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Saisonrückblick 2009/10, Teil 1

Die Hinrunde: Marco Kurz bringt die Euphorie zurück

12.05.2010, 18:20 Uhr - Autor: Sebastian

Es war der 8. August 2009, 13:45 Uhr im Fritz-Walter-Stadion. Der 1. FC Kaiserslautern führte am ersten Spieltag der Zweitligasaison 2009/10 gegen Greuther Fürth mit 2:0. 27.000 begeisterte Fans schauten sich ungläubig an ob des feinen Fußballs, den die Roten Teufel präsentierten, ob der 2:0-Führung durch sehenswerte Treffer von Alexander Bugera und Ivo Ilicevic. Das war doch nicht der FCK, den wir kennen, oder? Und das war doch nicht der Fußball, den wir erwartet haben, oder?

Titelfoto

Es war der 8. August 2009, 13:45 Uhr im Fritz-Walter-Stadion. Der 1. FC Kaiserslautern führte am ersten Spieltag der Zweitligasaison 2009/10 gegen Greuther Fürth mit 2:0. 27.000 begeisterte Fans schauten sich ungläubig an ob des feinen Fußballs, den die Roten Teufel präsentierten, ob der 2:0-Führung durch sehenswerte Treffer von Alexander Bugera und Ivo Ilicevic. Das war doch nicht der FCK, den wir kennen, oder? Und das war doch nicht der Fußball, den wir erwartet haben, oder?

Rückblick: Als nach langer Suche am 18. Juni 2009 mit Marco Kurz der Nachfolger von Ex-Trainer Milan Sasic präsentiert wurde, war erstmal keine Euphorie zu spüren. Ernüchterung trifft es wohl eher, galt Kurz in den Medien und auch bei vielen Fans als dritte Wahl. Schließlich war er auch die dritte Wahl, bekam Vorstandschef Stefan Kuntz von den Wunschkandidaten Franco Foda und Heiko Herrlich jeweils kurz vor der Vertragsunterschrift einen Korb. „Wer die defensive 'hoch und weit'-Spielweise von Milan Sasic nicht mochte, wird Marco Kurz wahrscheinlich hassen“ - ein Beispiel für die ersten Reaktionen aus dem Forum von „Der Betze brennt“.

Die ersten Neuzugänge vermochten dann ebenfalls keine Euphorie zu entfachen, besonders nach den Abgängen der drei Stammspieler bzw. Publikumslieblinge Axel Bellinghausen, Josh Simpson und Aimen Demai. Und je länger sich die Trainersuche hinzog, desto unruhiger wurde es in der Fanszene. Viele sahen schon die Felle davon schwimmen, denn ohne Trainer keine Neuzugänge, so der Tenor. Nachdem mit Christoph Buchner am Tag der Trainervorstellung auch der erste Neuzugang bekannt gegeben wurde kam die „Verpflichtungswelle“ aber endlich ins Rollen. Mit Ivo Ilicevic folgte schnell ein erster Offensivspieler, auch der Verbleib der Leihspieler Sidney Sam und Danny Fuchs wurde freudig registriert. Als dann kurz vor Saisonbeginn mit Adam Nemec endlich der wochenlang herbeigesehnte Stürmer an Land gezogen wurde, endete endlich die Suche für die Hinrunde, die mit Bastian Schulz, Rodnei und zum zweiten Mal George Mandjeck weitere junge und hungrige Spieler zu Tage gefördert hatte. Interessant war die öffentliche Reaktion auf den Transfer des Brasilianers Rodnei vom Hauptstadtclub Hertha BSC: Im Grunde benötige man ihn nicht, sagten die einen. Andere sahen ihn als Backup für die Außenverteidiger und überhaupt, da plant man nicht mehr mit Moussa Ouattara und holt doch wieder einen für hinten? Der kleine Exkurs in die Phase der Trainer- und Spielersuche zeigt die Stimmung vor Saisonbeginn: Die neue Spielzeit wird ein Überraschungsei werden. Neuer Trainer, neue Mannschaft, viele Fragezeichen. Und dann ging es endlich los!

