontmann erlebte, das Dynamo-Publikum zu brachialem "Dy-Na-Mo"-Schlachtruf und Klatschen aufrief, crashten die Pfälzer Fans die kurzzeitige Stille mir ein paar Gesängen und Rufen.
Stimmung bei den Dynamo-Fans lange gut - aber nicht bis zum Schluss
Ansonsten dominierte natürlich das Heimpublikum, insbesondere der K-Block, das Geschehen. Zu Beginn hüllte eine gewaltige, weinrote Blockfahne die Tribüne ein. Auch wenn das Dynamo-Logo, welches mittig hochgezogen werden sollte, von seiner Halterung herunterfiel, bot die Choreo doch einen beeindruckenden Anblick. Unten wurden auf der ganzen Breite zunächst Fahnen geschwenkt und dann funkensprühende Bengalos gezündet. Ein fast vergleichbares Bild mit der Lautrer Choreo vom Pokalspiel gegen Stuttgart - und viel Applaus von den Tribünenbesuchern. Das Schiedsricher-Team nahm es derweil locker, auch wenn ein Eintrag im Spielberichtsbogen gewiss sein dürfte.
Die Stimmung blieb, wie in Hälfte eins, auch nach dem Seitenwechsel gut. Der FCK hatte zwar auf eine Vierkette umgestellt und damit einen Mann mehr für die Offensive zur Verfügung, zwingend wurden die Pfälzer aber nicht. Die Zweifel wuchsen. Wieso schafft es die Mannschaft immer noch nicht, defensive Stabilität zu finden? Weshalb geht offensiv so gut wie gar nichts? Wieso werden Standards bisweilen dilettantisch verteidigt? Warum stehen sich Spieler im Weg und weshalb werden sogar noch Einwürfe falsch ausgeführt?
Die Strasser-Elf rafft sich auf - und dreht das Spiel
Als die Sorgen immer größer wurden, beim Gedanken an die Tabelle erst recht, raffte sich die Strasser-Elf aber doch noch einmal auf. War es Schlussoffensive oder Verzweiflung? In jedem Fall traf Sebastian Andersson nur das Außennetz, setzte damit aber auch noch einmal ein Signal: Tot war der FCK noch nicht.
Als die 85. Minute angebrochen war, folgten drei unglaubliche Minuten: Erst traf Stipe Vucur nach einer Standardsituation zum 1:1, dann markierte Joker Lukas Spalvis - wenn auch mit Glück - das 2:1. Eine Achterbahn der Gefühle, lähmendes Entsetzen im Stadion, nur das kleine Eck der 600 mitgereisten FCK-Schlachtenbummler schien völlig durchzudrehen. Was war denn hier gerade passiert? Purer Wahnsinn!
Am Ende standen tatsächlich drei wichtige Punkte, die der Betze-Seele richtig gut taten - und der Tabelle auch. Die Roten Teufel ließen sich feiern - aber nicht zu lange. Viel Erleichterung war spürbar und auch ein neuer Funke Hoffnung, aber so ganz verschwinden vermochten die Mängel, Zweifel und Sorgen aus den ersten 85 Minuten nicht. "Wir werden weiter daran arbeiten müssen, dass wir besser Fußball spielen", sagte auch Christoph Moritz. Gelingt das (endlich) und nimmt die Mannschaft - wie Strasser - den Glauben an die eigene Stärke mit, ist aber doch noch nicht alles verloren. "So ein Erlebnis", sagte Moritz, "schweißt eine Truppe an. Das glaube ich schon."
Quelle: Der Betze brennt

Stimmen zum Spiel
Joker Spalvis grinst und lässt sich feiern
Welch eine Erleichterung! Nach dem späten 2:1-Sieg in Dresden war nicht nur den Profis des FCK ein Stein vom Herzen gefallen, sondern auch den Fans. Siegtorschütze Lukas Spalvis richtete den Blick aber auch schon voraus.
Der Schlusspfiff im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion war gerade ertönt, als sich die Roten Teufel in den Armen lagen. Einige Akteure auf dem Platz schienen gar nicht so recht glauben zu wollen, dass sie die Partie bei Dynamo Dresden mit 2:1 gewonnen hatten. Denn 85 Minuten lang hatte der 1. FC Kaiserslautern wenig bis gar nichts zustande gebracht und nach einer schwachen Leistung mit 0:1 hinten gelegen. "Wir waren zu passiv, haben uns hinten zu weit reindrücken lassen", analysierte Phillipp Mwene den ersten Durchgang.
