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Taktik-Nachlese zum Spiel FCK-FCM

Die DBB-Analyse: Mit Leidenschaft nur Leiden geschafft

21.12.2025, 14:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

Enttäuschung, Ärger, Wut, Hoffnung, Aufregung, Nervenkitzel, Euphorie - am Betzenberg durfte wieder alles an Emotionen durchlebt werden, was möglich ist. Am Ende aber steht für den FCK eine 2:3-Niederlage gegen Magdeburg. Und Ernüchterung. Aus Gründen.

Titelfoto

Mit irgendsoeinem Seitenwechsel-Voodoo braucht schon mal keiner zu kommen. "De Betze", so lehren es die Lautrer Fußball-Mystiker ja, muss in der zweiten Hälfte Richtung "West" spielen, damit er seinem ihn leidenschaftlich anfeuernden Anhang so nah wie möglich ist, wenn er den gegnerischen Strafraum attackiert. Nur so könne er erfolgreich sein. Tatsächlich ist diese Legende in dieser Saison schon zweimal widerlegt worden. Sowohl gegen Preußen Münster als auch gegen Holstein Kiel hat der 1. FC Kaiserslautern bereits in der ersten Hälfte Richtung rote Fan-Wand gespielt. Und dennoch gewonnen, beide Male deutlich mit 4:1.

Gegen den 1. FC Magdeburg ergab sich diese Konstellation erneut, nachdem Kapitän Marlon Ritter die Seitenwahl verloren hatte. Diesmal aber gingen die Roten Teufel als Verlierer vom Platz. Obwohl sie in der zweiten Hälfte auch gen Osten ordentlich aufgedreht hatten. Und die über 45.000 im Stadion einen anderen Betze-Mythos mit aller Kraft heraufbeschworen hätten: Nämlich den, dass kein gegnerischer Vorsprung groß genug sein kann, als dass die Lautrer ihn im Rahmen einer furiosen Schlussoffensive nicht aufholen könnten. Fast hätte es geklappt. Aber nur fast.

Ein Triumph des "Ballbesitzfußballs"? Na, ja ...



0:3 hatten die Pfälzer schon zurückgelegen, kamen dann aber auf 2:3 heran. Machten dem Gegner den Betzenberg zur Hölle. Der aber war am Ende dann doch um eine Legende reicher. Aus Gründen, die sich weitaus nüchterner erklären lassen. Womöglich sogar simpler, als viele glauben.

Auf den ersten Blick spielte da ein sogenanntes "Ballbesitzteam" eines, das den Weg in die Spitze schneller und direkter sucht, an die Wand. Zumindest zwischen der 20. und 50. Minute. Da trieben die Magdeburger die Lautrer mit ihrem strukturierten Pass- und Positionsspiel vor sich her, als wollten sie die Betze-Buben noch grausamer demütigen, als es die Berliner Hertha kürzlich im DFB-Pokal tat.

Bei genauerer Betrachtung muss jedoch festgestellt werden: Den Gegner "kaputt spielen, bis die Räume aufgehen" - so hatte FCM-Stürmer Baris Atik unlängst den "Ballbesitzfußball" seines Teams beschrieben - mussten die Gäste gar nicht, um zu Torerfolgen zu kommen. Sie nutzten vor allem krasse individuelle Fehler und Nachlässigkeiten.

Das 0:1: Braucht Ihr noch lange, liebe Gäste?

Das veranschaulicht bereits ihr erster Treffer in der 20. Minute. FCM-Keeper Dominik Reimann spielt den Ball kerzengerade vom eigenen Tor weg auf Sechser Silas Gnaka. Der nimmt das Leder in aller Seelenruhe an, dreht auf und leitet den Spielaufbau über die rechte Seite ein.

Bis dato hatten die Roten Teufel solche Szenen nicht zugelassen, indem sie ihre Gegenspieler sofort nach der Spieleröffnung anliefen. Erst drei Minuten zuvor war ein solcher Pass in den Füßen von Semih Sahin gelandet. Was, zugegeben, in diesem speziellen Fall gar nicht mal von aggressiven Lautrern provoziert worden war, sondern einer Dusseligkeit Reimanns geschuldet.

Doch auch in der weiteren Entwicklung zum 0:1 war kein schwindelerregender Passzauber zu sehen. Achter Laurin Ulrich steckte auf den rechts startenden Philipp Hercher durch, der passte zurück auf den rechten Innenverteidiger Marcus Mathisen. Und auch der durfte sich alle Zeit der Welt nehmen, um zu flanken.

