
Spielbericht: 1. FC Kaiserslautern - VfB Stuttgart 0:1
Erstliga-Kulisse – Zweitliga-Fußball
Engagierter gespielt als zuvor, aber trotzdem verloren: Nach dem 0:1 gegen Stuttgart dümpelt der FCK weiter am Tabellenende herum. Vor großer Kulisse am Betze zeigte sich erneut, dass die Baustellen im Spiel der Roten Teufel groß sind.
- Fotogalerie | Fanfotos: 1. FC Kaiserslautern - VfB Stuttgart
- Fotogalerie | Spielfotos: 1. FC Kaiserslautern - VfB Stuttgart
Immerhin: Der Rahmen stimmte beim „Traditionsduell“ des 1. FC Kaiserslautern gegen den VfB Stuttgart. Mehr als 45.000 Zuschauer pilgerten auf den Betzenberg, um beim Aufeinandertreffen der beiden gestrandeten Ex-Meister für gute Stimmung zu sorgen.
Wie erwartet nahmen auch zahlreiche Anhänger des VfB die Reise in die Pfalz auf sich. Die Züge über Mannheim nach Lautern waren am Vormittag brechend voll. Eine S-Bahn musste in Ludwigshafen dem Vernehmen nach sogar von der Polizei teilweise geräumt werden, um die Fahrt ohne Gefährdung der Fahrgäste fortsetzen zu können. Geschätzt 10.000 Stuttgarter Fans verteilten sich vom Gästeblock auf der Osttribüne bis zur Mitte der Südtribüne. Sogar hinter der Westkurve wurde der eine oder andere im Brustring-Trikot gesichtet – eigentlich ein absolutes No-Go, Sympathien hin oder her.
So breitete sich schon lange vor dem Anpfiff eine ordentliche Atmosphäre aus. Untermalt wurde sie von zwei imposanten Choreographien auf beiden Seiten, die jeweils von zahlreichen Fahnen in Rot-Weiß („Westkurve“) im Lautrer und Rot-Schwarz („Württemberg“) im Stuttgarter Lager eingerahmt wurden. Wem lief da nicht wenigstens ein kleiner Schauer über den Rücken, als die Mannschaften einmarschierten?
Munterer Beginn des FCK, honoriert vom Publikum
Der FCK schien die Unterstützung in den ersten Minuten nutzen zu wollen und legte gut los. Gleich zweimal kamen die Roten Teufel zu guten Chancen, honoriert vom tosenden Applaus und Anfeuerungsrufen des FCK-Anhangs. Was wäre wohl gewesen, hätten Marlon Frey oder Lukas Görtler das 1:0 erzielt?
Der VfB, bei dem der Ex-Lautrer Jean Zimmer zunächst auf der Bank saß, fand erst nach rund einer Viertelstunde in die Partie, kam dann allerdings einige Male gefährlich vor das Tor von Julian Pollersbeck, der anstelle von Rotsünder André Weis sein Debüt in der Startelf der Profis gab. Ein Tor wollte auf beiden Seiten nicht fallen, auch wenn Tayfun Korkut seine Mannschaft nach etwa einer halben Stunde noch einen Tick offensiver einstellte. Weil der schon zuvor angeschlagene Daniel Halfar mit einer Muskelverletzung vom Feld musste, beorderte er Patrick Ziegler ins defensive Mittelfeld, Ring und Frey auf die Außen und Stieber hinter die Doppelspitze Osawe/Görtler.
Trotz erschreckender technischer Mängel und der noch immer unübersehbaren Schwächen gerade in der Defensive, die vor allem bei steilen Zuspielen oder Kontern des Gegners ins Schwimmen geriet, kam der FCK auch im zweiten Durchgang zu einigen guten Möglichkeiten. Das Tor jedoch machten die Gäste aus Schwaben. Insua stürmte über die rechts Lautrer Abwehrseite, flankte unbedrängt und fand vor dem Tor gleich zwei seiner Mitspieler blank stehend – für Stuttgarts Torjäger Simon Terodde kein Problem (52.).
Ein brachialer Torschrei donnerte durch das Fritz-Walter-Stadion – leider von der falschen Seite. Während sich die Gäste feierten, herrschte in der Westkurve Ratlosigkeit. Einige wendeten sich ab, andere klatschen und feuerten das Team an. Die meisten schwiegen.
Gaus: „Das geht mir wieder auf den Sack“
„Wir haben verloren, das geht mir wieder auf den Sack, weil es eine total unnötige Niederlage ist“, sagte Marcel Gaus, der auf der linken Verteidigerseite nicht seinen besten Tag erwischte. Allerdings hatte er Recht. Mehrmals hätte der FCK noch bis zur 80. Minute den Ausgleich erzielen können. „Wir haben versucht, mit Leidenschaft an die Sache ranzugehen“, erklärte Lukas Görtler, der trotz Torschuss-Sondertraining zweimal aus aussichtsreicher Position scheiterte.
