Im Blickpunkt
Fröhnerhof 2.0: Thomas Hengen stellt seine Pläne fürs FCK-NLZ vor - mitsamt eigenem Stadion
Thomas Hengen redet nicht lange um den heißen Brei. "Wir wollen mit der U21 auf jeden Fall in die Regionalliga. Dort brauchen wir dann ein Stadion, das die Anforderungen des DFB für diese Liga erfüllt. Aber wir brauchen auch ganz allgemein für den Trainingsbetrieb am Fröhnerhof eine bessere Infrastruktur", erklärt der Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, der meist nur an den Erfolgen oder Misserfolgen der Zweitliga-Profis gemessen wird, aber eben auch für den gesamten Klub und insbesondere den Nachwuchsbereich die Verantwortung trägt. Wir haben den 50-Jährigen getroffen und mit ihm über seine Vision fürs Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) gesprochen, die er bei der Mitgliederversammlung 2024 angerissen hatte.
Der Sportpark Rote Teufel im Jahr 2025:
Zu eng, zu klein, nicht mehr zeitgemäß. So könnte man den Zustand des Geländes im Wald von Mehlingen vor den Toren Kaiserslauterns verkürzt auf den Punkt bringen. Der Fröhnerhof ist in die Jahre gekommen. Kein Wunder, wurde er doch anno 2000 eröffnet, ist jetzt also 25 Jahre alt. Damals gehörte der FCK zu den Top 5 in der Bundesliga und es lagen viele Pläne in der Schublade. Neben zahlreichen Rasenplätzen sollten noch eine Halle und ein Funktionsgebäude gebaut werden. Vieles davon fiel aber der seinerzeit beginnenden und dann zwei Jahrzehnte lang währenden Finanzkrise des Vereins zum Opfer, inklusive der skandalträchtigen Betze-Fananleihe von 2013, so dass der Stand heute eben nicht mehr zeitgemäß ist.
"Es geht immer ums Geld und man muss auch pragmatisch denken", sagt Hengen, der dank Zweitliga-Rückkehr und Zuschauerboom zumindest eine bessere finanzielle Grundlage hat als seine Vorgänger. Und es gibt viel zu tun: "Die Großvereine haben uns links und rechts weit überholt. Für uns geht es darum, den Anschluss nicht zu verlieren. Die TSG Hoffenheim etwa als regionaler Nachbar hat mittlerweile drei separate NLZs für die Bereiche Aufbau, Grundlagen und Leistung. Das ist schon heftig. Ein anderer Bundesligist, bei dem ich im Sommer mal zu Gast war, hat ein reines Jugendbudget, das so hoch ist wie bei uns der Etat der Ersten Mannschaft. So weit wollen wir aber gar nicht gehen, denn wir denken, dass ein junger Spieler, der nach oben möchte, auch den Umgang mit Widerständen lernen muss oder mit den Gegebenheiten, wie sie eben sind. Wenn ich im Jugendbereich nur das Beste vom Besten kennenlerne, wird es für mich später schwieriger." Vor diesem Hintergrund sei man umso mehr stolz, dass mit den Junioren-Nationalspielern Mika Haas und Enis Kamga sowie Leon Robinson aktuell drei NLZ-Jungs den Sprung in Torsten Lieberknechts Profikader geschafft haben. Nach den beim FCK immer noch nachklingenden harten Sparmaßnahmen der Drittliga-Jahre von 2018 bis 2022 ist das keine Selbstverständlichkeit. Aber es soll noch besser werden.
Zurück zum Fröhnerhof-Gelände: Aktuell fehlt es schon an ganz banal klingenden Dingen wie Mannschaftskabinen oder Trainerbüros. Im Jahr 2000 habe man viel kleiner gebaut als zum heutigen Standard, erläutert Hengen. So kommt es, dass die U21 als höchste Jugendmannschaft des FCK zwei Kabinen für sich benötigt. Die U17 teilt sich an Trainingstagen eine Kabine mit der U14, die U19 manchmal mit der U16 oder der U12. Die noch jüngeren Mannschaften sind da gar nicht mit eingerechnet, weil sie ohnehin früher als die anderen trainieren. Hinzu kommt die Professionalisierung im Ausbildungsbereich, wo jeder Altersklasse neben dem Hauptverantwortlichen ein Trainer für Athletik, Torhüter, Analyse und so weiter bereitgestellt werden soll. Da hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan, so Hengen: "Wir haben bei den Leistungsmannschaften die Budgets Jahr für Jahr ein bisschen erhöht." Aber es fehlt eben an Räumlichkeiten, was bis hin zu so seltsamen Blüten trieb, dass die Jugendteams ihre Klamotten zum waschen ins Fritz-Walter-Stadion fahren und später dort wieder abholen mussten. Gewaschen werden kann heute auch auf dem Fröhnerhof. Andere Probleme bestehen laut Hengen weiterhin: "Uns fehlen fünf Mannschaftskabinen, perspektivisch eher noch sechs. Jede Jugendmannschaft sollte ihre eigene Kabine haben. Und wir brauchen zusätzliche Trainerbüros."
