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Taktik-Nachlese zum Spiel DSC-FCK

Die DBB-Analyse: Schönheit im Sinne Mourinhos

14.12.2025, 15:00 Uhr - Autor: Eric Scherer

0:0 in Bielefeld. Wäre diese Nullnummer ein Abendspiel gewesen, hätte sich der Abpfiff wohl nur mit Hilfe starker Wachmacher erleben lassen. Dass beim FCK am Ende die Null stand, war gut für den Kopf, aber fürs Auge weniger.

Titelfoto

Foto: Imago Images

Ach, das mit der Schönheit ist doch relativ. Liegt sie bekanntermaßen doch im Auge des Betrachters. Wie lautet der schöne Spruch des einstigen Trainerstars José Mourinho, den der DBB-User "Lautern-Fahne" etwa auch in seiner Signatur trägt? "Für mich ist Schönheit, dem Gegner nicht zu geben, was er will." So gesehen, war das doch ein wunderschönes Spiel, das der 1. FC Kaiserslautern gegen Arminia Bielefeld ablieferte. Zumindest für den ironiefähigen Betrachter.

Dabei haben die Roten Teufel ihren Gastgebern in der Tat nicht gegeben, was sie wollten. Zum einen natürlich drei Punkte. Zum anderen aber haben sie auch den Matchplan von DSC-Coach Mitch Kniat durchkreuzt. Der nämlich hatte, wie seine Startaufstellung zeigte, sich offenbar gut angeschaut, wie sich der FCK zuletzt bei seinen Auswärtsauftritten in Braunschweig (0:2) und im DFB-Pokal bei Hertha BSC (1:6) auseinandernehmen ließ. Mit Schnelligkeit nämlich. Drum nominierte er auf seinem rechten Flügel gleich zwei ausgewiesene Tempospieler.

Bielefeld sucht die Schwachstelle auf Lauterns linker Seite



Benjamin Boakye, ansonsten meist weiter vorne zu finden, übernahm den defensiven Part - ein Move, den wir auch in unserem Gegner-Check als möglich angedacht hatten. Vor Boakye positionierte sich der nicht minder sprintstarke Monju Momuluh. Zudem fehlte auf Lauterns linker Abwehrseite Mika Haas gelbgesperrt; ihn ersetzte Florian Kleinhansl. Das dürfte Kniat zusätzlich bewogen haben, hier Lauterns Schwachstelle auszumachen. Folgerichtig griffen die Arminen in Hälfte eins fast nur über ihre rechte Seite an.

Die Lieberknecht-Elf nahm ihnen jedoch die Räume, ihre Schnelligkeit ausspielen zu können, indem sie sich so tief positionierte wie noch nie in dieser Saison. Nichts mit frühen Ballgewinnen, nichts mit Mannorientierung über den ganzen Platz. Stattdessen staffelten sie sich im 5-4-1 vor dem eigenen Sechzehner - und warteten, bis die Gastgeber beim Suchen der Lücke einen Fehler machten und eine Möglichkeit zu Balleroberung und schnellem Konter boten. Das war zumindest der Plan.

71 Prozent Ballbesitz hatten die Arminen über die gesamte Spielzeit, in der ersten Viertelstunde nach der Pause sogar 81 Prozent. Der FCK hingegen verzeichnete nur vier Ballbesitze, die länger als 20 Sekunden dauerten. Dennoch kam es bei den Westfalen zu lediglich 15 Schussversuchen, und nur drei davon kamen aufs Tor. Nahezu alle Versuche folgten auf ruhende Bälle oder waren Distanzschüsse mit geringer Erfolgswahrscheinlichkeit.

Bielefeld war als "Ballbesitzteam" überfordert

Einer allerdings krachte recht spektakulär an die Latte. Abgefeuert hatte den Ball Defensivkraft Stefano Russo. Der schob sich übrigens aus seiner angestammten zentralen Abwehrposition permanent nach vorne und machte so aus Bielefelds üblichem 3-4-3 ein forsches 4-1-2-3 mit offensiven Außenverteidigern.

Das sieht in der grafischen Visualisierung vielleicht gut aus, tatsächlich aber lag den Gastgebern dieses Spiel nicht sonderlich. Zu was sie in der Lage sind, wenn man sie mit Tempo aus der Tiefe kommen lässt, demonstrierten die eingewechselten Joel Grodowski und Isaiah Young in der Nachspielzeit, als sich ihrem Team doch mal eine Kontermöglichkeit eröffnete und sie ums Haar zum späten Siegtreffer gekommen wären.

Mit Tempo aus der Tiefe? Arminia würde gern - FCK kann's nicht

Okay, das mit dem "Dem-Gegner-nicht-geben-was-er-will" hat also hingehauen. Aber das mit der "Schönheit" ist ja wohl Zuschauer-Verarschung, oder? Nicht umsonst gilt José Mourinho trotz seiner imponierenden Titelsammlung ja auch als ausgewiesener Unsympath. Diese 90 Minuten waren nicht nur für den neutralen Zuschauer schwere Kost.