Der VfB seinerseits hielt dagegen, konterte und hatte nach dem offensiven Aufflammen des FCK leichtes Spiel. Entsprechend sank die Stimmung im Pfälzer Lager wieder ab. Die letzten Minuten verbrachte ein Großteil des Heimanhangs schweigend, das etwas konfus angestimmte „Wir haben die Schnauze voll“ erklang zwischendurch. Die Zeit lief den Roten Teufeln davon und mit ihr auch die Hoffnung, dass noch etwas gehen könnte an diesem Tag.
„Wir können uns nur selbst helfen“, betonte Gaus, nachdem die Mannschaft mit einigen Metern Sicherheitsabstand minutenlang vor der Westkurve stand, die ihrerseits mit gemischten Gefühlen – Applaus hier, Pfiffe da – auf die Niederlage reagierte. Zum Abschied gab es dann noch mal ein sehr lautes Pfeifkonzert für die weiter auf dem letzten Tabellenplatz dümpelnde FCK-Truppe. Schon am Mittwoch folgt gegen Dresden das nächste Heimspiel, zu dem – auch aufgrund der fanfeindlichen Anstoßzeit – deutlich weniger Zuschauer als gegen Stuttgart kommen werden. „Ich hoffe einfach, dass wir am Mittwoch für die Fans einen Dreier holen und unten rauskommen“, ergänzte Görtler. „Denn das macht einfach keinen Spaß gerade.“
Mein Teufel des Tages: Jacques Zoua traf zwar nach seiner Einwechslung nicht das Tor, doch der Neuzugang aus Frankreich brachte wenigstens ein bisschen Leben in die phasenweise lethargische und verunsicherte FCK-Elf. In Zweikämpfen bemüht feuerte der Stürmer auch ein-, zweimal das Publikum an. Eine Mentalität, die er und seine Kollegen gerne öfter zeigen dürften.
Was sonst noch auffiel: Ein ungewohntes Bild zeigten die Lautrer Hooligans, die normalerweise in Block 5.3 sitzen, sich heute jedoch inklusive Zaunfahnen im Stimmungszentrum direkt hinter dem Tor sammelten. Die Gruppe aus etwa 30 Mann zog in ihren auffälligen weißen T-Shirts unweigerlich die Blicke auf sich, an der Stimmung hingegen beteiligten sie sich weitgehend nicht. Abgerundet wurde der Auftritt durch ein Spruchband mit der Aufschrift: „Unsere Stadt – Unsere Regeln“.
Quelle: Der Betze brennt

Stimmen zum Spiel
Gaus: "Natürlich sind wir im Abstiegskampf"
Nach dem 0:1 gegen Stuttgart wartet der FCK weiter auf den ersten Sieg. Mit nur zwei Punkten aus fünf Spielen stehen die Lautrer im Tabellenkeller. Mitgefühl kommt von Jean Zimmer.
Wieder kein Sieg, wieder kein Tor. Der 1. FC Kaiserslautern tritt nach der zweiten Niederlage in Folge auf der Stelle. „Natürlich sind wir im Abstiegskampf“, sagt Marcel Gaus. „Wenn man nach fünf Spieltagen ein Tor geschossen hat und am Tabellenende steht, muss man sich der Situation stellen.“ Dabei hatte der FCK gut begonnen und war gleich zu Anfang zu zwei Chancen gekommen. Auch im weiteren Spielverlauf boten sich gute Chancen, zumindest den Ausgleich zu erzielen. „Ich arbeite die ganze Woche dafür, ich will die Tore machen“, betonte Lukas Görtler der selbst zweimal knapp gescheitert war. „Jetzt stehen wir wieder da wie die Deppen. Wir machen das Ding nicht und Stuttgart schon.“
„In Sachen Grundtugenden, über die man hier auf dem Betzenberg spricht, kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, hielt Tayfun Korkut fest, der seine Mannschaft trotz der Pleite für ihren in Teilen engagierten Auftritt lobte. „Wir wollten eine Reaktion zeigen, auf das Spiel in Sandhausen. Ich glaube, das hat die Mannschaft heute mit aller Macht versucht. Sie hat versucht, mit viel Leidenschaft zu agieren.“ Dennoch reichte es gegen eine routinierte VfB-Elf nicht einmal zu einem Punkt. „Ich sage in aller Deutlichkeit: Wir werden jetzt nicht anfangen zu jammern“, erklärte Korkut trotz der sportlichen Krise und der angespannten personellen Lage.
Zimmer: „Nach dem Spiel leide ich mit“
Zuspruch bekam der FCK von einem ehemalige Akteur: „Es ist kein Geheimnis, dass ich nach dem Spiel hier mitleide“, sagte Jean Zimmer, für den es „ein komisches Gefühl“ war, an ehemaliger Wirkungsstätte in der zweiten Hälfte eingewechselt zu werden. „Es tut weh, wenn man das sieht“, fügte der VfB-Profi hinzu.
Quelle: Der Betze brennt