Ausbau der Infrastruktur am Fröhnerhof:
Dabei wurde in den letzten Jahren schon einiges gemacht im Sportpark Rote Teufel. Mithilfe des von Fans getragenen Fördervereins FCK-NLZ (der übrigens am 9. September vier Jahre alt wird - wir können jedem Unterstützer des FCK nur die Mitgliedschaft in diesem Support-Verein empfehlen) konnten beispielsweise mehrere Soccer-Courts beschafft werden. "Die Arbeit des Fördervereins ist phänomenal", sagt Hengen, der mit Blick auf die von ihm gemanagte Fußball-Kapitalgesellschaft des FCK, die sich den Fröhnerhof mit dem Mutterverein FCK e.V. quasi teilt, auch seine Unterstützung weiter steigern will. Die KGaA hat schon eine in Richtung einer Million Euro gehende Summe in die Infrastruktur investiert. Ein neuer Trainingsplatz wurde gebaut, der Kunstrasen erneuert, ein Platz der FCK-Hockey-Abteilung wurde auf Hybridrasen umgerüstet - dort können die ganz jungen Fußballmannschaften jetzt auch im Winter trainieren anstatt nach Kaiserslautern in die Soccerhalle ausweichen zu müssen.
Weiter geht es ganz aktuell mit Investitionen auf dem sogenannten "Platz 7", den NLZ-Besucher vom Training der Profis oder Spielen der U21 kennen. Der ist zurzeit gesperrt, denn es werden eine Rasenheizung, ein neues Grün und später eine Flutlichtanlage installiert. "Die Rasenheizung ist schon drin. Jetzt kommen die Besandung und die Tragschicht drauf, dann muss der Rollrasen anwachsen. Der Plan ist, dass wir bis Mitte, Ende September auf Platz 7 wieder mit dem Trainingsbetrieb starten können", skizziert Hengen den aktuell laufenden Zeitplan. "Und rechtzeitig zum Winter geht dann hoffentlich das neue Flutlicht in Betrieb."
Das regionalligataugliche Nachwuchsstadion:
Und an jenen "Platz 7", der in diesen Wochen eine Rasenheizung und eine Flutlichtanlage bekommt, soll auch das zukünftige "Amateure-Stadion" des 1. FC Kaiserslautern angebaut werden. Geplant ist eine "Multifunktionsanlage", so Hengen. "Am Spieltag brauchst Du eine Gastronomie, einen VIP-Bereich, überdachte Zuschauer- und Presseplätze, Schiedsrichterkabinen. Du brauchst Räume für Ärzte, Sanitäter, Feuerwehr, Dopingkontrolle, Toiletten, und und und. Du brauchst auch Lagerräume, das hat man im ersten Gedanken oftmals nicht auf dem Schirm. Unser Plan ist, dass wir diese Räumlichkeiten unter der Woche, wenn kein Spieltag ist, multifunktional nutzen, beispielsweise für Training und Besprechungen."
Aktuell befindet sich der FCK in der heißen Planungsphase, in der verschiedene Modelle durchgespielt werden. Es gibt auch schon Grundrisse und Zeichnungen von Architekten. Weil sich aber noch viele Details immer wieder ändern, will Thomas Hengen davon noch nichts öffentlich zeigen. Eine, zwei oder vier Tribünen - alle Varianten wurden von den Verantwortlichen durchgespielt, natürlich auch in finanzieller Hinsicht. "Manches davon ist für uns unbezahlbar", muss Hengen aus der Sicht eines Zweitliga-Managers einräumen.
Im ersten Schritt geht die Tendenz nun dahin, dass eine relativ große, multifunktionelle Haupttribüne an der Längsseite von Platz 7 angebaut wird. Dort sollen in zwei Etagen die oben genannten Räumlichkeiten untergebracht werden. Die Zuschauerränge werden überdacht und die Kapazität zunächst bei rund 2.500 Plätzen liegen. Das ist die Mindestforderung des DFB für die Regionalliga Südwest, in die der FCK mit seiner zweiten Mannschaft möglichst bald aufsteigen will. "Für ein Regionalliga-Spiel ist das völlig ausreichend", sagt Hengen. Zum Vergleich: Der benachbarte FC Homburg hatte als etablierter Regionalliga-Verein letzte Saison rund 1.200 Zuschauer im Schnitt. Und wenn doch mal ein Kracherspiel etwa gegen Waldhof Mannheim oder Kickers Offenbach anstehen würde, hätte der FCK ja immer noch das Fritz-Walter-Stadion zur Verfügung, das für normale Partien der U21 aber völlig überdimensioniert ist.
