
Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - Würzburger Kickers 1:0
Der Matchwinner von der Bank
Gegen Würzburg sah am Freitagabend alles nach einem weiteren traurigen Kapitel in der FCK-Saison 2016/17 aus. Doch dann kam Robert Glatzel.
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Er konnte es selbst kaum glauben: Die Augen weit aufgerissen, den Blick stolz gen Himmel gerichtet, sank Robert Glatzel zu Boden und ließ sich von seinen Mitspielern vor der ausflippenden Westkurve feiern. Sekundenbruchteile zuvor hatte der großgewachsene Stürmer, der bislang nur drei Kurzeinsätze in der Profimannschaft absolviert hatte, das 1:0-Siegtor erzielt.
Nur zwei Minuten vor seinem Schuss ins Glück hatte FCK-Coach Norbert Meier den 23-Jährigen auf das Feld geschickt. "Er hat mir gesagt, dass ich mir etwas zutrauen soll. Das Tor habe ich dann mit einem meiner ersten Ballkontakte gemacht, glaube ich", sagte Glatzel nach dem Spiel. "Seit ich hier hingekommen bin, habe ich davon geträumt, vor der Westkurve ein Tor zu schießen. Und dann auch noch so ein wichtiges. Das ist unbeschreiblich."
Dass das Spiel des 1. FC Kaiserslautern gegen die Würzburger Kickers mit solch einem Paukenschlag einen Höhepunkt finden sollte, war zuvor allerdings 80 Minuten lang nicht zu erahnen gewesen. Nach einer turbulenten Anfangsphase, in der zunächst die Gäste durch Rico Benatelli (4.) und dann der FCK durch Kacper Przybylko (12.) Großchancen hatten, pendelte sich die Partie auf einem mäßigen, schwachen Niveau ein.
Erst hörbare Pfiffe, dann ausgelassene Freude
Der FCK tat sich gegen die schnell und hoch herausschiebenden Gäste schwer. Das allerdings führte zu einer strittigen Szene, als der FCK mal die Chance hatte durchzubrechen. Daniel Halfar legte sich den Ball mit dem Kopf vor, wurde aber vom letzten Mann Clemens Schoppenhauer umgerissen. Über Rot hätte sich der Würzburger nicht beschweren dürfen – er bekam aber nur den Gelben Karton gezeigt (36.). So fehlte in den entscheidenden Momenten mal wieder das Glück, neben all den üblichen Problemen der bisherigen Saison: Abspielfehler und kaum Zug zum Tor.
Zur Halbzeitpause mischten sich deshalb in den zurückhaltenden Applaus der offiziell nur noch 19.943 Zuschauer auch einige unüberhörbare Pfiffe aus dem Lautrer Lager. Besser wurde das Spiel allerdings auch nach dem Seitenwechsel nicht und mit dem Spielverlauf sank die allgemeine Stimmungslage weiter nach unten. Die Westkurve, zu Beginn noch gut aufgelegt und nach dem vielversprechenden Auftritt in Hannover hoffnungsvoll, ließ sich vom zähen Spiel auf dem Rasen anstecken.
Ihr gegenüber standen rund 600 mitgereiste Würzburger Fans, die bei ihrer Pflichtspiel-Premiere im Fritz-Walter-Stadion einen ordentlichen Auftritt hinlegten, allerdings höchstens durch ihre lauten "Kickers! Kickers!"-Anfeuerungsrufe mal auf der Gegenseite zu hören waren. Optisch brachten die Unterfranken einige Fahnen und Zaunbeflaggung mit, womit sich der Emporkömmling FWK nahtlos in die Reihe der zahlreichen kleinen, aber engagierten Fangemeinden der 2. Bundesliga einreiht – noch vor wenigen Jahren hatten die Würzburger so viele Zuschauer bei Heimspielen wie jetzt im Gästeblock standen.
Der schönste Spielzug bringt das Siegtor
Allerdings bekam der Gäste-Anhang ebenfalls wenig von der eigenen Mannschaft zu sehen, ausgenommen eine kurze Drangphase Mitte der zweiten Hälfte. Die gefährlichste Szene entstand dabei durch zwei Lautrer: Ewerton fälschte einen Schuss aus kurzer Distanz ab und von den Händen des überraschten Julian Pollersbeck trudelte die Kugel Millimeter am Pfosten vorbei ins Aus.
