Paul hat geschrieben:Ich meine es auch nicht persönlich und komme bisher gut mit meinem Bauleiter aus, aber dazu muss ich schon noch kommentieren:
Man muss als Laie eben auch erstmal erkennen, was elementar ist!
Woher in Gottes Namen soll - ich als Normalsterblicher, der zum ersten Mal ein Haus baut und tausend Dinge beachten soll/muss/will - wissen, dass sich die im Plan ausgewiesene BRH (Brüstungshöhe) von 1,00 Meter auf den Rohbau und nicht auf die Höhe ab fertigem Bodenaufbau bezieht???
Woher soll ich das wissen, zumal ich nirgends ersehen kann, welche Höhe der Bodenaufbau denn nun hat?
Ich kenne weder die Baufirma mit der Du baust noch den Bauleiter, aber so viel mal nebenbei: Die Bezugshöhe der Öffnungen, ob Roh oder Fertig, gehört auf jeden Plan.
Spätestens im Schnitt sollte man sowas darstellen. Und sollte man das auch darstellen, wie hoch der Fussbodenaufbau ist. Oder es steht nochmal explizit im Grundriss.
Zu mir hat mal ein Kunde gesagt, "jaja, sie können ja vieles in Ihre Pläne schreiben. Und mir die dann unterjubeln..."
Wir haben nämlich WEIL wir gebrannte Kinder sind in unseren Plänen sinngemäß drinstehen: "Mit der Unterschrift wird von der Bauherrschaft die Freigabe zur Ausführung erteilt. Alle Änderungen NACH dieser Freigabe sind mit nachträglichen Kosten zu Lasten der Bauherrschaft verbunden."
Was meinst Du wieviele Bauherren da genau drauf gucken? 5%? 10%? Und nachher holt jeder Bauherr, egal wer, die "Laien"Argumente raus. Vorher weiss jeder alles. Nachher nix.
Einmal hat ein Kunde, obwohl wir im Angebot genau beschrieben WO er überall Fliesen bekommt, gesagt er habe ABER GEDACHT, das die auch in die anderen Räume kämen. Angebot UND Auftrag von ihm unterschrieben.
Keine Sau liesst Angebote und Auftragsbestätigungen richtig. Und nachher ist das Geheule gross...
Sorry, aber mir platzt wirklich der Arsch bei diesem Thema. Viele Kunden können Dir sagen, dass man "den Boden nicht austauschen" brauche, weil der "wäre tragfähig" und "nirgendwo hier wären bis jetzt Probleme aufgetaucht...", "könnte man auch schriftlich haben...". Aber wehe es gibt Risse, dann ist der BauIng/Leiter schuld. ER ist ja der Fachmann, der Bauherr nur der Laie...
Paul hat geschrieben:
Zudem hatten wir beim Vorgespräch mit dem Bauleiter klar gesagt, dass wir über eine Küche mit Arbeitsplattenhöhe von knapp 98 cm nachdenken. Spätestens hier hätte er doch mit der Alarmklingel schellen sollen, oder?
Tja. Ich weiss nicht wieviele Projekte der am laufen halten muss, ich hab zeitgleich ungefähr 12. Daneben noch die die abgeschlossen sind und "Mängelrügen" haben und die, die noch in der Kalkulation stecken.
Da kann es einem schon mal passieren, dass man nicht "mit der Alarmklingel" schellt...
Paul hat geschrieben:
Aber alles halb so wild: wir haben eine so genannte Aufdoppelung unter dem Fenster, was uns diese Höhe ermöglicht. einziger Wermutstropfen ist nun, dass eben die Brüstungs-Mauer noch etwas erhöht werden muss vom Fliesenleger, der die Fensterbank fliest. Es geht hier nicht um ein Drama, sondern darum, dass auch ein Bauleiter vielleicht mal drüber nachdenken sollte, dass nicht alle Kunden 367 Baubücher studiert haben, bis sie alle Geheimnisse eines Baus kennen!