Und zwar im DFB-Pokal. Bei Eintracht Braunschweig zeichnete sich noch nicht ab, in welche Richtung es gehen wird, aber man sah schon eines: In kurzer Zeit schaffte es der Trainerstab, eine Mannschaft auf den Rasen zu schicken, die diesen Namen auch verdiente! Trotz des Platzverweises in der ersten Halbzeit für Ivo Ilicevic konnte der Drittligist niedergekämpft werden, 1:0 stand es am Ende. Getroffen hatte der bis dato letzte Neuzugang, Adam Nemec, der erst wenige Stunden vor Anpfiff die Spielgenehmigung erhielt. Ein Schnäppchen, wie auch der Rest der Neuen. Und ein erstes kleines Ausrufezeichen, denn nicht wenige Fans hatten aufgrund der holprigen Saisonvorbereitung - auch die Testspiele verliefen nicht vielversprechend - mit einem Pokalaus beim heimstarken BTSV gerechnet.

Dann kam der erste Spieltag und die Blicke im Stadion. Hoch und weit? Defensiv bis aufs Blut? Denkste! Marco Kurz ließ einen Fußball spielen, den man als FCK-Fan in den letzten Jahren nur bei den Gegnern gesehen hat. Gepflegtes Aufbauspiel, schnelle Angriffe über die Flügel, Doppelpässe, eine bombensichere Abwehr. Die ersten Worte des Lobes in Richtung Trainer wurden formuliert. Vielleicht geht ja doch was, oder war das nur ein Strohfeuer? Zumindest waren die ersten drei Zähler im Sack und die zweite Runde im Pokal erreicht. „Saisonstart geglückt“ lautete die Überschrift. Und es sollte noch besser kommen!

Nach einem Kampfsieg beim späteren Absteiger Rot-Weiß Ahlen (Torschütze: Rodnei) und zwei Unentschieden gegen Aachen und in Paderborn stand der FCK weiterhin ohne Niederlage da und im Nachhinein wundert einen nicht mehr, dass man hinten kaum etwas zuließ und vorne wenige Tore zum Erfolg reichten. Das Erfolgsrezept der Saison 2009/10 wurde bereits in den ersten Wochen sichtbar.

Mit diesem Wissen ging es ab in die ersten Partywochen der noch jungen Saison. Der Startschuss war das Spiel gegen den MSV Duisburg, der vor der Saison als ernsthafter Aufstiegskandidat gehandelt wurde. Und plötzlich stand es 4:1 für die jüngste Mannschaft der Liga, tolle Stimmung zur neuen Anstoßzeit freitags um 20:30 Uhr auf dem Betzenberg inklusive - „kontrollierte Euphorie“ war nun angesagt. Und im Volltempo ging es weiter, Spitzenreiter St. Pauli wurde im eigenen Stadion von einem Offensivorkan von der Tabellenspitze gefegt, 2.000 Lautrer Schlachtenbummler sorgten für eine großartige Stimmung und nur aufgrund des Torverhältnisses war der FCK noch nicht Tabellenführer. Doch das sollte sich schon eine Woche später ändern, als der Karlsruher SC im Derby mit 2:0 nach Hause geschickt wurde. Groß: Die fantastische Choreographie in der Westkurve sowie der Mannschaftsgeist. Denn Bastian Schulz, der noch eine Woche zuvor einen Elfmeter verschoss, bekam eine weitere Chance vom Punkt und verwandelte.

Der krönende Abschluss einer großartigen Woche, denn zwischen den beiden Punktspielen wurde Bayer Leverkusen, damals und auch lange danach noch ungeschlagener Spitzenreiter der ersten Liga, vor einem entfesselten Publikum im DFB-Pokal mit 2:1 nach Hause geschickt. Was für eine Woche! Die Eroberung der Tabellenspitze und vor allem der Pokalerfolg gegen die Truppe von Jupp Heynckes ließen die Euphorie endgültig spürbar werden und sind als Meilenstein für die erfolgreiche Saison zu sehen. Es war das „Comeback des Betzenbergs“.