Auch Konterspiel kann schön sein, wenn es ab und an zu Tor-Aktionen führt. Doch leider zeigte sich, dass die Lautrer das, was die Bielefelder gut können, so man sie es denn tun lässt, selbst überhaupt nicht beherrschen: das "mit Tempo aus der Tiefe kommen". Naatan Skyttä und Marlon Ritter, die zuletzt gegen Dresden (3:1) die fußballerischen Glanzlichter setzten, mutierten in dieser Formation zu reinen Flügelspielern, wo sie längst nicht die Wirkung erreichten, die sie sonst imstande sind zu erzielen.

Wirklich gefährlich wurde Lautern nur einmal

Der einzige wirklich gefährliche Kontervortrag der Betze-Buben lief dann allerdings doch über die beiden. Tiefer Ballgewinn, Skyttä marschiert mit Ball über die rechte Seite nach vorne, setzt Paul Joly ein, der legt quer auf Ritter. MR7 könnte aus halblinker Position direkt abziehen, zögert jedoch und verliert den Ball ... Das soll die einzige nennenswerte Offensivaktion im Lautrer Spiel gewesen sein? Sie war die einzige, die hinterher in den Statements beider Trainer Erwähnung fand. Das sagt wohl alles.

Nach 60 Minuten brachte Torsten Lieberknecht Richmond Tachie für Daniel Hanslik, nach 70 Dickson Abiama und Faride Alidou für Skyttä und Ritter. Das mag fußballerisch ein Qualitätsverlust gewesen sein, in puncto Speed aber wären den Nachrückern mehr zuzutrauen gewesen. In der Tat erlief sich wenigstens Tachie ein paar Zuspiele durch gut getimte Sprints in die Tiefe, die bei Hanslik zuvor nicht zu sehen waren. Dafür ging beim Festmachen von langen Bällen nichts - bei den beiden anderen ebenso wenig.

Nur Gyamfi und Kunze fielen positiv auf

Beim FCK positiv hervorzuheben sind allenfalls Maxwell Gyamfi und Fabian Kunze, die zweikampfstark und fehlerfrei das Mourinhosche Schönheitsideal bedienten. Kunze beschwor sogar noch eine zweite torgefährliche Aktion seiner Mannschaft herauf, als er sich eine weit hinterm langen Pfosten heruntergefallene Skyttä-Ecke schnappte und einen Schlenzer ansetzte, den Arminia-Innenverteidiger Joel Felix fast ins eigene Netz abgelenkt hätte.

Der Rest ist Schweigen.

Torsten Lieberknecht dagegen sah es hinterher als "extrem wichtig" an, in diesem Spiel "mal eine andere Facette gezeigt zu haben." Vor dem Hintergrund der missglückten Auswärtsauftritte zuletzt kann man das so stehen lassen. Erst recht, wenn zum Saisonabschluss gegen Magdeburg kommenden Samstag nochmal dreifach gepunktet wird. Dann stünde der FCK bei 30 Zählern und hätte die erfolgreichste Hinrunde seit dem Aufstieg gespielt. Und diese Darbietung hätte sich im Nachhinein als "gut für den Kopf" erwiesen. Fürs Auge war und bleibt sie ein Grauen.

Standen da überhaupt Stürmer auf dem Platz?

Zu den Grafiken. 0,94 : 0,06 (!) nach xGoals. Und nach Betrachtung der Timeline fällt uns nur noch ein Zitat aus Loriots berühmtem Nudel-Sketch ein: "Sagen Sie jetzt nichts."

xG-Timeline DSC-FCK

Die Positions- und Passgrafik des FCK. Ganz schön die Linien - kein Wunder bei nur 29 Prozent Ballbesitz. Und bis zur Einwechslung von Tachie (Nr. 29) und Alidou (48) kann man eigentlich kaum davon sprechen, dass Stürmer auf dem Platz standen. Auffällig auch: Das ist jetzt schon das zweite Mal in Folge, dass zwischen Gyamfi (4) und Robinson (37) überhaupt keine Passlinie verläuft. Ist hoffentlich nichts Persönliches (Achtung, Ironie).

Passmap FCK

Die Passmap der Bielefelder: So sieht es also aus, wenn Arminia Bielefeld zu "Ballbesitzfußball" gezwungen wird. Stürmer Sarenren Bazee (37) war vor dem Spiel sicher glücklich, dass er vorne Mitte für den später eingewechselten Grodowski (11) ran durfte. Hinterher dürfte er sich als die ärmste Sau auf dem Platz gefühlt haben.

Passmap DSC

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