Und: Die Flanke war noch nicht mal gut. Halbhoch aufs kurze Eck. Leicht zu verteidigen. Eigentlich. Aber Maxwell Gyamfi lenkt den Ball aufs eigene Tor ab, zwingt seinen Keeper Julian Krahl zu einer Parade, Atik staubt ab.

Das 0:2: Um Schiris Willen, was war das denn?

Der zweite Gegentreffer macht erst recht fassungslos. FCM-Mittelstürmer Mateusz Zukowski bleibt im Zweikampf-Geknoddel mit Gyamfi an der Strafraumgrenze im Ballbesitz, schlenzt einen absolut haltbaren Ball neben den langen Pfosten, doch Krahl hält einfach die Hand nicht dran.

Hat ihn der zweite Gegner-Achter Falko Michel irritiert, der seitlich neben ihm dermaßen im Abseits stand, wie man eigentlich nur stehen kann? Aber woher denn, meinen zumindest Schiri und VAR, und erkennen den Treffer an. Weil Michel nicht ins Spiel eingegriffen habe. Kann man so sehen. Es darf aber auch angemerkt werden: Ein passives Abseits wie dieses ist in der Vergangenheit oft schon anders ausgelegt worden. Fragwürdig war übrigens auch noch, ob beim dem Tor vorhergehenden Zweikampf auf der anderen Seite des Spielfelds nicht ein Foul des beteiligten Magdeburgers im Spiel war.

Wer hat Gyamfi diesen gebrauchten Tag angedreht?

Vor dem 3:0 dürfen sich die Gäste dann tatsächlich ein paar Mal den Ball zuspielen. Entscheidend ist aber, dass der überragende Linksverteidiger Alexander Nollenberger nach Steckpass von Atik links in den Strafraum eindringt und Gyamfi geradezu lässig aussteigen lässt, ehe er den Ball ins lange Eck jagt.

Damit ist jetzt bei allen drei Gegentreffern der Name Gyamfi gefallen. So dass es im Grunde nicht mehr vieler Worte bedarf: Lauterns zentraler Abwehrmann war gestern Nachmittag, höflich ausgedrückt, indisponiert. Womit er aber auch ein Sinnbild für das steht, was dem FCK gestern den Jahresabschluss vermieste. Zu viele individuelle Fehler, mangelnde Konzentration, lange Phasen, in denen der Gegner zu lax angelaufen wurde - und zu wenig Effizienz vor Gegners Tor.

Der Lautrer Führungstreffer wäre möglich gewesen

Denn Chancen hatte die Lieberknecht-Elf durchaus, auch wenn ihre Spielanlage augenscheinlich simpler gestrickt war als die ihrer Gäste. In den ersten 20 Minuten wäre sogar der Führungstreffer drin gewesen. Daniel Hanslik kam nach einer Flanke von Luca Sirch zum Kopfball, der am langen Eck vorbeistrich, nach einer Flanke von Mika Haas traf der Stürmer aus fünf Metern den Ball nicht. Und unmittelbar vor der Pause setzte Paul Joly nach einem feinen technischen Kabinettstückchen den Ball an den Außenpfosten.

Ja, bisweilen sah die Spielanlage des FCK auch erschreckend einfältig aus. Wenn der Ball einfach nach vorne geschlagen wurde und sofort wieder beim Gegner landete. Aber auch dieser Stil kann erfolgreich sein. Wenn Bälle vorne festgemacht und abgelegt werden oder nach Kopfballabwehr des Gegners energisch auf die zweiten Bälle nachgesetzt wird. Doch das war einfach nicht zu sehen.

"Lost" in der Mittelfeldzentrale

Die langen Bälle sollten auch nur eine "Option" sein, wie FCK-Trainer Torsten Lieberknecht nach der Partie erläuterte. Angedacht war eigentlich, durchs Zentrum zu kommen und auf die Flügel zu spielen. Doch gerade in der Zentrale vermochte sich sein Personal gar nicht zu behaupten.

Sahin gewann nur 20 Prozent seiner Zweikämpfe, Fabian Kunze nur 50 Prozent. Beim Gegner dagegen hatte Gnaka zwar alles andere als seinen besten Tag, kam aber noch auf 33 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Auf den Halbpositionen allerdings weisen seine Mitspieler Michel und Ulrich laut "Wyscout" Quoten von 100 (!) und 67 Prozent aus. Obendrein spulten sie ein Laufpensum ab, das ihre Gegenspieler nur hinterherschauen ließ.