Es folgten vier Punkte in Frankfurt und Cottbus - in Brandenburg startete die Mannschaft die Aktion „Ihr für uns - Wir für Euch“ als Dank für die tolle Unterstützung der Fans - bevor die Saison ihren ersten Dämpfer bekam. Fortuna Düsseldorf, das den Gästebereich des Stadions richtig voll machte, entführte alle drei Zähler und trug auch noch auf den Rängen den Sieg davon. Ein angesichts der meist leeren Gästeblöcke in Liga zwei lange nicht mehr gekanntes Gefühl. Die erste Saisonniederlage und das auch noch zu Hause, gefolgt von dem erwarteten Pokalaus bei Titelverteidiger Werder Bremen. Wie würde es weitergehen? Bricht der FCK nun ein, ist die junge Truppe nervös?

Das Gegenteil war der Fall! Bei 1860 München folgte ein 1:0-Erfolg, der Startschuss der nächsten Serie. Sechs Siege am Stück und nach dem 2:0-Auswärtssieg im Montagsspiel beim starken Aufsteiger Union Berlin bestiegen die Roten Teufel den Thron der Liga - und gaben ihn nicht wieder her. Der FCK war die Nummer 1, auf dem Spielfeld wie auf den Rängen. Stellvertretend seien hier die 2.000 Fans genannt, die sich montags auf den weiten Weg nach Berlin machten und dort sogar noch eine große Choreographie organisiert vom Fanclub „Berliner Bagaasch“ zelebrierten.

Ab sofort hieß es also „Tabellenführer Kaiserslautern“ und nachdem der zu diesem Zeitpunkt ärgste Verfolger Arminia Bielefeld am 30. November 2009 durch ein 1:0 zurück auf die Alm geschickt wurde, lagen schon fünf Punkte zwischen dem FCK und dem Relegationsrang. Zwei Siege in Rostock und gegen Koblenz später waren es gar neun Punkte Vorsprung. Das 3:0 gegen die TuS bedeutete den zwölften Sieg im 16. Punktspiel der Saison, in denen nur neun Gegentore zugelassen wurden. Und es bedeutete die vorzeitige Herbstmeisterschaft! Bemerkenswert: Marco Kurz wechselte so gut wie nie seine Startformation, nur bei Sperren oder Verletzungen wurde er aktiv. Eine so eingespielte Mannschaft hatte der Betzenberg wohl noch nie gesehen. Besonders die Abwehr tat sich hervor, insgesamt 31-mal in Folge hieß es 90 Minuten für Sippel und seine vier Vorderleute. Wahnsinn!

Ein Wermutstropfen war dann das 1:4 in Augsburg am letzten Spieltag der Hinrunde, erneut begleitet von 3.000 FCK-Fans bei Eis und Schnee am kürzesten Tag des Jahres - und schon wieder montags. Doch die Euphorie, welche die Roten Teufel in der Hinrunde entfacht hatten, konnte dadurch nicht zerstört werden. Die Stimmung bei den Heim- wie auch Auswärtsspielen wurde immer besser, die Gegner wurden reihenweise mit einem Meer aus Taschentüchern verabschiedet und die Gedanken an einen Aufstieg wurden plötzlich nicht einmal mehr von den ärgsten Pessimisten glaubhaft vertrieben.

Doch nur die Fans lehnten sich ein wenig aus dem Fenster, die Mannschaft und der Trainer sowie Vorstand Stefan Kuntz strapazierten die Nerven der Beobachter, indem die Parole „Wir denken von Spiel zu Spiel“ partout nicht verändert wurde. Wie wir nun wissen: Zu Recht!

Nach den ersten 17 Saisonspielen stand also der erste Platz mit einem so deutlichen Vorsprung, wie es kaum einer für möglich gehalten hat. 39 Punkte, knapp am Zweitligarekord vorbei. Teilweise richtig schöner Fußball, eine „Abwehr aus Granit“ und ein Trainer, der den Skeptikern in beeindruckender Manier den Wind aus den Segeln nahm. Was für eine Hinrunde!

Am Samstag auf „Der Betze brennt“: Der zweite Teil des Saisonrückblicks 2009/10. Der holprige Start aus der kurzen Winterpause, die Rückkehr zur alten Stärke... und der enthusiastisch gefeierte Aufstieg in die erste Liga!

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