Ein kleines Stadion mit Rasenheizung, Flutlichtmasten und einer einseitigen Tribüne für 2.500 Zuschauer - das klingt doch fast wie Platz 4 oben am Fritz-Walter-Stadion, den man dann auch einfach auf Vordermann bringen könnte, oder etwa nicht? Mitnichten! Hengen erklärt: "Da würden wir keine Baugenehmigung bekommen, auch weil das Gelände gar nicht groß genug ist, die Anwohner wären sicher ebenfalls nicht begeistert. Vor allem aber: Das Fritz-Walter-Stadion inklusive Platz 4 gehört nicht dem FCK, sondern der Stadt. Der Fröhnerhof gehört uns. Wenn wir dort investieren, schaffen wir sportlich einen Mehrwert, finanziell eine Wertsteigerung und wir stärken den Sportpark als Heimat unserer Jugend." Hinzu kommt: Auf Platz 4 am Betze wurden zwar Anfang der 2000er Jahre noch regelmäßig FCK-Amateure-Spiele in der dritten und vierten Liga (damals: Regionalliga und Oberliga) ausgetragen, aber mit Blick auf die heute geltenden Anforderungen ist das nahezu unmöglich geworden. Und das Problem mit den fehlenden Kabinen und Räumen am Fröhnerhof wäre damit ebenfalls nicht gelöst.
Zeitplan und Hürden:
Wann rollen also die Bagger in Mehlingen? Hengen macht keinen Hehl daraus, dass ihm als "ungeduldigem Mensch" die Bürokratie zu schaffen macht. Aktuell läuft mit den Planungen und mit den Bauanträgen vieles parallel, so dass bei einer Genehmigung relativ zügig mit dem Bau der Multifunktionstribüne gestartet werden könnte. Ein ganz genauer Zeitplan lässt sich noch nicht vorhersagen, aber Hengen hofft, "dass wir in Richtung Winter 2025/26 weiterkommen, was die Themen Pläne, Baugenehmigung und finanzieller Rahmen angeht."
Ein geprüfter anderer Standort für das neue NLZ-Stadion fiel beispielsweise weg, weil sich an dieser Stelle im Fröhnerhof-Gelände ein Biotop befindet. Es wurden und werden Gutachten geschrieben, Lichtverhältnisse mit Blick auf die Tiere im Wald gemessen, die FCK-Verantwortlichen wurden mit ihren Ideen auch schon im Gemeinderat von Mehlingen vorstellig. Es müssen Anfahrtswege für Heim- und Gästefans geschaffen werden, Parkplätze für Stadionbesucher, aber auch die Nutzung des vorhandenen Park-and-Ride-Platzes Schweinsdell sind ein Thema. Und auch Nachhaltigkeitsmaßnahmen werden vom FCK bewusst gefördert: Die Flutlichter werden natürlich zeitgemäß mit LED ausgerüstet, die jetzt schon vorhandene Photovoltaik am Fröhnerhof wird erweitert, das Granulat im erneuerten Kunstrasen ist aus Mais und nicht mehr aus (Mikro-)Plastik. Eventuell wird sogar ein Brunnen auf dem Waldgelände reaktiviert, aus dem dann die Bewässerungsanlage für die Rasenflächen gespeist werden könnte.
Kosten und Finanzierung:
Ob die gesamten Maßnahmen am Ende vielleicht sechs, acht oder zehn Millionen Euro kosten werden - das kann Thomas Hengen heute noch nicht genau beziffern. Erst müssen die endgültigen Pläne fertiggestellt, die erforderlichen Genehmigungen erteilt und die Aufträge vergeben sein. Billig wird es jedenfalls nicht: Schon die jetzt laufenden Arbeiten auf Platz 7 mit Rasenheizung, neuem Spielfeld und Flutlichtanlage kosten rund eine Million Euro. Diese bezahlt der FCK aus dem laufenden Budget. Für die Finanzierung des Gesamtprojekts "NLZ-Stadion" hat Geschäftsführer Hengen verschiedene Möglichkeiten im Kopf, für die er aber erstmal die endgültigen Kalkulationen abwarten will.
Wie wichtig eine gute Nachwuchsarbeit mitsamt professionellem NLZ ist, betont Thomas Hengen, der Deutsche A-Jugend-Meister 1992 im Team mit dem heutigen Cheftrainer Torsten Lieberknecht, zum Abschluss unseres Gesprächs: "Viele von uns haben diesen Weg beim FCK ja selbst durchschritten, auch wenn man das damals noch nicht vom 'NLZ' gesprochen hat Das Jugendkonzept von Ernst Diehl seinerzeit hat uns für unsere gesamte Profikarriere und für die Zeit danach geprägt. Im Sportpark Rote Teufel werden heute die Grundlagen für die sportliche Zukunft des 1. FC Kaiserslautern gelegt."
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