Vucur: "Dafür sind Standards da"
Besser lief es erst, als Cheftrainer Jeff Strasser von seiner flexiblen Fünferkette abrückte und auf defensive Viererkette umstellte. "Wir konnten den Druck stetig aufbauen", sagte Mwene. Allerdings blieben gefährliche Aktionen vor dem Dresdner Tor eine Seltenheit, so wie etwa Sebastian Anderssons Schuss an das Außennetz. Dann aber bekamen die Roten Teufel einen Freistoß - und nutzten diesen für den späten Ausgleich. "Dafür sind auch die Standards da, um uns mal etwas zu erleichtern und damit ein Ruck durch die Mannschaft geht", sagte Torschütze Stipe Vucur, der per Kopf das 1:1 erzielt hatte.
Den Ruck hatte seine Mannschaft gespürt. Denn plötzlich suchten die Lautrer weiter den Weg nach vorne. "Als das 1:1 gefallen war, wollten wir uns nicht zurückfallen lassen und trotzdem auf Sieg spielen", erklärte Mwene. Und tatsächlich belohnten sich der Außenverteidiger und seine Mannschaftskameraden mit dem 2:1-Treffer durch den eingewechselten Lukas Spalvis. "Ich habe gesehen, dass ich eine Schusschance habe. Die habe ich wahrgenommen", fasste der Joker nüchtern, aber mit einem Grinsen im Gesicht zusammen. Am Ende standen drei zur Halbzeitpause kaum für möglich gehaltene Punkte.
Strasser lobt Moral und Mentalität
"Dass das glücklich ist, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Den Dusel haben wir uns aber vielleicht mit dem Kämpferischen erkauft", betonte Christoph Moritz. Sein Trainer hob deshalb umso mehr die so oft vermisste "Moral" und die nötige "Mentalität" hervor. "Natürlich freuen wir uns über den Sieg, endlich über dieses Erfolgserlebnis, das die Mannschaft genießen darf und soll", so Strasser. Zugleich machte der Luxemburger aber auch klar, dass vor seinem Team weiterhin harte Arbeit liege. Auch Spalvis dachte angesichts der weiterhin engen Tabellensituation schon an das kommende Heimspiel gegen Bielefeld und den Rückstand zum rettenden Ufer (derzeit vier Zähler): "Wenn wir nächste Woche gewinnen, sind es nur noch ein, zwei Punkte. Dann sind wir wieder da."
Quelle: Der Betze brennt
Ergänzung, 14:30 Uhr

Keine Vorlage: Spalvis ist Andersson nicht böse
Was wäre wenn? In der 74. Minute hatte der 1. FC Kaiserslautern im Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden eine Großchance. Sebastian Andersson verpasste jedoch das Zuspiel auf Lukas Spalvis - nach dem Spiel sorgte die Szene noch einmal für Gesprächsstoff.
Für Jeff Strasser war es der "Knackpunkt" eines Spiels, das sich spät noch zum Guten für seine Mannschaft wenden sollte: In der 74. Minute war Sebastian Andersson beim Stand von 0:1 auf der rechten Seite durchgebrochen. Der eingewechselte Lukas Spalvis war mitgelaufen und stand komplett frei vor dem Tor. Doch statt eines Querpasses entschied sich Andersson für den Abschluss - und traf nur das Außennetz.
Spalvis kochte danach vor Wut, ließ sich auch von Anderssons ausgiebiger Entschuldigung nicht besänftigen. Womöglich hätte die Situation nach dem Spiel für weitaus mehr Redebedarf gesorgt, hätte der FCK durch zwei späte Tore nicht noch einen Sieg eingefahren. "Die Szene wird jetzt jeder vergessen", sagte Spalvis nach dem Spiel.
Seinem Mitspieler hatte er zu diesem Zeitpunkt allerdings schon verziehen. Der Siegtorschütze brachte sogar Verständnis für die Nicht-Vorlage auf. "Ich bin selbst Stürmer, wenn du die Chance hast, hast du nicht immer den Überblick."
Quelle: Der Betze brennt