Das Erwachen in Halbzeit zwei

Dass sie es durchaus besser können, stellten die Pfälzer dann nach einem Doppelschlag ab der 53. Minute unter Beweis. Erst brachte Antreiber Naatan Skyttä nach feinem Dribbling Hanslik in Position, der zum 1:3 einschoss. Dann verwandelte Ritter einen Handelfmeter, den Gnaka verursacht hatte, zum 2:3.

Jetzt brannte der Betze lichterloh. Die Ränge tobten, die Roten Teufel rannten, gewannen nun auch ihre Zweikämpfe, und der Trainer probierte so einiges. Schon in der Halbzeit war Stürmer Richmond Tachie für Sahin gekommen. Ritter spielte nun im zentralen Mittelfeld, wurde dort zum unermüdlichen Antreiber, auch mal zum geistesgegenwärtigen Retter auf der eigenen Torlinie. Lieberknecht wechselte mit Tobias Raschl für Innenverteidiger Leon Robinson einen weiteren zentralen Aufbauspieler ein und stellte auf Viererkette um.

Tachie bekam nichts auf den Tacho

Nein, an Leidenschaft fehlte es seinem Team in dieser finalen halben Stunde nicht. Aber es muss leider auch gesagt werden: Wirklich gute Tor-Aktionen, die wenigstens noch den Ausgleich hätten bescheren können, verzeichneten sie nicht. Weil vor allem Tachie in der Spitze rein gar nichts gelang.

Was wiederum Wasser auf die Mühlen derer gießt, die schon seit Wochen sagen, dass beim FCK einfach nicht genug Qualität von der Bank kommt, um weiter oben anzugreifen. Das ist nun auch bei FCK-Boss Thomas Hengen angekommen, der nach dem Spiel erklärte, in der Winterpause gerade auch nach Verstärkungen für die Offensive Ausschau zu halten.

Das Handspiel, das vollkommen unterging

Erwähnt werden soll noch eine Szene, von der die Schiedsrichter anscheinend gar keine Notiz nahmen, auf die Torsten Lieberknecht aber hinterher nochmal aufmerksam machte. In der 78. Minute sprang dem Magdeburger Tobias Müller der Ball an den ausgestreckten Arm, als er neben Tachie hinter einem langen Ball herlief, den Skyttä in den Strafraum geschlagen hatte. Auf den Fernsehbildern ist es deutlich zu sehen. Doch nicht einmal die Lautrer reklamierten. Nur Tachie hob kurz den Arm. Was der "Sky"-Kommentar als Forderung nach einem Eckball interpretierte.

Das soll hier jetzt nicht skandalisiert oder als "ursächlich" für diese Heimniederlage dargestellt werden. Sondern lediglich als einer von vielen Belegen angeführt werden, die sich in dieser Hinrunde reichlich sammeln ließen: Auch das VAR-Auge sieht nicht alles, und vor allem findet es einfach keine Linie, sowohl in seinen Betrachtungen als auch in seinen Entscheidungen.

Der "Ballbesitz" hat dieses Spiel nicht entschieden

Zu den Grafiken. 2,48 : 2,99 nach xGoals. Unterm Strich geht der Magdeburger Sieg also in Ordnung. An die Wand gespielt wurde der FCK jedoch nur zwischen der 20. und 50. Minute. Ansonsten lief's gar nicht so übel.

xG-Timeline FCK-FCM

Die Positions- und Passgrafik des FCK. Das sieht doch gar nicht mal so schlecht. Beim Abpfiff lautete das Ballbesitzverhältnis übrigens 51:49. Den für ihn typischen "Ballbesitzfußball" hatte der FCM nur in der ersten Hälfte gespielt. Von Mika Haas (Nr. 22) führt keine Linie auf Hanslik (19). Nach der Flanke in der Anfangsphase kam also nicht mehr viel.

Passmap FCK

Die Passmap des FCM. Schon stark, wie Flügelstürmer Atik (23) ins Passspiel einbezogen wird. Und sein Zusammenspiel mit Nollenberger (17) funktionierte so gut, wie keine Grafik es ausdrücken kann.

Passmap FCM

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