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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-SVE

Die DBB-Analyse: Verletzungspech und VAR-Fluch entscheiden

01.02.2026, 15:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Zwei brutale Genickschläge vor der Pause leiten die 1:3-Heimniederlage des FCK gegen Elversberg ein. Wie die Partie wohl ausgegangen wäre, wäre sie von rein sportlichen Faktoren bestimmt worden? Spannend wäre sie auf jeden Fall gewesen.

Titelfoto

War in der Winterpause nicht öfter die Rede davon, dass in den ersten vier Spielen dieser Rückrunde die Weichen für den weiteren Verlauf der Saison gestellt werden? Das dürfte nun in der Tat der Fall sein - allerdings mit einem krassen Richtungswechsel. Den so niemand vorherzusagen vermochte und an dessen Ursachen es "sportlich" im Grunde nicht viel zu analysieren gilt.

Denn nachdem der 1. FC Kaiserslautern in den ersten beiden Partien des Jahres durchaus gezeigt hatte, dass er auch die Besten dieser Liga schlagen kann, setzte es an diesem Samstagabend eine Heimniederlage gegen die SV Elversberg. Eingeleitet haben diese zwei brutale Genickschläge innerhalb von nicht einmal zehn Minuten, die sich wohl noch über den gesamten Rest der Runde auswirken werden.

Prtajin verletzt, der VAR treibt sein Spiel



Gesehen und gehört hat es ohnehin schon jeder, also muss hier nicht mehr viel drüber gesagt werden. In der 41. Minute muss Torjäger Ivan Prtajin vom Feld. Vermutlich ein Achillessehnenriss, der ihn monatelang außer Gefecht setzen wird. In der 51. Minute der ersten Halbzeit zeigt Schiedsrichter Deniz Aytekin auf den Elfmeterpunkt und Rot gegen Leon Robinson. Nach, wieder einmal, minutenlangem VAR-Gedöns, bei dem sich ebenfalls erneut zeigt, dass der Kölner Keller eben nicht in der Lage ist, Unklarheiten so zu beseitigen, wie seine Erfinder sich das vorstellen. Die Problematiken dieser Entscheidung haben wir bereits dargelegt.

Besiegt worden wäre der FCK demnach von Verletzungspech und dem VAR-Fluch - und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Oder? Nein, natürlich nicht nur. Geschlagen worden sind die Betze-Buben selbstverständlich auch von einem starken Gegner, der guten Fußball spielt und die Vorteile, die ihm Schiri und Schicksal verschafften, nahezu optimal auszunutzen verstand.

Es hätte ein so schönes Spiel werden können

Und: Bevor das Verhängnis seinen Lauf nahm, also bis zur 41. Minute, war's ein richtig geiles Fußballspiel. Es wäre gleichermaßen hochinteressant wie spannend gewesen, es bis zum Ende anzuschauen, wenn Elf gegen Elf gespielt hätten. Hoch wetten wollen hätte man dabei auf keinen.

Die Lautrer begannen, wie sie es sich gegen auf Ballbesitz und Positionsspiel ausgerichtete Teams zu eigen gemacht haben: mit konsequenter Mannorientierung. Torsten Lieberknecht hatte sich für eine Doppelspitze mit Norman Bassette und Prtajin entschieden, die ballführenden Elversberger Abwehrspieler früh unter Druck setzten. Dahinter formierte sich mit Naatan Skyttä, Marlon Ritter sowie Paul Joly und Mika Haas auf den Außenbahnen eine Viererreihe, die den ersten Ball in die Tiefe zu erobern versuchte.

Robinson gegen Conté: Da war Feuer drin

Allein auf der Sechs beharkte Leon Robinson Elversbergs stärksten Individualisten, Bambasé Conté. Lieberknecht hatte ihm überraschenderweise den Vorzug vor Fabian Kunze gegeben, weil er "athletisch besser zu Conté passt". Und dieses Duell wäre mit Sicherheit das sportlich entscheidende dieses Spiels geworden - wäre es nicht von anderen Faktoren entschieden worden.

Robinson attackierte den trickreichen und hochbeweglichen Zehner immer wieder energisch direkt bei der Ballannahme. Oft erfolgreich, dann aber auch wieder zu ungestüm. Bereits nach 30 Minuten kassierte der Lautrer nach einer Grätsche gegen Conté die Gelbe Karte. Auch wenn Torsten Lieberknecht hinterher anmerkte, dass sein Stürmer Bassette zuvor von seinem Gegenspieler schon viermal gefoult worden war, ohne dass dieser eines Kartons ansichtig wurde - dieses Gelb ging vollkommen in Ordnung. Und es wäre spannend gewesen zu sehen, wie Robinson dieses Duell über die volle Spielzeit fortgeführt hätte, hätte ihn Aytekin nicht schon eine Viertelstunde später wegen eines zweifelhaften Trikotzupfers vom Feld geschickt.

SVE mit mehreren kleinen Chancen, FCK mit einer dicken

Die Roten Teufel jedenfalls gingen in diesen 40 Minuten volles Risiko, die Gäste wussten diesem aber auch gekonnt zu begegnen. Sie wussten sich im Eins gegen Eins immer wieder aus dem frühen Pressing zu befreien. Conté, Lukasz Poreba und Lukas Petkov überbrückten mit langen Läufen das Mittelfeld und kamen auch zu mehr Toraktionen als die Betze-Buben - denen sich dafür nach 21 Minuten die bis dato dickste Chance bot.

