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Taktik-Nachlese zum Spiel FCN-FCK

Die DBB-Analyse: Null Tore, 100 Prozent Spannung

09.11.2024, 14:30 Uhr - Autor: Eric Scherer

Ja, im Fußball sind Tore das Salz in der Suppe. In einer guten "Nullnummer" aber kann zu­min­dest ordentlich Pfeffer sein. Das hat das 0:0 des 1. FC Kaiserslautern beim 1. FC Nürn­berg gezeigt. Salzen können hätten beide Seiten.

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Ja, im Fußball sind Tore das Salz in der Suppe. In einer guten "Nullnummer" aber kann zu­min­dest ordentlich Pfeffer sein. Das hat das 0:0 des 1. FC Kaiserslautern beim 1. FC Nürn­berg gezeigt. Salzen können hätten beide Seiten.

Mit was wollen wir beginnen? Und in welchem Tonfall? Aus Lautrer Sicht erleichtert, weil's unterm Strich ein Punktgewinn ist, angesichts der vielen Rettungstaten von Boris Tomiak und Jan Elvedi in bisweilen allerhöchster Not, ganz zu schweigen von den Glanzparaden Julian Krahls? Oder bedauernd angesichts der guten Torchancen von Ragnar Ache, die einen Betze-Coup im Max-Morlock-Stadion zwischenzeitlich durchaus mögliche erschienen ließen?

Machen wir's kurz: Es war ein Spiel, in dem wirklich alles drin war. Für beide Seiten. Kein Spektakel insofern, als dass es diesmal eine dramatische Torabfolge nachzuerzählen gilt. Aber es war eine Partie, die dokumentierte, auf welchem Niveau mittlerweile in der Zweiten Liga gekickt wird. Dabei war es auf dem Papier nicht mal ein Topspiel, es duellierten sich gerade mal der Tabellenzehnte und der -sechste.

Dass diese Liga zudem total ausgeglichen ist und es immer auch ein wenig Dusel braucht, um 90 Minuten plus x unbeschadet zu überstehen, wissen wir ja schon länger. Und wurde an diesem Freitagabend einmal mehr auch im Parallelspiel deutlich, in dem Kellerkind Braunschweig den ewigen Aufstiegsfavoriten aus Hamburg schlug. Der FCK dagegen hat, natürlich auch dank des notwendigen Quäntchen Glücks, nun schon zum vierten Mal in dieser Spielzeit zu null gespielt, und das gegen einen Gegner, der in seinen vier Ligaspielen zuvor 16 Mal getroffen hatte.

Die Sache mit dem Ballbesitz



Das allerdings kann nicht nur Glück sein, sondern ist auch Resultat einer besseren Defensivleistung gegenüber der Vorsaison, in der der Kasten an 34 Spieltagen nur zweimal sauber blieb. Und erzielt wurde die gar nicht mal durch intensivere Abwehrarbeit auf Kosten des Angriffsspiel, sondern im Gegenteil mit einer insgesamt offensiveren Spielanlage, die darauf ausgerichtet ist, den Ball vom Tor wegzuhalten.

Womit wir auch schon bei dem statistischen Wert sind, um den heutzutage mehr rumgeeiert wird als über jeden anderen: Ballbesitz. Dabei zeigte gerade auch dieses Spiel, wie wenig Aussagekraft die nackte Zahl hat. Derzufolge nämlich hatte der FCK in dieser Partie 57 Prozent Ballbesitz. Dabei spielten die Roten Teufel 561 Pässe, über 200 mehr als ihr Gegner. Und von denen kamen sage und schreibe 92 Prozent an (FCN: 85 Prozent). Das sind Barcelona-Werte. Eigentlich. Aber: Nach xGoals, also qualitativ bewerteten Torchancen, lagen die Gastgeber am Ende mit 2,54 : 1,05 vorne. Und das durchaus nachvollziehbar.

Ballbesitz ist eben nicht gleich Ballbesitz. Auch das wurde in den verschiedenen Phasen dieser Partie deutlich. Wie sagte schon Juanma Lillo, Pep Guardiolas poesiebegabter Co-Trainer: "Passe nicht, wenn du nichts erzeugen willst. Passe zur Überwindung von Linien!" Sein Chef drückte sich prosaischer aus: "Du spielst nie, wenn dein Gegner nicht herauskommt."