Ein Raunen ging durch das Pfälzer Publikum, das immerhin kurz darauf noch einmal Mut schöpfte: Nach vielen Fehlpässen und misslungen Aktionen probierte es Rechtsverteidiger Phillipp Mwene, der noch in der ersten Hälfte einige schwache Szenen hatte, mit einem Sololauf, dribbelte sich in den Strafraum und zwang Robert Wulnikowski zu einer Parade (80.). Sofort war zu spüren, dass das die FCK-Fans doch schon mit wenig zufrieden sind – die Mannschaft wurde weiter nach vorne gebrüllt.
Den anschließenden Eckstoß konnten die Würzburger nur unzureichend klären und so kam es schließlich zum schönsten Spielzeug des ganzen Abends: Christoph Moritz bediente Sebastian Kerk, der von der Grundlinie zurück auf Kacper Przybylko legte und dessen Weiterleitung Robert Glatzel schließlich über die Linie drückte (81.).
Nur ein Gegentreffer in den letzten neun Heimspielen
Es war die erste FCK-Führung seit Anfang November (1:0 gegen Berlin). Und doch kann man die Lautrer Heimbilanz auch viel positiver lesen, als sie sich anfühlt: Zuhause gab es seit Mitte September kein Gegentor und keine Niederlage mehr, überhaupt kassierten Julian Pollersbeck und Co. in den letzten neun Heimspielen nur einen einzigen Gegentreffer. Katastrophal hingegen das Eckballverhältnis gegen Würzburg: drei zu zehn.
Weil Würzburg im Anschluss an den Glatzel-Treffer nicht mehr den Weg nach vorne fand, blieb es beim 1:0-Sieg und einer befreiten Jubelparty vor der Westkurve, die vor allem den Siegtorschützen feierte. Mit den drei Punkten klettern die Roten Teufel wieder auf Tabellenplatz 12 und können kurz durchschnaufen.
Quelle: Der Betze brennt

Stimmen zum Spiel
Glatzel: "Ein Traum geht in Erfüllung"
Der 1. FC Kaiserslautern hat gegen die Würzburger Kickers einen wichtigen Heimsieg errungen. Zum Mann des Tages wurde Robert Glatzel, der neun Minuten vor dem Abpfiff das goldene Tor erzielte.
"Es ist unglaublich, ein Traum geht für mich in Erfüllung", sagte der Matchwinner nach dem Spiel mit leiser Stimme, fast schon bescheiden. Glatzel war von Norbert Meier in der 79. Minute eingewechselt worden, zwei Minuten später erzielte er auf Vorarbeit von Kacper Przybylko den 1:0-Siegtreffer. Schon vor dem Spiel hatte der FCK-Coach dem Nachwuchsstürmer einen Einsatz in Aussicht gestellt. "Er hat mir gesagt, dass ich mir etwas zutrauen soll", sagte der 23-Jährige.
"Für Robert Glatzel freut es mich natürlich, dass er das Tor gemacht hat", betonte Meier, der dem großgewachsenen U23-Angreifer den Vorzug als Joker vor Sebastian Jacob gegeben hatte. Dass er den Matchwinner eingewechselt und damit das berühmte "glückliche Händchen" bewiesen hatte, ließ den 58-Jährige allerdings kalt: "Ich definiere mich nicht über ein glückliches Händchen", sagte er mit einem Augenzwinkern.
Meier hofft auf den "Türöffner"-Effekt
"Würzburg ist eine eklig zu bespielende Mannschaft", betonte Meier, der nun hofft, dass die drei Punkte einen "Türöffner"-Effekt haben. "Wir sind natürlich überglücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben."
Der Weg bis zum Sieg war allerdings äußerst beschwerlich. Gegen die Unterfranken hatte der FCK nach Kacper Przybylkos Riesenchance in der 12. Minute, die FWK-Schlussmann Robert Wulnikowski mit einer Glanzparade zunichte machte, viel Mühe. "Wir wussten, es kommen viele lange Bälle. So verlief das ganze Spiel. Wir haben es aber gut gemacht", befand Robin Koch. Anders sah das allerdings nach dem Seitenwechsel aus: "Wir sind etwas rausgekommen", so der Innenverteidiger, der den 1:0-Sieg aber trotzdem als verdient bezeichnete. Denn: "Wir haben am Ende gekämpft", sagte Koch.
Quelle: Der Betze brennt