Nein. Natürlich musst Du nicht 367 Baubücher gelesen haben bevor Du baust. Aber wenn ich ein Auto kaufe weiss ich auch ob ich Ledersitze bekommen möchte oder nicht. Ohne das ich vorher Fahrzeugbau studiert habe...
Ich finds immer putzig, bei allem anderen wird vorher genau eingelesen und studiert und verglichen. Beim Bau guckt quasi jeder nur auf den Preis und fängt an zu bauen. Ist irgendwas nicht so wie vorgestellt und wird gerügt, aber auch nicht vertraglich vereinbart, soll der Unternehmer den ganzen Krempel übernehmen.
Ich soll zB nem Kunden den Kran UNENTGELTLICH für 3 Wochen stehen lassen. Mit welcher Begründung? Gibt keine.
Anderer Kunde: 12 cm WDVS gekauft. Will aber während der Bauphase 16 cm haben. Ist ne Leistung die wir nur durchlaufen lassen. Ich sag ihm, kostet xyz + 5% für mich. Er sagt, soviel hab ich nicht. Ich sag - dann gibts das halt nicht. Er sagt, ich zahl dir xyz-xy, das MUSS DANN ABER REICHEN.
Und wer geht, um das Beispiel nochmal aufzugreifen, zum Autohändler, bestellt nen Golf Trendline, um 4 Wochen, bevor der ausgeliefert wird, eine Lederausstattung nach zu ordern und für diese nur die Hälfte zu bezahlen?
Eigentlich doch keiner, oder?
Paul hat geschrieben:
Wenn ich euch was vom Wetter erzähle, rechne ich auch nicht damit, dass ihr wisst, wie Vorhersagemodelle funktionieren, wo die Schwächen und Stärken liegen etc.. Ihr wollt dann einfach nur wissen, wie sicher ihr euren nächsten Grillabend auf der Terasse trocken bleibt
Das wird vermutlich so sein. Allerdings geht es bei einem verregneten Grillabend auch nur um einen verregneten Grillabend.
Paul hat geschrieben:
Und ich wollte einfach nur wissen, ob ich meine Küche auf Basis der Pläne planen darf und ob meine Arbeitsfläche eine gewisse Höhe haben darf. Dass der Bauleiter dann automatisch davon ausgeht, dass meine Küchenbauer die Arbeitplatte in die Fensteraussparung einbauen, das konnte ich wirklich nicht wissen, zumal ich noch nie auch nur eine solche Arbeitsplatte gesehen habe.
Okay, verstehe. Wie gesagt denke ich einfach, dass die Pläne dort wenig Aussagekraft haben. Meist kommen grad bei so Bauträgergeschäften Pläne zum Einsatz, die schön Bunt angelegt sind, aber wichtige Sachen stehen da in den seltensten Fällen drin...
Paul hat geschrieben:
Anyway:
Der Bauleiter kümmert sich drum, dass der Fliesenleger das entprechend erhöht und dann sind wir alle glücklich!

Ausser der Firma die es bezahlen darf. Du hast als Bauleiter, wenn Du nicht jedes Gespräch, das auf der Baustelle stattgefunden hast als Aktennotiz in 3-facher Ausfertigung dokumentiert hast, gegen die "wir haben ihnen das aber gesagt"-Argumente keine Chance.
Sei mir nicht böse, aber bei diesem Thema platzt mir wirklich der Arsch. Jedes Mal wenn der Unternehmer die Möglichkeit hätte, sein Recht durch zu setzen sind es Mafia-Methoden oder noch schlimmeres. Und wehe du lieferst was vertraglich geschuldet war, aber der Bauherr hat sich was anderes drunter vorgestellt.
Dann gnade Dir Gott!
Noch nen Beispiel gefällig?
EDITH: Den letzten Satz hab ich nicht gelesen. Also das Du die Mehrkosten tragen sollst...!