Zügiger Spielaufbau aus der Tiefe, Ritter schickt den links durchstartenden Haas auf die Reise, flache Flanke in die Mitte. Am langen Eck kommt Joly zum Abschluss, doch SVE-Keeper Nicolas Kristof bekommt den Ball in enger Zusammenarbeit mit dem Torpfosten geklärt.

1:1 noch vor der Pause, doch das 1:2 fällt zu schnell

Nach den beiden Genickschlägen und dem 1:0 durch Petkov per Elfmeter ist es Skyttä, der noch vor dem Halbzeitpfiff zeigt, dass der Betzenberg nun einmal der Betzenberg ist - und die Seinen auch in Unterzahl nicht aufgeben. Seine scharfe Hereingabe nach einem ebenfalls über links eingeleiteten Strafraumgewühl wird von SVE-Innenverteidiger Maximilian Rohr ins Netz abgelenkt. 1:1.

Nach der Pause gestaltet sich das Spiel im allseits erwarteten Kaninchen-und-Schlange-Modus. Die zehn Teufel verteidigen tief im Block, die vollzählige "Elv" versucht mit gepflegter Ballzirkulation, Lücken zu schaffen.

Blöd halt, dass es schon nach gerade mal zehn Minuten in Hälfte zwei ein recht simpler langer Ball auf Linksaußen Tom Zimmerschied ist, der die Pfälzer Hintermannschaft aushebelt und David Mokwa den Einschuss zum 2:1 ermöglicht. In einer solchen Konstellation darf so etwas eigentlich nicht passieren.

Wechsel bringen FCK wieder einigermaßen ins Spiel

Nun wirkten die Gastgeber erstmal hilflos. Aus der tief stehenden 5-3-1-Formation heraus ließen sich kaum Angriffe einleiten, da es an einem explosiven Tempo-Stürmer fehlt, der einen Konter zu setzen vermag. Bassette stand vorne auf verlorenem Posten. Erst mit zwei Wechseln in der 65. Minute kamen die Betze-Buben wieder besser in die Partie. Für Ritter kam der sich permanent freilaufende und präzise passende Semih Sahin, für Bassette Kenny Redondo zu seinem ersten Einsatz nach fast sechsmonatiger Verletzungspause.

Redondo bemühte sich fortan, als einsamer Stürmer die Elversberger wenigstens ein bisschen zu stören, wenn sie den Ball durch die hinteren Reihen laufen ließen. Unterstützt wurde er dabei von Skyttä und Luca Sirch, den Lieberknecht von seiner rechten Innenverteidiger-Position nach vorne gezogen hatte. Hinten formierte sich jetzt eine Viererkette mit Joly, Maxwell Gyamfi, Betzenberg-Debütant Atanas Chernev und Haas.

Kein schöner Premierenabend für Jacob Rasmussen

Nach 82 Minuten wagte Lieberknecht den nächsten Move. Joly und Haas raus, Daniel Hanslik und Neuzugang Jacob Rasmussen rein. Sirch und Redondo spielten nun Außenverteidiger, Chernev und Hanslik bildeten vorne ein Sturmduo. Rasmussen durfte als linker Innenverteidiger neben Gyamfi mit einem tiefen Pass in die Spitze mal zeigen, dass er in der Tat das feine linke Füßchen hat, das man ihm nachsagt. Ansonsten war ihm kein gelungener Premierenabend vergönnt.

Denn das alles sah nun insgesamt zwar besser aus, um in Unterzahl wenigstens ein bisschen ins Spiel zu kommen. Wirklich Zwingendes ergab sich daraus jedoch kaum. Die SVE blieb bis zum Schluss die gefährlichere Mannschaft, machte halt auch kaum etwas falsch.

Im Gegensatz zu Redondo, der in der 86. Minute in der linken Verteidigerposition den Ball gegen Petkov verlor, worauf dieser dem eingewechselten Luca Schnellbacher das 3:1 auflegte. Was nichts anderes bedeutete als: Game over.

Rechts ist der Ball, links wird's gefährlich

Zu den Grafiken. 0,42 : 2,98 für die SVE nach xGoals. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Wobei die Timeline deutlich zeigt: In Hälfte eins bei Elf gegen Elf war die Chose noch ausgeglichen. Eine große FCK-Chance wiegt mehrere kleinere Elversberger Gelegenheiten auf.

xG-Timeline FCK-SVE

Die Positions- und Passgrafik des FCK: Angesichts der vielen Umstellungen während des Spiels ein Muster von eher bescheidenem Wert. Erstaunlich, wie oft auf der rechten Seite gepasst wird. Denn die wirklich gefährlichen Angriffe kamen alle über links.

Passmap FCK

Die Passmap der SVE: Äh, ja, sowas nennt man wohl Ballzirkulation. Laut "Wyscout" hatten die Gäste übrigens 61 Prozent Ballbesitz. Was jetzt nicht so überraschend ist, wenn man eine komplette Halbzeit in Überzahl ist.

Passmap SVE

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