Aus für den denkenden Ball
Die Gralshüter der Fußballregeln haben die Einführung des Chip-Balls abgelehnt. Künftig sollen Schiedsrichter zwei Torrichter bekommen, die über umstrittene Treffer entscheiden.
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Bei seinem 122. Treffen hat das International Football Association Board (Ifab) überraschend jegliche Technik zur Klärung von strittigen Torlinien-Situationen abgelehnt. Damit hat der vom deutschen Sportartikelhersteller und Fifa-Partner Adidas entwickelte Chip-Ball ebenso keine Zukunft wie das im Tennis bewährte Hawk-Eye.
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Der Weltverband setzt statt auf den Chip-Ball künftig auf jeweils einen zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten hinter jedem Tor, der das dreiköpfige Unparteiischen-Gespann unterstützen wird. Laut Generalsekretär Jerome Valcke wird es im Laufe des Jahres entsprechende Tests bei Turnieren mit den beiden Torrichtern geben.Ob die deutschen Schiedsrichter die Entscheidung der Regelhüter begrüßen, ist fraglich. Sie warten seit Langem auf den Chip-Ball und sind davon überzeugt, dass der Fußball durch die Technik fairer geworden wäre. "Alle Beteiligten sind für die Technik", sagte unter der Woche Eugen Striegel, Schiedsrichter-Lehrwart beim Deutschen Fußball-Bund. Wie er sprachen sich zuletzt auch die meisten Bundesliga-Trainer und Funktionäre für den Chip-Ball aus. Viele hatten damit gerechnet, dass das Ifab sich für die Einführung der Technologie zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika entscheidet.In anderen Sportarten hält die Technik schon bald Einzug. Der Internationale Handball Verband wird einen intelligenten Ball der Firma Derbystar bereits bei der Männer-Weltmeisterschaft 2009 in Kroatien nutzen. Nur die Fußball-Regelhüter befürchten negative Auswirkungen. "Wir hatten den Eindruck, dass mehr Technologie den Fluss des Spiels stören könnte", sagte David Collins, Generalsekretär des walisischen Verbandes.
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Ein offizielles System könnte Abhilfe schaffen. Dennoch bezeichnete der ehemalige Schiedsrichter Franz-Xaver Wack Merks Vorstoß in den Medien als Alleingang, sein Kollege setzte seine Reputation aufs Spiel. Auch Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern, sprach sich bereits vor der Entscheidung des Ifab gegen den Videobeweis aus. Er fühlt sich nun bestätigt. "Es sollte dabei bleiben, dass wie Spieler auch Schiedsrichter mal einen Fehler machen dürfen. Der Fußball bleibt sonst nicht derselbe", sagte Hoeneß gestern.
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Quelle und kompletter Text: http://www.welt.de/wams_print/article17 ... _Ball.html