Lautern passt viel, doch der FCN ist giftiger

An dieser guten Art des Passspiel versuchte sich der FCK durchaus, aber nur in der Anfangsphase. Nach drei, vier Kontakten suchte die Dreier-Abwehrkette um Luca Sirch den Weg ins Vertikale, zwischen die besagten Linien. Was die Nürnberger Deckung auch in Bewegung brachte, wenn Ache, Daniel Hanslik und Daisuke Yokota dem Leder entgegenkamen, es annahmen und schnell weiterzuleiten versuchten. Das Problem war nur: Zu oft blieb es am Versuch. Spätestens in Strafraumnähe packten die Glubberer zu.

Weil sie griffiger, giftiger sowie schlicht und ergreifend quicker wirkten als ihre Gegenspieler und entsprechend flott umschalteten. Über den starken Zehner Julian Justvan, aber auch über ihre Flügelspieler Danilo Soares und Oliver Villadsen. Dem FCK-Spiel indes fehlte es an solcher Breite. Yokota zog schon früh von der rechten Seite in die Mitte, Frank Ronstadt stieß nur zaghaft nach vorne, auf der gegenüberliegenden Seite versuchte es Florian Kleinhansl ein paar Mal, wurde aber schlecht oder gar nicht angespielt.

Aus druckvollem Passspiel wird Ballgeschiebe

Und als nach 16 Minuten eine der flinken Nürnberger Aktionen am langen Innenpfosten endete - Soares hatte Stürmer Stefanos Tzimas in die Gasse geschickt und der das Leder an Krahl vorbei getickst -, verloren die Roten Teufel zunehmen das Vertrauen in ihr druckvolles Passspiel. Jetzt artete es zunehmend in Ballgeschiebe aus. Die hintere Reihe suchte nicht mehr aufmerksam den richtigen Moment zum Pass zwischen die Linie, sondern wirkte nur rat- und einfallslos.

Offensiv trat der FCK erst wieder gegen Ende der ersten Hälfte in Erscheinung, wie in guten, alten Zeiten mit Langholz auf Ache, der die Bälle vor dem Sechzehner festzumachen versuchte. Was aber auch nicht so recht klappte. Die Innenverteidiger in seinem Kreuz, vor allem Routinier Robin Knoche, ließen nichts zu. Deren offensiv orientierten Mitspieler hatten sich währenddessen mehrmals über äußerst knappe Abseitsentscheidungen die Haare gerauft. Oder waren am überragenden Krahl gescheitert.

Anpassungen nach der Pause helfen direkt

Glücklicherweise ging's dann in die Pause, und in der nahm FCK-Trainer Markus Anfang ein paar Anpassungen vor. Afeez Aremu ging nach einer erneut insgesamt ordentlichen, aber unauffälligen Darbietung auf der Sechs raus, für ihn kam Aaron Opoku. Sirch rückte nun aus der zentralen Innenverteidigung ins hintere Mittelfeld, Opoku gab fortan einen echten Linksaußen.

Und plötzlich hatte das Lautrer Spiel die zuvor vermisste Breite. Darüber hinaus trauten sich die Pfälzer jetzt richtig was. Angriffspressing mit einem weit aufrückenden Offensivquintett, das auch verlorene Bälle sofort zurückholte.

Interessant: In der stärksten Phase des FCK sanken seine Ballbesitzanteile auf unter 40 Prozent. Wer sich früh den Ball holt, muss ihn auch nicht lange halten, um zum Abschluss zu kommen. Die "Wsycout"-Visualisierung der Ballbesitzanteile über die volle Spielzeit macht dies deutlich:

Ballbesitz FCN-FCK

Ache trifft nicht, wird aber bestens bedient

In diese Phase fielen auch zwei hochkarätige Torchancen Aches. Die erste nach einem Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte und einem direkten langen Ball von Hanslik. Im Laufduell gelingt es dem Mittelstürmer endlich mal, sich an seiner Nemesis Knoche vorbeizuschieben, er wird dann aber beim Abschluss noch stark genug bedrängt, dass er den Ball mehr übers Tor grätscht statt schießt.

Kurz darauf steckt ihm Yokota den Ball aus dem Zehnerraum zwischen etlichen Abwehrbeinen hindurch so präzise in den Lauf, als wäre er der bislang verschollen geglaubte japanische Großcousin von Uwe Bein und Felix Magath. Bei seinem Versuch, an Keeper Jan Reichert vorbeizuschlenzen, scheitert der Neuner aber.

Im weiteren Spielverlauf hat Ache noch zwei Möglichkeiten. Einmal nach einer klassischen Linksflanke von Opoku, die er am langen Eck frei annehmen kann, aber drüber semmelt. Und nach einer Flanke, die der eingewechselte Kenny Redondo von rechts mit dem linken Fluss schlägt. Aches Kopfball ist zwar eine Augenweide, was die technische Ausführung angeht, aber die Position zum Tor ist nicht gut genug, als dass es wirklich gefährlich werden könnte.

Wir fassen aber zusammen: Eine Toraktion nach langem Ball durch die Mitte, eine nach kurzem Ball durch die Mitte, eine nach Links-, eine nach Rechtsflanke. Ja, doch, diese Mannschaft bedient ihren Mittelstürmer auf alle erdenklichen Arten. Nur getroffen hat er leider nicht.

Wir notieren: Ein Arschtritt ist "nichts Böses"

Doch wie eingangs schon angedeutet: Ein Treffer des FCK und damit auch ein Auswärtssieg wäre möglich, aber einfach "too much" gewesen angesichts der starken Leistung der Gäste. Denn die kamen Mitte der zweiten Hälfte wieder auf und hatten ihrerseits Chancen. Manche Rettungstaten waren so brenzlig, dass Elvedi und Tomiak mit fast schon chirurgischer Präzision zu Werke gehen mussten, um keinen Elfmeter zu verursachen.

Und dann war da natürlich Krahl. In der 49. Minute klärte er mit reflexartiger Fußabwehr erneut gegen den freistehenden Tzimas, in der 76. Minute verhinderte er nach einem Volleyschuss des jungen Rafael Lubach den Einschlag neben dem rechten Torpfosten.

Regelrecht zum Schmunzeln war die Szene in der 72. Minute: Mahir Emreli köpft aus acht Metern völlig freistehend aufs Tor, platziert das Leder aber mittig. Krahl fischt es ab und schüttelt anschließend den Kopf, augenscheinlich vollkommen fassungslos: Weil es ihm wider Erwarten so leicht gemacht wurde, wohl aber auch, weil seine Vorderleute ihn im Stich gelassen hatten. In anderen Szenen reagierte Krahl auf solche Nachlässigkeiten cholerischer, was er hinterher aber mit wohlgesetzten Worten entschuldigte: Es sei "nichts Böses" dabei, wenn er "den Jungs manchmal in den Arsch treten" müsse. Sehr schön.

Wir fassen zusammen: Dieses Spiel zeigte, wie wenig Aussagekraft der nackte Ballbesitzwert hat. Und dass in dieser Liga selbst eine gute Abwehr gegen einen guten Gegner immer auch ein wenig Glück braucht. Ebenso aber, wie wichtig Breite fürs FCK-Spiel ist. Drum ist es gut, dass die Flügelstürmer Redondo und Opoku jetzt wieder in den Kader zurückgekehrt sind. Und nach der Länderspielpause hoffentlich endgültig wieder fit für einen Einsatz in der Startelf sind.

Von den Flügeln darf gerne noch mehr kommen

Zu den Grafiken. "Wyscout" hat im Gegensatz zu Opta (2,54 : 1,05) einen xG-Wert von lediglich 1,18 : 1,03 zugunsten Nürnbergs errechnet. Keine Ahnung, warum. Dafür ist die Timeline einigermaßen aussagekräftig. In der Viertelstunde nach der Pause hätte das Ding zu Lauterns Gunsten kippen können.

xG-Timeline FCN-FCK

Die Positions- und Passgrafik des FCK: Schön zu sehen, wie Redondo (Nr. 11) und Opoku (17, aber verdeckt von Raschl (20)) nach ihrer Einwechslung Breite herstellen. Aber: Es führen keine Passlinien von den Außenpositionen zum Mittelstürmer.

Passmap FCK

Das ist beim FCN anders. Da werden die Stürmer von den Seiten und aus der Mitte gefüttert. Erstaunlich was für ein gut funktionierendes, aber auch blutjunges Team Miro Klose da so schnell geformt hat.

Passmap FCN

Und die Überkreuzübersicht der Duelle. Diesmal nicht nur die Innen, sondern auch die Außenverteidiger mit guten Bilanzen. Und einmal mehr beeindruckt Yokota.

Zweikampf-Duelle FCN-FCK

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